Kampagne 2006:

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Lothars kleines Grabungstagebuch XI:

Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode

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Am Horizont der Brocken

Am Dienstag (03.10.) und am Samstag (07.10.) konnte ich nicht auf der Grabung sein. Der Samstag soll auch eher unerfreulich gewesen sein. Von drei heftigen Regenschauern völlig durchnässt, hat das kleine Team - viele von uns sind ja immer noch in Lykien -  die Arbeiten bereits am Nachmittag eingestellt.
Am Sonntag (08.10.2006) gingen wir dann aber bei sonnigem Wetter mit immerhin vier Ausgräbern plus Grabungsleiter in den Schnitt. Nach meiner Zählung war dies der 30. Grabungstag, nach den Aufzeichnungen von Wolf-Dieter ist es schon der 36. .  Wahrscheinlich fehlen bei meiner Zählung die Vorbereitungstage mit Einmessen der Fläche und Tage unter der Woche. Ich behalte aber ersteinmal meine Zählung bei. Ist ja sowieso nicht "offiziell".
Mittlerweile ist klar, dass wir es in diesem Jahr nicht mehr schaffen werden, die Kulturschicht im Siedlungsbereich bis auf den gewachsenen Boden hinab zu untersuchen, obwohl es sich ja bisher nur um eine kleine Fläche von etwa 30 Quadratmetern handelt. Da die Fortführung der Ausgrabung für das kommende Jahr sichergestellt ist, stehen wir nicht unter Zeitdruck, und die Befunde in diesem Bereich verbieten eigentlich ein rasches Vorgehen.  Aus einigen Holzkohleflecken sind beim weiteren Abtiefen immer besser erkennbare Srukturen aus verkohlten Balken geworden. Hier bietet sich eine hervorragende Möglichkeit, Reste bronzezeitlicher Architektur zu dokumentieren. An den meisten anderen Fundplätzen gibt es nur noch die Bodenverfärbungen von Pfostengruben festzuhalten. Nachdem Wolf-Dieter Steinmetz die Balkenstruktur höchst eigenhändig geputzt hatte, ergab sich ein eindrucksvolles Bild.
Die vorläufige Interpretation der Befunde ist, dass wir es mit einem abgebrannten Haus zu tun haben.

Ich persönlich könnte mir auch etwas ganz anderes vorstellen, aber klüger werden wir da erst im kommenden Jahr nach Erweiterung der Fläche sein.


Auf dem Foto kommt die Balken- struktur  nicht so gut heraus. In der rechten Version des Bildes habe ich ein paar Hilfslinien eingezeichnet, was die Querbalken angeht, vielleicht ein wenig weit interpretiert...

Zumindest im Grabenbereich wollen wir vor der Winterpause bis auf den gewachsenen Boden vorstoßen. Michael und ich sprangen also munter ins tiefe Loch, um den Abtrag auf 2 Meter 10 unter heutiger Oberfläche anzugehen. Dabei arbeitete sich Michael von Süden, also von der Grabenaußenseite, ich mich von der Siedlungsseite her auf die Mitte zu. Michael fand noch in 2 m 08 verschiedene Scherben in einer grauen Kiesschicht, womit klar ist, dass diese Schicht zur Grabenverfüllung gehört und der gewachsene Boden noch nicht erreicht ist. Die Scherben wiesen keine datierbaren Merkmale auf, ähneln in ihrer Materialbeschaffenheit aber der als kaiserzeitlich eingestuften Keramik aus der darüberliegenden, graubraunen Lehmschicht.  Ich machte an diesem Tag keinen einzigen Fund, habe aber meine Zweifel, ob wir hier wirklich schon "durch" sind. Im Planum zeichnen sich klar Bänder verschiedenen Bodenmaterials ab. Geologie oder Archäologie? Das ist hier die Frage. Die Bodenstrukturen verlaufen parallel zur angenommenen Befestigungslinie. Die wiederum folgt ihrerseits einfach dem Hang. Eine einzige Scherbe in diesen Schichten würde uns schon weiterbringen.


Im Graben: Gewachsener Boden?

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Kaputt - nicht FABL-Schatzmeister Werner, nur seine Kelle. Der harte Boden fordert Opfer.

Besucher aus der Umgebung stellen oft die Frage: "Und? Haben sie hier denn schon etwas gefunden?"
Was soll man darauf antworten? Wir suchen nicht nach Objekten, sondern nach Strukturen. Die Objekte, die wir finden - hauptsächlich Keramikbruch - , sind sowohl materiell als auch ästhetisch ziemlich wertlos. Ihr Wert liegt darin, dass wir aus dem Zusammenhang von Funden und Befunden Informationen gewinnen können. Besser wäre also die Frage: "Haben sie hier denn schon etwas herausgefunden?"
Manchmal glaube ich, die Besucher erwarten eine Antwort wie: "Ja! Wir haben die Bundeslade, die Sankarasteine und den heiligen Gral gefunden!"


Am Sonntag konnten wir uns jedoch über einen Besucher freuen, dem man all das nicht erklären muss. Der Landesarchäologe von Niedersachsen, Dr. Henning Haßmann schaute bei uns vorbei. Kurzzeitig nahm er auch selbst die Kelle zur Hand. Es ist für uns natürlich Freude und Ansporn, dass unsere Arbeit auch von höchstoffizieller Seite positiv wahrgenommen wird.

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