Kampagne 2006:

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VIII

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XI

XII

XIII

XIV

XV

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Zwischenspiel

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Lothars kleines Grabungstagebuch XIII:

Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode

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Ausschnitt Profil West (noch ungeputzt): Wer erkennt, was wir hier haben? Meine Frau hat's gleich gesehen.

Grabungswochenende 21. und 22. Oktober:

Dieses Wochenende brachte zwei entscheidende Erkenntnisfortschritte bezüglich der Stratigraphie (Schichtenfolge und -verlauf). Wir glauben jetzt deutlich den bronzezeitlichen Wall zu erkennen: Drei Meter weiter nördlich als bisher gedacht. Außerdem wurde der wohl beste (in Qualität und Größe) Keramikfund der Saison gemacht.

Die besondere Scherbe

Beim Abtiefen eines neuen Planums stieß Bärbel am Samstag auf eine Scherbe, die senkrecht in der Erde steckte. Als die angestrebte Tiefe erreicht war, ragte sie etwa 7 Zentimeter aus dem Planum, und tat grau und unscheinbar. Immerhin zeigte sie an einer ihrer Senkrechten einen Rand, allerdings ohne besondere Merkmale. Leider zeigte sie auch einen Riss. Die Scherbe wurde eingemessen, und damit sie sich nicht weiter in mehrere Teile zerlegte, beschloss der Chef, sie am Abend zu entfernen.
Die Ecke war bereits gebrochen. Wolf Dieter zog an dem im Boden steckenden Stück, das bewegte sich jedoch nicht. Wolf Dieter lockerte die Erde links und rechts der Scherbe mit dem Stuckateureisen 5 cm tief. Die Scherbe bewegte sich nicht. Er lockerte die Erde noch tiefer. Die Scherbe steckte fest.

Bei dieser Gelegenheit zeigte sie uns ihre "Schulter" - und die war mit einer Reihe von Eindrücken verziert.
Offensichtlich hatten wir es mit einem größeren und verzierten  - und das bedeutet: gut datierbaren! - Gefäßfragment zu tun. Das Licht schwand bereits. Die Aktion wurde abgebrochen. Wir legten eine Plastiktüte über das gute Stück und häufelten etwas Erde darauf.
Normalerweise würden wir nun einfach das nächste (und das übernächste) Planum abtiefen, bis die Scherbe freigelegt ist. Es war jedoch klar, dass es in diesem Jahr kein nächstes Planum mehr geben würde, denn das Ende der Kampagne stand unmittelbar bevor. Undenkbar, das Stück den Winter über stecken zu lassen, und dann im Frühjahr zu sehen, ob es, wenn überhaupt, noch ohne weitere Beschädigungen vorhanden sei. Die Scherbe musste also "raus".
Am nächsten morgen wurde ein kleiner Schnitt so angelegt, dass Rand und Außenseite der Scherbe freilagen. nun zeigte sich das Stück in seiner ganzen Pracht: Ein mehr als zwanzig Zentimeter langes Randstück mit verzierter Schulter. Klasse! Der Fund wurde fotofein gemacht, mehrfach abgelichtet, und blieb so ersteinmal bis zum Abend stecken.

Gegen Ende des Tages (den ich vor allem mit dem Schleppen der Eimer für die anderen Ausgräber verbracht hatte) fiel mir die Aufgabe zu, das Stück nun endlich herauszunehmen. Schnell stellte sich heraus, dass auf der noch nicht freigelegten Innenseite weitere, auch große Scherben dicht an dicht lagen - ein ganzes "Scherbennest". Hilfreich sprang mir Holger mit Kelle und Pinsel zur Seite, denn es dämmerte bereits wieder. Weitere Schulter- und Randstücke, wohl aber eines anderen Gefäßes, pinselten wir vorsichtig, aber dennoch in Eile, aus der Erde. Zwischendurch wurde das Ganze immer wieder fotographiert.
Nicht jeder Leser mag unsere Aufregung angesichts einiger "kaputter alter Pötte" verstehen. Für diejenigen, die dabei waren, war es eines der Highlights des Jahres.
In der kommenden Woche gelang es Wolf-Dieter Steinmetz und seinem Restaurator Stefan von der Trenck die Bruchstücke zusammen zu fügen. Dabei entstanden zwei Gefäße - zwar nicht vollständig, aber doch in ihrer Gesamtform erkennbar, die sich gut bestimmen lassen.
Damit allerdings ergab sich eine neue Schwierigkeit: Die Gefäße datieren an das Ende der Bronzezeit, lagen aber tiefer, als die Brandschicht, in der ältere Funde gemacht worden waren. 

Foto: Michael Roos

Genaugenommen lagen sie mitten in dem Bereich, den wir für den Wallsockel halten. Im darüberliegenden Planum war kein Befund erkennbar, der hier eine Grube angezeigt hätte. Hier müssen wir nochmal sehr genau hinsehen. Auch die ungewöhnliche senkrechte Lage zweier großer Stücke, die dazu "ineinander" lagen, spricht doch sehr für eine später eingetiefte Grube, an deren Rand sich die Scherben befunden haben müssten.

Zum Schluss noch eine
Preisfrage:
Wie entsteht an einem Hang aus grobem Kies zwischen zwei Kulturschichten eine flächendeckende, fundleere, helle Lehmschicht von ca. 15 bis 25 Zentimetern Mächtigkeit?
Ich habe nicht die geringste Idee.
Wer mir auf diese Frage eine plausible und fundierte Antwort liefert, gewinnt einen eigens designten Kaffeebecher. Das ist kein Scherz. (Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.)

***

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→ Einladung zur Abschlussführung, 29.10. um 15 Uhr

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