Kampagne 2006:

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Lothars kleines Grabungstagebuch VI:

Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode

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16. Grabungstag, 05.08.2006:

Wie in der vergangenen Woche liegt der Schwerpunkt weiterhin bei der Arbeit im Grabenbereich. Dabei gibt es nicht viel Aufregendes zu berichten. Wir müssen eben einfach tiefer kommen. Im Profil sind die Grabenränder mittlerweile gut erkennbar. Wie tief es nach unten geht, ist immernoch nicht abzuschätzen.
Was sich bereits letzte Woche abzeichnete, bestätigt sich. Auch bis ein Meter zwanzig Tiefe gibt es einen Bereich, etwa anderthalb Meter vor der unteren Grabenkante, der erstaunlich fundreich ist. Am unteren Ende des Schnittes beginnt ab ca. 60 cm Tiefe gewachsener Boden. Um den Übergang im Profil besser erkennen zu können, sind wir hier bis ein Meter Tiefe gegangen, werden es jetzt aber dabei belassen.
Diesmal gibt es keine Fotos, aber dafür eine Handskizze von unserem Schnitt. Diese soll nur der groben Orrientierung der Leser dieser Webseite dienen. Beim Grabungsleiter gibt es natürlich für jeden Abtrag genaue Pläne auf Millimeterpapier, auf denen jeder Fund verzeichnet ist.

1.) Ab 60 cm Tiefe gewachsener Boden, lockerer grober Kies, mit Steinen bis etwa Faustgröße, keine Funde.
2.) Grabenbereich. Bisher bis 1,20 m Tiefe dunkle, graubraune Erde, durchmischt mit Kieselsteinen bzw. Steinen bis etwa Faustgröße, lehmig (wird steinhart, wenn sie austrocknet), hohe Funddichte (Scherben) südlich von (3.), geringere Funddichte nördlich davon.
3.) Bei ca. 90 cm Tiefe größerer Bereich frei von Kieselsteinen, Konsistenz der Erde aber sonst wie (2.).
4.) "Berme". Boden ähnlich wie (1.).
5.) Pfostenlöcher. Ca. 25 cm durchmessende Bodenverfärbungen, eingefasst von faustgroßen Steinen ("Verkeilsteine"). Außenfront der Befestigung.
6.) Siedlungsbereich. Direkt unter der Pflugschicht differenzierte Befunde. Kieselsteinfreie Lehmstreifen, Holzkohlekonzentrationen, Brandlehm, Asche. Hohe Funddichte (Scherben).
7.) Ca. einen Meter durchmessende Fläche aus faustgroßen Steinen in 30 cm Tiefe.

Bemerkung: Im Bereich der Hügelkuppe ist die Pflugschicht sehr flach. Nach Aussage des Grundbesitzers wurde hier bewußt nie tief gepflügt, da dies ja nur Steine an die Oberfläche bringt. Unser Glück!

Zwei Dinge möchte ich noch knapp berichten:
Geophysikalische Prospektion
Unter der Woche wurde in dem Bereich, in dem nach den Luftbildern die Toranlage vermutet werden kann, von auswärtigen Spezialisten eine "geophysikalische Prospektion" durchgeführt. Das ist so eine Art Bodenscan, bei dem minimale Veränderungen des Magnetfeldes gemessen werden. Auf diese Weise können in der Erde vorhandene Strukturen, wie ehemalige Gräben und Gruben sie hinterlassen, aber auch Steinsetzungen und Mauern sichtbar gemacht werden. Mit Spannung erwarten wir das Ergebnis. Hoffen wir, dass der grobe Kies nicht die Interpretation des magnetbildes erschwert. Ein solches Magnetbild kann eine hervorragende Grundlage für die weitere Planung der Ausgrabung liefern. Bereits am Heeseberg hatten wir mit dieser Methode gearbeitet. Allerdings ersetzt eine Magnetbild nicht die tatsächliche, zumindest teilweise Ausgrabung. Bei der Ausgrabung von TROIA wurde das Verfahren ebenfalls eingesetzt, und eine auffällige lineare Struktur wurde zunächst als Mauer interpretiert, entpuppte sich aber bei der Ausgrabung dann als Graben.
Ein echter Krimi
Es gibt das Gerücht, dass in der Umgebung unseres Burgwalles vor vielen Jahren ein besonderes Objekt gefunden wurde, dass für uns von Interesse sein könnte. Ein älterer Herr, der kürzlich unsere Grabung besuchte, erzählte nun, dieses Objekt sei ihm noch von seinem Lehrer in der Schule vorgeführt worden. Das mag gut siebzig Jahre her sein, so wie ich das Alter des Herrn einschätze. In jedem Fall war es noch vor dem letzten Krieg. Wo ist nun dieses Objekt verblieben? Gibt es noch irgendwo Aufzeichnungen oder grobe Angaben zu Fundumständen und Fundort? Befindet es sich noch irgendwo in Privatbesitz, oder ist es nach dem Tod jenes Lehrers in irgendein Museum gelangt? Es befindet sich weder im Landesmuseum in Wolfenbüttel, noch im Heimatmuseum Schladen, soviel steht fest. Ein Stück echter Detektivarbeit für unseren Grabungsleiter. Wolf-Dieter Steinmetz hat inzwischen eine heiße Spur. Und wenn die zum Ziel führt, werde ich darüber schreiben.
Vielleicht gibt es aber zu beiden Geschichten bereits Ergebnisse am kommenden Wochenende. Da kann man sie dann life und aus erster Hand auf dem "Tag der offenen Ausgrabung" erfahren!

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