Zu meinem diesjährigen Geburtstag hatten mir mehrere Freunde gemeinsam ein gebrauchtes Tourenrad geschenkt. Am Dienstag, den 05.10.2004, erschien mir das Wetter ausreichend stabil, um das neue Fahrzeug einem ersten Härtetest zu unterziehen. Ich hatte einen freien Tag, war in Abbenrode am Elm bei Verwandten zum Kaffee eingeladen und plante mit einem kleinen Umweg einen Platz aufzusuchen, der mir vorgeschichtlich interessant erschien. Das Fahrrad hat sich hervorragend auf den 32 Kilometern bewährt. Nur am Rieseberg versagten meine Kräfte, so dass ich ein Stück weit schieben musste.

Das eisenzeitliche Gräberfeld von Lauingen

Im Süden am Fuße des Rieseberges, unweit von Lauingen, liegt ein kleines Kiefernwäldchen. Auch in aktuellen topographischen Karten sind hier noch einige Hügelgräber eingezeichnet. Bereits im frühen 19. Jahrhundert wurde dieses eisenzeitliche Urnengräberfeld "untersucht". Die Keramik dieses Fundplatzes wird bis heute in verschiedenen Überblicksdarstellungen zur regionalen Vorgeschichte zumindest erwähnt. Etwas ausführlicher widmete sich Otto Krone 1931 in seiner "Vorgeschichte des Landes Braunschweig" den Funden von Lauingen. Jüngere und detailiertere Publikationen sowie der Verbleib der Funde sind mir nicht bekannt. (Für Hinweise bin ich immer dankbar.)
Das besondere des Platzes ist nun der Stil der hier gefundenen Keramik sowie die sich daran anschließende Datierung. Die Lauinger Keramik weist z.T. Stilelemente der im Braunschweiger Raum verbreiteten ältereisenzeitlichen Nienburger Kultur (6. und 5. Jahrhundert vor Chr.) auf, verbindet diese aber mit Elementen der nördlichen Jastorfkultur. Krone setzte sie in die Stufe Jastorf C, ca. 400-250 v. Chr..
Damit fällt die Nutzung des Gräberfeldes etwa mit der derzeit angenommenen II. Bauphase der Reitlingstalbefestigungen (Krimmelburg, Brunkelburg, eventuell Talwälle und Wendehaiwälle) zusammen. Der Platz befindet sich etwa zwei Wegstunden (Wegekenntnis vorausgesetzt - es sind ca. 7 km Luftlinie) von der Krimmelburg entfernt und liegt damit wahrscheinlich im Einzugsbereich der Befestigungen. Der Ort einer zum Gräberfeld gehörenden Siedlung ist allerdings – wie fast immer – unbekannt. Ein Vergleich von Keramiktypen von Krimmelburg Phase II und Lauingen scheint bei der derzeitigen Dokumentationslage unmöglich.

Nebenbei: In dem kleinen Kiefernwäldchen gibt es heute nichts wirklich Interessantes mehr zu sehen. Wahrscheinlich gibt es auf Grund der umfangreichen "Altgrabungen" nicht einmal mehr für Archäologen etwas zu finden. Bei meiner Radtour ging es mir aber vorrangig darum, ein Gefühl für Landschaft und Raum zu bekommen. ;-) Zu gerne hätte ich mich natürlich mit dem Geist eines der hier Beerdigten unterhalten, ob er die Krimmelburg kennt, und was da so los ist. Hat aber keiner mit mir geredet.


↑ Blick vom Waldausgang am Rieseberg nach Süd-Ost: Im Vordergrund sieht man das Kiefernwäldchen, im Hintergrund ist der Dom von Königslutter erkennbar. Lauingen selbst ist hinter den Kiefern verborgen.

→ Wie man sieht, sieht man nix. Im inneren des Wäldchens ist der Waldboden sehr uneben. Welche dieser Unebenheiten nun Grabhügel sind, und welche nicht, ist dabei schwer zu sagen.





← Hier einige Gegenstände, wie sie als Funde vom Gräberfeld Lauingen bei Krone abgebildet sind.

Otto Krone: Vorgeschichte des Landes Braunschweig, Braunschweig 1931. (Besonders S. 99ff.)

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