Die Grotenburg
vorgeschichtliche Befestigung um das Hermannsdenkmal

Warum steht das Hermannsdenkmal dort, wo es steht?
Natürlich, weil jener Platz in Beziehung gesetzt wurde zur Überlieferung der Varusschlacht. Und zwar, um die Geschichte nur grob zu skizzieren, in folgender Weise:

Tacitus berichtet in seiner Schilderung des Germanicus Feldzuges 15 n. Chr.:
DUCTUM INDE AGMEN AD ULTIMOS BRUCTERORUM, QUANTUMQUE AMISIAM ET LUPIAM AMNIS INTER VASTATUM, HAUD PROCUL TEUTOBURGIENSI SALTU IN QUO RELIQUIAE VARI LEGIONUMQUE INSEPULTAE DICEBANTUR. (tac. Ann. I,60)
Also in etwa: Das Heer wurde zu den äußersten Grenzgebieten des Stammes der Bructerer geführt, wobei das Land zwischen Ems und Lippe verwüstet wurde, nicht weit vom Teutoburger Wald, in dem, wie man sagte, die unbestatteten Überreste von Varus und seinen Legionen lagen.

Diese Angaben erscheinen auf den ersten Blick recht genau. Ems und Lippe haben tatsächlich ihre uralten Namen bewahrt. Nicht so aber der Teutoburger Wald. In einer Zeit, Anfang des 19. Jahrhunderts, in der man sich zunehmend mit der tieferen Vergangenheit des heimatlichen Raumes beschäftigte, wurde die Frage interessant, wo genau denn jene berüchtigte Varusschlacht stattgefunden haben könnte, und davon abgeleitet, wo denn ein Gebiet zu finden sei, das sich nach einer Teutoburg nennt. Der heute auf allen Karten zu findende Teutoburger Wald hat seinen vermeintlich alten Namen erst wieder 'zurückerhalten', nachdem man diese Frage für einigermaßen geklärt hielt. 'Teutoburg' ist – völlig unstrittiger Weise – eine germanische Ortsbezeichnung.
1822 dann veröffentlichte ein Christian Gottlieb Clostermeyer eine Schrift, in der er die Behauptung aufstellte, er habe eine offensichtlich uralte Befestigungsanlage ausgemacht, unweit des Gebietes zwischen Ems und Lippe, die unzweifelhaft jene gesuchte Teutoburg sei. Naja, und in mitten dieser vorgeschichtlichen Höhenbefestigung wurde dann das Hermannsdenkmal errichtet.

Einerseits erschien bald fragwürdig, ob die bewußte Befestigungsanlage mit Recht als eine von Tacitus erwähnte Teutoburg angesprochen werden könne, andererseits entwickelte sich eine ganz neue Wissenschaft, um so einem Platz zu Leibe zu rücken. (Wir wollen hier nicht näher darauf eingehen, wie viele ungesicherte Annahmen überhaupt in dieser Konstruktion stecken.) Also: Es wurden archäologische Ausgrabungen rund ums Hermannsdenkmal veranstaltet. Leider hatten die verschiedenen Baumaßnahmen inzwischen einen Großteil der nach älteren Berichten Anfang des 19. Jahrhunderts noch überaus beeindruckenden vorgeschichtlichen Anlage zerstört. Ein Teil der Steine aus der Befestigung waren sogar bei der Errichtung des Denkmals mit verbaut worden.

To be continued soon...

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  • Friedrich Hohenschwert: Ur- und frühgeschichtliche Befestigungen in Lippe, Münster 1978.

  • August von Oppermann / Carl Schuchardt: Atlas vorgeschichtlicher Befestigungen in Niedersachsen, Hannover 1916.

  • Christian Gottlieb Clostermeyer: Wo Hermann den Varus schlug – drei verschiedene, durch die neuesten Untersuchungen über diesen Gegenstand veranlaßte Aufsätze, Lemgo 1822.
    - Dieser Titel ist eine Quelle zum Verständnis der Forschungsgeschichte. -

  • Heinz Günter Horn: Die Römer in Nordrhein-Westfalen, Stuttgart 1987


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