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Lothars
kleines Grabungstagebuch XIII:
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Persönliche
Erlebnisberichte von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode
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Ausschnitt
Profil
West (noch ungeputzt): Wer erkennt, was wir hier haben? Meine Frau
hat's gleich gesehen.
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Grabungswochenende
21. und 22. Oktober:
Dieses Wochenende brachte zwei
entscheidende Erkenntnisfortschritte
bezüglich der Stratigraphie (Schichtenfolge und -verlauf). Wir
glauben jetzt deutlich den bronzezeitlichen Wall zu erkennen: Drei
Meter weiter nördlich als bisher gedacht. Außerdem
wurde der wohl beste (in Qualität und
Größe) Keramikfund der Saison gemacht.
Die besondere
Scherbe
Beim Abtiefen eines neuen Planums stieß Bärbel am
Samstag auf
eine Scherbe, die senkrecht in der Erde steckte. Als die
angestrebte Tiefe erreicht war, ragte
sie etwa 7 Zentimeter aus dem Planum, und tat grau und unscheinbar.
Immerhin zeigte sie an einer ihrer Senkrechten einen Rand, allerdings
ohne besondere Merkmale. Leider zeigte sie auch einen Riss. Die Scherbe
wurde eingemessen, und damit sie sich nicht weiter in mehrere Teile
zerlegte, beschloss der Chef, sie am Abend zu entfernen.
Die Ecke war bereits gebrochen. Wolf Dieter zog an dem im Boden
steckenden Stück, das bewegte sich jedoch nicht. Wolf Dieter
lockerte die Erde links und rechts der Scherbe mit dem Stuckateureisen
5 cm tief. Die Scherbe bewegte sich nicht. Er lockerte die Erde noch
tiefer. Die Scherbe steckte fest.
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Bei dieser Gelegenheit zeigte sie uns
ihre "Schulter" - und die war mit einer Reihe von Eindrücken
verziert.
Offensichtlich hatten wir es mit einem
größeren und verzierten - und das
bedeutet: gut datierbaren! - Gefäßfragment zu tun.
Das Licht schwand bereits. Die Aktion wurde abgebrochen. Wir legten
eine Plastiktüte über das gute Stück und
häufelten etwas Erde darauf.
Normalerweise würden wir nun einfach das nächste (und
das übernächste) Planum abtiefen, bis die Scherbe
freigelegt ist. Es war jedoch klar, dass es in diesem Jahr kein
nächstes Planum mehr geben würde, denn das Ende der
Kampagne stand unmittelbar bevor. Undenkbar, das
Stück den Winter über stecken zu lassen, und dann im
Frühjahr zu sehen, ob es, wenn überhaupt, noch ohne
weitere Beschädigungen vorhanden sei. Die Scherbe musste also
"raus".
Am nächsten morgen wurde ein kleiner Schnitt so angelegt, dass
Rand und Außenseite der Scherbe freilagen. nun zeigte sich
das Stück in seiner ganzen Pracht: Ein mehr als zwanzig
Zentimeter langes Randstück mit verzierter Schulter. Klasse!
Der Fund wurde fotofein gemacht, mehrfach abgelichtet, und blieb so
ersteinmal bis zum Abend stecken.
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Gegen Ende des Tages (den ich vor allem mit dem
Schleppen der Eimer
für die anderen Ausgräber verbracht hatte) fiel mir
die Aufgabe zu, das Stück nun endlich herauszunehmen. Schnell
stellte sich heraus, dass auf der noch nicht freigelegten Innenseite
weitere, auch große Scherben dicht an dicht lagen - ein
ganzes "Scherbennest". Hilfreich sprang mir Holger mit Kelle und Pinsel
zur Seite, denn es dämmerte bereits wieder. Weitere Schulter-
und Randstücke, wohl aber eines anderen
Gefäßes, pinselten wir vorsichtig, aber dennoch in
Eile, aus der Erde. Zwischendurch wurde das Ganze immer wieder
fotographiert.
Nicht jeder Leser mag unsere Aufregung angesichts einiger "kaputter
alter Pötte" verstehen. Für diejenigen, die dabei
waren, war es eines der Highlights des Jahres.
In der kommenden Woche gelang es Wolf-Dieter Steinmetz und seinem
Restaurator Stefan von
der Trenck die Bruchstücke zusammen zu
fügen. Dabei
entstanden zwei Gefäße - zwar nicht
vollständig, aber doch in ihrer Gesamtform erkennbar, die sich
gut bestimmen lassen.
Damit allerdings ergab sich eine neue Schwierigkeit: Die
Gefäße datieren an das Ende der Bronzezeit, lagen
aber tiefer, als die Brandschicht, in der ältere Funde gemacht
worden waren.
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Foto:
Michael Roos
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Genaugenommen lagen sie mitten in dem Bereich, den wir
für den Wallsockel halten. Im darüberliegenden Planum
war kein Befund erkennbar, der hier eine Grube angezeigt
hätte. Hier müssen wir nochmal sehr genau hinsehen.
Auch die ungewöhnliche senkrechte Lage zweier großer
Stücke, die dazu "ineinander" lagen, spricht doch sehr
für eine später eingetiefte Grube, an deren Rand sich
die Scherben befunden haben müssten.
Zum Schluss noch eine
Preisfrage:
Wie entsteht an einem Hang aus grobem Kies zwischen zwei
Kulturschichten eine flächendeckende, fundleere, helle
Lehmschicht
von ca. 15 bis 25 Zentimetern Mächtigkeit?
Ich habe nicht die geringste Idee.
Wer mir auf diese Frage eine plausible und fundierte Antwort liefert,
gewinnt einen eigens designten Kaffeebecher. Das ist kein Scherz. (Der
Rechtsweg ist ausgeschlossen.)
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Einladung zur Abschlussführung, 29.10. um 15 Uhr
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