|
Der
Herbst beginnt mit sommerlichem Wetter - und einer neuen Runde
für
die Ausgrabung am Burgwall Isingerode. In diesem Jahr wollen wir die
Arbeiten solange fortsetzen, wie das Wetter es zulässt. Aber
auch
im kommenden Jahr soll es weitergehen, zunächst mit einer
Erweiterung der Fläche im Siedlungs- und Grabenbereich, auch
mit
dem Ziel, den nun bekannten äußeren Graben zu
schneiden.
|
 |
An dieser Stelle sei den Grundeigentümern, der
Familie Meyer,
und
auch dem Bürgermeister der Samtgemeinde Schladen, Herrn
Memmert,
herzlich gedankt für ihre Unterstützung, und
dafür, dass
sie uns weitere Forschungen in den kommenden Jahren
ermöglichen.
Die
Arbeit dieses
Wochenendes brachte im Grabenbereich mehr Fragen als Antworten. Hier
ist mit Planum 8 eine durchgängige Tiefe von 1 Meter achtzig
erreicht, z.T. mit dem Abtrag auf zwei Meter begonnen. Damit sind wir
allerdings noch nicht auf der Sohle des Grabens. In dieser Tiefe
scheint im Planum die Grabenverfüllung noch mindestens vier
Meter
breit. Die Stratigraphie der Grabenverfüllung ist allerdings
noch
nicht ganz geklärt, denn eine zusätzliche, tiefere
Verfüllschicht, die beim letzten Grabungswochenende erkannt
wurde
(Michaels Bericht), hebt sich im Planum kaum von dem Material ab, das
wir bisher als "gewachsenen" Boden betrachten. Die Profile sind leider
inzwischen wieder völlig ausgetrocknet. Drei Schichtgrenzen
sind
gut erkennbar, aber hier müssen wir bei feuchtem Boden
nochmals
putzen und sehr genau hinsehen. Etwa in der Mitte des Grabens fanden
sich auch beim letzten Abtrag noch Scherben, die der Grabungsleiter
als kaiserzeitlich einordnet, unter anderem eine Randscherbe,
bei
der diese Datierung zwingend ist. Das bedeutet, dass der Graben noch
nach Christi Geburt bis in etwa 1 Meter 80 Tiefe offenlag. Im
Siedlungsbereich übrigens fehlt kaiserzeitliche Keramik.
Im Graben fanden sich außerdem Knochen, darunter ein
Unterkiefer
eines mutmaßlichen Pferdes und ein Reisszahn. Da auch im
Siedlungsbereich jetzt
|
|
größere
Knochen - Gelenkkopf,
Rippen
- aufgetaucht sind, dürfen wir langsam optimistischer werden,
was
die allgemeine Knochenerhaltung angeht.
Der Befund der Ascheschicht im Siedlungsbereich setzte sich im
nächsten Planum fort. Diese Ascheschicht ist also mindestens
15 cm
mächtig! Am Rand des Aschefeldes ist die Funddichte von
Keramikbruch besonders hoch. Michael fand hier u.a.eine Scherbe mit
Wellenrand, bei der ich mir sicher bin, dass sie zu dem gleichen
Gefäß gehört, wie jene, die ich im Planum
darüber
ebenfalls am Rand dieser Ascheschicht fand.
Auch konnte im Siedlungsbereich eine Reihe von drei
Pfostenlöchern
in gleichem Abstand zueinander dokumentiert werden. Wie sich das
fortsetzt, und ob wir hier vielleicht schon den Ansatz zu einem
Gebäudegrundriss haben, wird sich erst mit der Erweiterung der
Fläche im kommenden Jahr zeigen.
Aus den Holzkohlebefunden haben wir gesondert Proben genommen.
Möglicher Weise werden wir
später einige Proben 14C datieren lassen. Bei der immer noch
großen Ungenauigkeit von 14C Daten und den hohen Kosten ist
dies
aber nicht vorrangig. In breiten Teilen der
Bevölkerung besitzen
14C Datierungen wohl
|
Raubtierzahn?
|
Die
besondere Scherbe
|
eine hohe Glaubwürdigkeit, einfach weil
sie
naturwissenschaftlich gewonnen werden. Die große
Meßfehlerquote und die Ungenauigkeit dagegen sind kaum
bekannt.
Einen besonderen Fund machte im Siedlungsbereich Dieter. (Foto links.)
Die mit drei waagerechten Reihen von Eindrücken sehr
ungewöhnlich verzierte Scherbe könnte - nach
Ersteinschätzung unseres Grabungsleiters - als sogenannte
"Kalenderberg-Keramik" eingeordnet werden. Diese nach einem
österreichischen Fundplatz benannte Ware gilt als "barocker"
Verzierungsstil der Hallstadtzeit. (Falls Nicole - Kunsthistorikerin -
diese Zeilen liest: Du magst in der Scherbe wenig Barockes erkennen.
Wenn man ein paar vollständige
Kalenderbergefäße aber den sonst eher durch
schlichte Eleganz glänzenden, vorherrschenden Verzierungen
dieser Epoche gegenüberstellt, weiß man, was gemeint
ist.)
|