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Warum war hier einige Zeit nichts Neues zu lesen? Nun,
zwei Grabungstage habe ich verpasst, und dann herrschte Pause in
Isigerode. Unser Grabungsleiter verbrachte einen wohlverdienten Urlaub
auf den brittischen Inseln.
Aber ganz untätig wollte ich in dieser Zeit nicht sein...
2. Exkurs, 16.07.2006:
Scherbenlesen
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Viele vorgeschichtliche Plätze sind nur durch
"Lesefunde" bekannt. Das heißt: Auf irgendeinem Acker wurden
durch das Pflügen immer wieder auffällige,
vorgeschichtliche Scherben an die Oberfläche
befördert. Früher, als die Landwirte noch mit mehr
Beziehung zum Boden arbeiteten, und ein Interesse für die
Urgeschichte vielleicht ncoh in der Schule geweckt wurde, kam das
öfters vor. Bei den heutigen Methoden der Landwirtschaft ist
es allerdings eher unwahrscheinlich, das irgendwelche Beobachtungen
gemacht werden. Immerhin: Herr Meyer, der Besitzer des Landes um
unseren Burgwall, erinnerte sich, dass er hier merkwürdiger
Weise öfters Holzkohle nach oben plügte.
In der Grabungspause wollte ich den südlich von der Burg
gelegenen Hang nach Oberflächenfunden abgehen. Es ist ja
möglich, dass es auch außerhalb der Befestigung
Siedlungsaktivitäten gab, und außerdem
gehört zu einer Siedlung der jüngeren Bronzezeit auch
ein Urnenfriedhof. Dort wo der gewesen ist, könnte man
vielleicht Scherben an der Oberfläche finden.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Suche nach
Oberflächenfunden im Bereich bekannter Bodendenkmäler
genehmigungspflichtig ist! In diesem Fall war sie mit dem
Grabungsleiter abgesprochen.
Mit dabei waren meine Frau Martina, meine Töchter Jasmin und
Julia, und unser alter Freund Michael, der ja auch schon mitgegraben
hatte.
Wir gingen den Acker in lockerer Reihe auf einer Länge von
vielleicht hundert Metern ab. Das Ergebnis war etwas
enttäuschend. Ich war darauf vorbereitet, eventuelle
Auffälligkeiten auch zu dokumentieren. Wir fanden aber nur
ganze drei unverzierte Scherben und sonst nix! Allerdings waren die
Bedingungen vielleicht auch nicht optimal, und ich bin mir nicht
sicher, ob denn alle Beteiligten auch etwas erkannt hätten.
Meine Frau z.B. sammelte einen ganzen Sommerhut voller wunderbarer
Steine, eine einzige Scherbe war darunter. (Auch ich bin ja nicht
unbedingt so
besonders Leseerfahren...)
Foto links: Im Vordergrund ein Fund, den
ich auf eine Karteikarte gelegt hatte, im Hintergrund meine Mitstreiter.
Links unten: Die magere Ausbeute der Aktion.
Unten: Im Vordergrund Julia, dahinter Martina, in Bildmitte
im Hintergrund unser Schnitt.
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Weiter geht's, nachdem die Arbeit in Isingerode
für zwei Wochen geruht hatte.
15.(?) Grabungstag,30.07.2006:
Leider ist in diesem Zeitraum unser Bauwagen
aufgebrochen worden, wie
Wolfram bei einem Kontrollbesuch feststellen mußte. Dumme
Einbrecher! Was haben die erwartet, dort zu finden?
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In dem Wagen
befinden sich nur alte, stark abgenutzte Spaten, Schaufeln, Eimer und
Kellen. Für uns ist das natürlich wichtige
Grabungsausrüstung, aber ein Dieb könnte das Zeug
nichtmal auf dem Flohmarkt loswerden. Das hat der Einbrecher dann wohl
erkannt, und so beschränkte sich der Schaden auf das
zerstörte Vorhängeschloss und - wahrscheinlich - eine
halbe Flasche Schnaps, Überbleibsel eines Grillabends des
Grabungsteams. Möge ihm davon schlecht geworden sein!
Im Schnitt geht es uns nun ersteinmal darum, der Grabensohle
näher zu kommen. Am Ende des Tages hatten wir fast
überall eine Tiefe von einem Meter erreicht ( Foto links) und
am oberen Ende des Grabenbereichs bereits mit dem Abtrag
auf ein Meter zwanzig begonnen. Am unteren, südlichen
Ende des Schnittes befinden wir uns dabei bereits in "gewachsenem"
Boden, hellem groben Kies, in dem keine menschlichen Eingriffe mehr
erkennbar sind. Daran schließt sich eine Zone mit einigem
Fundmaterial an. Meine persönliche Vermutung ist, dass dieser
Bereich des Grabens noch besonders lange offen geblieben war, und sich
hier aus der Siedlung heruntergepflügtes Material gesammelt
hat. Einige der Scherben sind an den Bruchkanten doch schon stark
verwittert, was dafür spricht, dass sie längere Zeit
an der Oberfläche lagen oder oftmals hin- und
hergepflügt wurden, bevor an ihren jetztigen Platz in heute
80+ cm Tiefe gelangten. Wenn ich recht erinnere, ist es auch derselbe
Bereich, in dem wir noch in 60+ cm neuzeitliche Funde hatten. Das ist
natürlich nur so eine Vermutung; da muss man sich hinterher
die Pläne mal ansehen.
Die Grabenverfüllung erscheint nicht mehr so
gleichförmig. Vielleicht lassen sich verschiedene Schichten
der Grabenverfüllung feststellen. Warten wir, bis wir das
Profil putzen können. Das macht allerdings erst Sinn, wenn es
ordentlich geregnet hat, und der Boden nicht mehr so ausgetrocknet ist.
Trotz unserer schattenspendenden Pavillons macht uns die Hitze ganz
schön zu schaffen. Ich habe an diesem Tag drei Flaschen Wasser
getrunken und war trotzdem schon nachmittags völlig
ausgepowert.
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