Kampagne 2006:

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Lothars kleines Grabungstagebuch XII:

Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode

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Zunächst einmal: Die Arbeiten werden für dieses Jahr am Sonntag, den 29.10. eingestellt und im April kommenden Jahres wieder aufgenommen. 

Am 29.10. um 15 Uhr findet eine öffentliche Abschlussführung durch den Grabungsleiter Wolf-Dieter Steinmetz statt.

Grabungswochenende 14. und 15. Oktober:
Im Siedlungsbereich:

Mit Abtrag auf 60 cm unter Oberfläche befinden wir uns mitten in einer fund- und befundreichen Schicht. Die wegen der komplexen Befundlage vorsichtig vorangetriebenen Arbeiten erbrachten auf einer Fläche von wenigen Quadratmetern fast einen Eimer voller Kleinfunde, vor allem Keramikbruch. Die Scherben haben zum größten Teil keine charakteristischen, datierbaren Merkmale und lassen sich nur grob in die jüngere Bronze- / frühe Eisenzeit einordnen.
Am Sonntag legte Bärbel zwei aneinanderpassende Randstücke von Handtellergröße frei, die die Gesamtform eines Gefäßes erahnen lassen: Es handelte sich um eine Art Schüssel ("Bärbels Salatschüssel" ;-) ).


Schwierig wird die Interpretation der verschiedenen Befunde. Flächen aus unterschiedlich gefärbtem Kies wechseln sich ab mit Lehmstreifen (Wandgräben?) und den merkwürdigen Flächen aus pulveriger Asche. Zwar sind die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Materialien auch in "ungeputztem" Zustand gut erkennbar, aber womit wir es hier im einzelnen zu tun haben, ist nicht ganz klar.


Im Graben:
Hier gab es dieses Wochenende einen kleinen Durchbruch. Der allerdings läuft darauf hinaus, dass wir noch mehrere Kubikmeter Erde zu bewegen haben, was sicher nicht mehr dieses Jahr geschieht. Das Planum, an dem wir derzeit arbeiten, liegt auf 2m30 unter Oberfläche, und es kann noch geschätzt gut einen halben Meter tiefer gehen.
Bisher gingen wir davon aus, dass eine fundleere, helle Lehmschicht bereits natürlicher Boden sei. Die darüberliegende, deutlich durch Material und Färbung abgegrenzte Schicht (Ja - hier versteht man was "Statigraphie" bedeutet!) enthielt Keramik, die überhaupt nicht zu den Funden in der Siedlung passte. Wir waren also kurz davor, diesen inneren Graben grundsätzlich als nicht zur Siedlung gehörig einzuordnen. Alte Germanen hatten hier wohl siebenhundert Jahre später den Platz nochmals aufgesucht und befestigt. Erstaunlich genug, denn aus dieser Epoche sind in Niedersachsen so gut wie keine Befestigungen nachgewiesen. (Schnell beflügeln die Phantasie Gedanken an einen germanischen Versuch, mit einer Befestigung der Armee des Drusus die Übergänge über Oker und Ilse zu versperren. - Phantasie, wie gesagt.)
Nun: Wir arbeiten mit der traditionellen Abstichmethode. Da wird ein Planum durchgezogen, auch wenn man zum Großteil nur in vermeintlich gewachsenem Boden gräbt. Und dabei erschien dann dieser vermeintlich gewachsene Boden doch nicht mehr so ganz natürlich.
Schließlich fanden sich unter der fundleeren Lehmschicht wieder Scherben!

Diese aber unterschieden sich von jenen über der Lehmschicht. Soweit man das nach zwei einfachen Randstücken und einem Stück mit einer merkwürdigen Leiste an der Außenseite sagen kann, könnte diese Keramik zu unserer Siedlung passen.
Danach können wir nun Folgendes annehmen: Nachdem der Platz etwa siebenhundert Jahre wüst lag, kamen um Christi Geburt neue Siedler hierher. Sie fanden einen breiten und schon stark verfüllten Graben vor. Für ihre Zwecke tieften sie im äußeren Bereich dieser nur noch flach erhaltenen Befestigungslinie einen neuen, schmalen Graben ein.

Der Graben ließ mich kaum ruhig schlafen. Deshalb nutzte ich einen freien Mittwoch (18.10.) für einen Ausflug mit meinen Töchtern Jasmin und Julia, um mir die Sache noch einmal in Ruhe anzusehen und eine grobe Skizze anzufertigen. Die genaue Aufnahme des Grabenprofils wird möglicher Weise ja erst nächstes Jahr erfolgen können.
Vielleicht wird auch dem Leser dieser Seite dadurch einiges deutlicher.


Unerwarteter Fund in 2 m 16 Tiefe

***

Die untere, gestrichelte Linie markiert die untere Grenze des bisherigen Abtrags.
1. (grün) : heutige Oberfläche
2.: Verschiedene Verfüllschichten; in ausgetrocknetem und "ungeputztem" Zustand nur schwer zu differenzieren.
3. (braun) : Dunkle, lehmige Schicht. Mit größeren Kieselsteinen durchsetzt. Im unteren Bereich viele Funde, vermutlich aus der Zeit um Chr. Geburt.
4. (grau) : Dunkle, grau-braune Kiesschicht, lockeres Material mit Steinen bis Faustgröße. Keramikfunde bis 2,28 m  unter Oberfläche. Vermutlich ebenfalls "germanisch" (aus der Zeit um Christi Geburt).
5. (gelb-braun) : Gelbe, grobe Kiesschicht mit Steinen bis Faustgröße. Fundleer.
6. (gelb) : Helle Lehmschicht. Fundleer.
7. (gelb) : Helle Lehmschicht; fundleer; möglicher Weise Fortsetzung der Schicht 6., die von 4. durchstoßen wurde.
8. (orange) : Orange-braune Kiesschicht mit Steinen bis Faustgröße. Keramikfunde (bronzezeitlich?).
9. (hellbraun) : Wie 8., jedoch farblich deutlich abgesetzt. Keramik (bronzezeitlich?) in 2,30 m unter Oberfläche.

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