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Lothars
kleines Grabungstagebuch XII:
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Persönliche
Erlebnisberichte von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode
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Zunächst einmal: Die Arbeiten werden
für dieses Jahr
am Sonntag, den 29.10. eingestellt und im April kommenden Jahres wieder
aufgenommen.
Am 29.10.
um 15 Uhr findet eine öffentliche Abschlussführung
durch den Grabungsleiter Wolf-Dieter Steinmetz statt.
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Grabungswochenende
14. und 15. Oktober:
Im
Siedlungsbereich:
Mit Abtrag auf 60 cm unter Oberfläche befinden wir uns mitten
in
einer fund- und befundreichen Schicht. Die wegen der komplexen
Befundlage vorsichtig vorangetriebenen Arbeiten erbrachten auf einer
Fläche von wenigen Quadratmetern fast einen Eimer voller
Kleinfunde, vor allem Keramikbruch. Die Scherben haben zum
größten Teil keine charakteristischen, datierbaren
Merkmale
und lassen sich nur grob in die jüngere Bronze- /
frühe
Eisenzeit einordnen.
Am Sonntag legte Bärbel zwei aneinanderpassende
Randstücke
von Handtellergröße frei, die die Gesamtform eines
Gefäßes erahnen lassen: Es handelte sich um eine Art
Schüssel ("Bärbels Salatschüssel" ;-) ).
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Schwierig wird die Interpretation der verschiedenen
Befunde.
Flächen aus unterschiedlich gefärbtem Kies wechseln
sich ab
mit Lehmstreifen (Wandgräben?) und den merkwürdigen
Flächen aus pulveriger Asche. Zwar sind die Grenzen zwischen
den
unterschiedlichen Materialien auch in "ungeputztem" Zustand gut
erkennbar, aber womit wir es hier im einzelnen zu tun haben, ist nicht
ganz klar.
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Im
Graben:
Hier gab es dieses Wochenende einen kleinen Durchbruch. Der allerdings
läuft darauf hinaus, dass wir noch mehrere Kubikmeter Erde zu
bewegen haben, was sicher nicht mehr dieses Jahr geschieht. Das Planum,
an dem wir derzeit arbeiten, liegt auf 2m30 unter Oberfläche,
und
es kann noch geschätzt gut einen halben Meter tiefer gehen.
Bisher gingen wir davon aus, dass eine fundleere, helle Lehmschicht
bereits natürlicher Boden sei. Die darüberliegende,
deutlich
durch Material und Färbung abgegrenzte Schicht (Ja - hier
versteht
man was "Statigraphie" bedeutet!) enthielt Keramik, die
überhaupt
nicht zu den Funden in der Siedlung passte. Wir waren also kurz davor,
diesen inneren Graben grundsätzlich als nicht zur Siedlung
gehörig einzuordnen. Alte Germanen hatten hier wohl
siebenhundert
Jahre später den Platz nochmals aufgesucht und befestigt.
Erstaunlich genug, denn aus dieser Epoche sind in Niedersachsen so gut
wie keine Befestigungen nachgewiesen. (Schnell beflügeln die
Phantasie Gedanken an einen germanischen Versuch, mit einer Befestigung
der Armee des Drusus die Übergänge über Oker
und Ilse zu
versperren. - Phantasie, wie gesagt.)
Nun:
Wir arbeiten mit
der traditionellen Abstichmethode. Da wird ein Planum durchgezogen,
auch wenn man zum Großteil nur in vermeintlich gewachsenem
Boden
gräbt. Und dabei erschien dann dieser vermeintlich gewachsene
Boden doch nicht mehr so ganz natürlich.
Schließlich fanden sich unter der fundleeren
Lehmschicht wieder Scherben!
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Diese aber unterschieden sich von jenen über
der
Lehmschicht. Soweit man das nach zwei einfachen Randstücken
und
einem Stück mit einer merkwürdigen Leiste an der
Außenseite sagen kann, könnte diese Keramik zu
unserer
Siedlung passen.
Danach können wir nun Folgendes annehmen: Nachdem der Platz
etwa
siebenhundert Jahre wüst lag, kamen um Christi Geburt neue
Siedler
hierher. Sie fanden einen breiten und schon stark verfüllten
Graben vor. Für ihre Zwecke tieften sie im
äußeren
Bereich dieser nur noch flach erhaltenen Befestigungslinie einen neuen,
schmalen Graben ein.
Der Graben ließ mich kaum ruhig schlafen. Deshalb nutzte ich
einen freien Mittwoch (18.10.) für einen Ausflug mit meinen
Töchtern Jasmin und Julia, um mir die Sache noch einmal in
Ruhe
anzusehen und eine grobe Skizze anzufertigen. Die genaue Aufnahme des
Grabenprofils wird möglicher Weise ja erst nächstes
Jahr
erfolgen können.
Vielleicht wird auch dem Leser dieser Seite dadurch einiges deutlicher.
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Unerwarteter
Fund in 2 m 16 Tiefe
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Die untere, gestrichelte Linie markiert die untere
Grenze des bisherigen Abtrags.
1. (grün) : heutige Oberfläche
2.: Verschiedene Verfüllschichten; in ausgetrocknetem und
"ungeputztem" Zustand nur schwer zu differenzieren.
3. (braun) : Dunkle, lehmige Schicht. Mit größeren
Kieselsteinen durchsetzt. Im unteren Bereich viele Funde, vermutlich
aus der Zeit um Chr. Geburt.
4. (grau) : Dunkle, grau-braune Kiesschicht, lockeres Material mit
Steinen bis Faustgröße. Keramikfunde bis 2,28 m
unter
Oberfläche. Vermutlich ebenfalls "germanisch" (aus der Zeit um
Christi Geburt).
5. (gelb-braun) : Gelbe, grobe Kiesschicht mit Steinen bis
Faustgröße. Fundleer.
6. (gelb) : Helle Lehmschicht. Fundleer.
7. (gelb) : Helle Lehmschicht; fundleer; möglicher Weise
Fortsetzung der Schicht 6., die von 4. durchstoßen wurde.
8. (orange) : Orange-braune Kiesschicht mit Steinen bis
Faustgröße. Keramikfunde (bronzezeitlich?).
9. (hellbraun) : Wie 8., jedoch farblich deutlich abgesetzt. Keramik
(bronzezeitlich?) in 2,30 m unter Oberfläche.
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