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Germanische
Urnengräber - und die Autobahn
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Ausgrabung im
Süden des Braunschweiger Stadtgebietes
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Seit 1928 wurden auf den Feldern westlich von
Leiferde (Braunschweig) mehrfach germanische Urnengräber der
späten Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit
(4. bis 6. JH n.Chr.) gefunden. Hier soll bald ein neuer
Autobahnzubringer entstehen. Im Jahr 2005 wurde deshalb durch Dr.
Geschwinde eine Testfläche untersucht, in der die Reste von
mehr als 100 Bestattungen dokumentiert werden konnten. Es erstreckte
sich hier offensichtlich einst ein großes Gräberfeld.
Bevor im Mai dieses Jahres "die Bagger anrollen" erfolgt nun eine
großflächige Ausgrabung unter Leitung des
Archäologen Jörg Weber.
Gabi und ich von den "Freunden der Archäologie im
Braunschweiger Land" besuchten Jörg auf der Grabung.
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Zelte
schützen die Grabungsflächen.
Sollten die kommenden Wochen und Monate regnerisch werden,
wäre dies bei dem lehmigen Boden sonst bald keine Ausgrabung
mehr, sondern eine Schlammschlacht.
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Die Gegend um Leiferde ist reich an Fundplätzen
der späten Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit. Drei
mutmaßliche Siedlungsplätze und vier
Brandbestattungsplätze dieser Zeitstellung liegen bei
Stöckheim, Rüningen und Leiferde. Sie sind durch
Lese- und Zufallsfunde, sowie kleinere Altgrabungen bekannt.
Nach den neueren Ausgrabungen von 2005 scheint es sich zumindest bei
dem Friedhof zwischen Rüningen und dem Thiedebach um einen der
großen Urnenfriedhöfe jener Epoche gehandelt zu
haben. Alle zwei bis fünf Meter eine Bestattung - ein Bild das
sich in den dieses Jahr neu geöffneten Flächen
fortsetzt. Allein unter den oben abgebildeten vier Zelten fanden sich
bereits die Reste von elf weiteren Bestattungen. Friedhöfe der
späten Kaiserzeit können in unserer Region 800 und
mehr Urnengräber umfassen. Vielleicht zieht sich das
Gräberfeld gar jenseits des Thiedebaches bis hinauf zur
Friedrichshöhe, wo ebenfalls Urnen aus dieser Zeit gefunden
wurden? Nun - das wäre dann doch ein etwas sehr
großes Gräberfeld.
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Es
wird angenommen, dass es sich bei den großen
Urnenfriedhöfen nicht um
die Bestattungsplätze einer einzigen großen Siedlung
handelt, sondern
vielmehr um den zentralen Bestattungsplatz umliegender einzelner
Gehöfte und kleinerer Siedlungen, die kaum die Bezeichnung
"Dorf"
verdienen. Wo man aber einen gemeinsamen Bestattungsplatz annimmt, mag
es auch in anderen Bereichen gemeinsame Strukturen gegeben haben,
vielleicht einen gemeinsamen Kultplatz, einen "Häuptling" oder
Ältestenrat... Zu leicht gerät man ins Spekulieren.
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Zu den Fakten, dem Bild, das die Urnengräber im
Boden vor uns bieten:
Die Bestattungen bestehen aus je nur einer Urne ohne Steinschutz,
Beigaben oder Beigefäße. Dies ist das erwartete Bild. Auch
in den Urnen sind kaum Beigaben zu erwarten. In dieser Zeit geraten nur
ausnahmsweise Reste von "Beigaben" in die Urnen. Dabei handelt es sich
dann allerdings um Objekte, die vorher mit dem Toten auf dem
Scheiterhaufen verbrannt worden sind, so dass man sie kaum noch
identifizieren kann.
Die Grabgruben für die Urnen waren wohl nur bis etwa 50 cm unter
die heutige Oberfläche im Boden eingetieft. Dadurch ist
bedauerlicher Weise bei allen Neufunden bisher zumindest der obere Teil
der Gefäße zerstört, da bei der heutigen
landwirtschaftlichen Nutzung der Fläche der Pflug bis 30cm und
tiefer in den Boden eindringt. Auch die unteren Gefäßteile
sind z.T. stark fragmentiert; bei einigen, etwas höheren
Bestattungen sind diese sogar nur noch als zerrissene Spur aus Scherben
und Leichenbrand erkennbar. Es bleibt zu hoffen, dass im Verlauf der
Ausgrabung auch noch besser erhaltene oder gar vollständige
Gräber entdeckt werden. Genauso aber ist zu befürchten, dass
von einigen ehemaligen Bestattungen garnichts mehr übrig ist, da
diese voll in der Pflugschicht lagen.
Noch eine Bemerkung, gerichtet an die Freunde, mit denen ich seit zwei
Jahren im steinigen Kies von Isingerode grabe: Unterhalb der
Pflugschicht wird der Boden hier von hellem, lehmigem Material
gebildet. Das Material ist sehr "putzfreundlich", es ließen sich
wunderbare Plana und Profile putzen. Nur: Die Grabgruben sind beim
besten Willen nicht erkennbar.
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Arbeit im
Grabungszelt - im Vordergrund der Archäologe Jörg
Weber mit Besucherin Gabi vom FABL-Ausgrabungsteam.
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Reste einer
Urnenbestattung im
Fundzustand. Der obere Teil der Urne ist durch den Pflug
zerstört.
Die ehemalige Grabgrube ist im umgebenden Boden definitiv nicht als
Verfärbung zu erkennen.
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Jörg Weber und sein Team haben noch viel Arbeit vor sich.
Wir wünschen ihnen viel Erfolg und das Glück, noch auf viele
und besser erhaltene Gräber zu stoßen. - Und wir freuen uns,
dann auch von dem Ergebnis der Arbeit zu hören.
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Babette Ludowici: Frühgeschichtliche Grabfunde zwischen Harz
und Aller - Die Entwicklung der Bestattungssitten im
südöstlichen Niedersachsen von der jüngeren
römischen Kaiserzeit bis zur Karolingerzeit (Materialhefte zur
Ur- und Frühgeschichte Niedrsachsens Band 35),
Rahden 2005.
besonders → S.169-171(Katalog Altfunde Leiferde);Tafel 21-24;
Karte 13.
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