|
Lothars
kleines Grabungstagebuch II:
|
|
Persönliche
Erlebnisberichte von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode
|
|
***
|
|
6. Grabungstag
|

|
17.06.2006:
Sechster Grabungstag: Putzen und Fliegen.
In der oberen (nördlichen Hälfte) des Schnittes war
heute "Putzen" angesagt. Das sollte ich hier vielleicht grob
erklären: Mit "Putzen" meinen wir das möglichst
glatte Abziehen einer freigelegten Fläche, um die Grenzen von
Bodenverfärbungen oder Wechsel des Erdmaterials scharf
sichtbar zu machen. Solche Verfärbungen zeigen
Siedlunggsgruben, Pfostenlöcher und Ähnliches
an. Gegen Abend gewann ich bei meiner Putzarbeit den Eindruck, dass
bestimmte Bodenverfärbungen als Steifen immer parallel zum
mutmaßlichen Graben verlaufen.
|

|
Was auch immer das zu bedeuten hatte, es konnte kein
Zufall sein. Diese Idee versetzte mich mindestens ebenso in Aufregung
wie ein schöner Scherbenfund. Und auch der stellte sich noch
ein. Beim Putzen stieß meine Kelle gegen ein schönes
Exemplar mit jener charakteristischen Schulterverzierung, die hier
schon mehrfach aufgetreten ist. (Siehe Foto vom 04.06.)
|

|
|
Für heute war außerdem
"Luftaufklärung"
angesetzt.
Wenn das Korn reift und goldgelb wird,
so geschieht das je nach Bodenbeschaffenheit
unterschiedlich schnell. Über ehemaligen Gräben und
Gruben z.B. reift es mit einigen Tagen Verzögerung, selbst
wenn diese bereits vor Jahrtausenden wieder zugeschüttet
wurden. Diese wenigen Tage sind der richtige Zeitraum für die
Luftbildarchäologie. Für Isingerode sei diese Zeit
genau jetzt, meinte unser Archäologe Wolf-Dieter Steinmetz ( -
er sollte recht behalten - ) und begab sich also mit Kamera bewaffnet
in einen Motorsegler. Als ich gegen 18 Uhr die Grabung verlassen
musste, war er noch nicht von dem Aus - Flug zurück.
Was für eine unerträgliche Spannung auf den morgigen
Grabungstag! Laufen die Bodenverfärbungen
tatsächlich parallel zum Graben? Haben wir damit vielleicht
die Innenseite des Walles? Und was wird auf den Luftbildern zu erkennen
sein?
|
|
***
|
|
18.06.2006:
Siebter Grabungstag. Die erste Überraschung am Morgen: Der
Chef hat ein paar Ausdrucke seiner Luftbilder mitgebracht. Alle sind
begeistert von dem Ergebnis. Ganz deutlich ist der alte
Befestigungsring zu erkennen. Offensichtlich gibt es sogar einen
zweiten, äußeren, schmaleren Ring, der auf
älteren Luftbildern nicht zu erkennen war. Vielleicht gibt es
von den neuen Luftbildern bald etwas auf der offiziellen Homepage der "Freunde
der Archäologie"
zu sehen.
|
 |
Gemeinsam mit Bernd Maul habe ich dann die obere
Hälfte des Schnittes zuende geputzt. Dabei haben wir alle 50
cm eine Abdeckplane nachgezogen, damit die Fläche nicht
austrocknet. Das Ergebnis unserer Arbeit konnten wir also erst sehen,
als wir zum Fotografieren die Plane wieder wegzogen. Und -
das kann vielleicht nicht jeder nachvollziehen - ich war sehr stolz auf
unsere Arbeit. Auf dem Foto erkennt man klar die verdächtig
parallel verlaufenden Streifen unterschiedlichen Bodenmaterials. Unten
links im Bild beginnt dann der dunklere, mit grobem Kies durchsetzte
Boden, der sich bisher noch gleichförmig bis zum unteren
(südlichen) Ende des Schnittes zieht.
|
|
Hier, im unteren Bereich, müssen wir wohl noch
sehr viel tiefer
gehen. Meinem laienhaften Verständnis nach wird durch
jahrhundertelanges Pflügen und Erosion die Deckschicht
hangabwärts immer mächtiger. Vielleicht wird es uns
in den
kommenden Tagen so vorkommen, als ob wir nicht recht vorwärts
kommen. Aber wir werden uns in Geduld üben. Und der Sommer hat
ja
gerade erst begonnen.
|
|
→
Weiter zum nächsten Grabungswochenende
|
|
←
zurück zum Seitenanfang
←
zurück zum ersten und zweiten Grabungswochenende
←
zurück zur Einstiegsseite ISINGERODE
|
|
HOME
|
Rechtliches
|
Technisches
|
Vorgeschichte
|
Ausflüge
|
Kontakt
|