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Was für ein Ausgrabungsjahr für die Freunde
der Archäologie im Braunschweiger Land! Herrliche
Sonnentage erlebten wir an einem spannenden Fundplatz, der mehrere
Überraschungen für uns bereithielt.
Gut, wir wollen einräumen, dass wir nicht alle Ziele erreicht
haben, die wir uns vorgenommen hatten. Wir haben den Platz einfach
unterschätzt. Der Graben reicht tiefer, als wir
zunächst annahmen und in der Siedlung gibt es weit mehr
auszugraben und zu dokumentieren, als ein paar Pfostenlöcher
und Vorratsgruben.
Nachtrag: Der folgende Text wurde in Unkenntnis des offiziellen Berichts von
Wolf-Dieter Steinmetz geschrieben, der jetzt auf
der Webseite der "Freunde der
Archäologie" zu lesen ist.
Dort findet sich eine ausführliche,
fachlich
fundierte Darstellung unserer Kampagne. Ebenfalls kann man dort ein
wunderbares Foto von den zusammengesetzten Scherben sehen,
über
die ich im vorigen Bericht schrieb, sowie das Ergebnis der
kriminalistischen Fahndung nach einem Altfund. Soweit ich sehe, liege
ich aber mit meiner knappen Zusammenfassung nirgendwo so ganz daneben...
Was haben wir herausgefunden?
Zu Beginn der Kampagne gingen wir davon aus, bei Isingerode Spuren
einer befestigten Siedlung der jüngeren Bronzezeit in
fragwürdigem Erhaltungszustand zu finden.
Nach mehr als 40 Grabungstagen sieht unser vorläufiges Bild
des Platzes folgendermaßen aus:
Der bisher "Schwedenschanze" genannte Platz bei Isingerode war von der
jüngeren Bronzezeit bis in die beginnende Eisenzeit
über einen längeren Zeitraum besiedelt. Das
keramische Fundmaterial zeigt eine kulturelle Zugehörigkeit
zum nordöstlichen Harzvorland
("Saalemündungsgruppe"). Die Ähnlichkeit v.a. mit
Keramik von der 20 km östlich gelegenen Hünenburg am
Heeseberg ist bestechend. Die Siedlung bei Isingerode
wurde von mindestens einer
großen Brandkatastrophe heimgesucht. In einer dicken, noch
nicht abschließend untersuchten Ascheschicht haben sich
verkohlte Balkenstrukturen erhalten. Die Erweiterung der
Grabungsfläche verspricht einzigartige
Erkenntnismöglichkeiten zum jüngerbronzezeitlichen
Hausbau.
Die Siedlung war in der jüngeren Bronzezeit befestigt. Die
komplexe Befundlage und Stratigraphie erlauben leider bisher keine
genaueren Aussagen zum Aufbau der Befestigungslinie. (Dies ist
für mich die einzige Enttäuschung.) Wir
müssen damit rechnen, dass die Befestigung während
der mehrere Jahrhunderte dauernden Nutzung mehrfach erneuert und
verändert wurde. In diesem Zusammenhang konnte durch neue
Luftbilder und geophysikalische Prospektion eine weitere,
äußere Befestigungslinie mit Toranlage entdeckt
werden. Deren Zeitstellung kann jedoch erst durch Ausgrabungen in den
kommenden Kampagnen ermittelt werden.
Überraschend war die Entdeckung, dass der Burgwall etwa 700
Jahre nach seiner Aufgabe (oder Zerstörung) am Ende der
Bronzezeit etwa in der Zeit um Christi Geburt erneut befestigt wurde.
Der bereits teilweise verfüllte Graben wurde von germanischen
Siedlern erneuert. Im Innenbereich des Burgwalles fehlen bisher
Siedlungsspuren dieser Epoche. Die germanische Siedlungsschicht muss
als zerstört gelten. Allerdings könnten sich
Grubenhäuser und andere Siedlungsgruben aus dieser Zeit
erhalten haben. Auch das werden erst weitere Ausgrabungen zeigen.
An unserem letzten Tag in Isingerode war noch einmal fast das ganze
Team gekommen, und über hundert Besucher nahmen an der
Abschlussführung teil.
Isingerode behält noch viele seiner Geheimnisse
für sich.
Mit Spannung dürfen wir also den Grabungsbeginn im kommenden
Jahr erwarten, ebenso weitere Ergebnisse der Auswertung unserer
diesjährigen Arbeit.
Auch im Winter will ich noch die eine oder andere Seite
zu Isingerode
auf www.zeitwanderer.de/mythos_und_logos
schreiben.
Mein kleines Grabungstagebuch aber schließt hier
für dieses Jahr und verabschiedet sich mit ein paar Fotos vom
letzten Grabungstag.
Impressionen vom letzten
Grabungstag 2006:
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