Kampagne 2006:

Einleitung

I

II

III

IV

V

VI

VII

VIII

IX

X

XI

XII

XIII

XIV

XV

*

Zwischenspiel

→2007

→2008

→Kampagne 2009

Lothars kleines Grabungstagebuch II:

Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode

***

6. Grabungstag


17.06.2006:
Sechster Grabungstag: Putzen und Fliegen.
In der oberen (nördlichen Hälfte) des Schnittes war heute "Putzen" angesagt. Das sollte ich hier vielleicht grob erklären: Mit "Putzen" meinen wir das möglichst glatte Abziehen einer freigelegten Fläche, um die Grenzen von Bodenverfärbungen oder Wechsel des Erdmaterials scharf sichtbar zu machen. Solche Verfärbungen zeigen Siedlunggsgruben, Pfostenlöcher und Ähnliches an. Gegen Abend gewann ich bei meiner Putzarbeit den Eindruck, dass bestimmte Bodenverfärbungen als Steifen immer parallel zum mutmaßlichen Graben verlaufen. 


Was auch immer das zu bedeuten hatte, es konnte kein Zufall sein. Diese Idee versetzte mich mindestens ebenso in Aufregung wie ein schöner Scherbenfund. Und auch der stellte sich noch ein. Beim Putzen stieß meine Kelle gegen ein schönes Exemplar mit jener charakteristischen Schulterverzierung, die hier schon mehrfach aufgetreten ist. (Siehe Foto vom 04.06.)




Für heute war außerdem "Luftaufklärung" angesetzt.
Wenn das Korn reift und goldgelb wird, so geschieht das je nach Bodenbeschaffenheit unterschiedlich schnell. Über ehemaligen Gräben und Gruben z.B. reift es mit einigen Tagen Verzögerung, selbst wenn diese bereits vor Jahrtausenden wieder zugeschüttet wurden. Diese wenigen Tage sind der richtige Zeitraum für die Luftbildarchäologie. Für Isingerode sei diese Zeit genau jetzt, meinte unser Archäologe Wolf-Dieter Steinmetz ( - er sollte recht behalten - ) und begab sich also mit Kamera bewaffnet in einen Motorsegler. Als ich gegen 18 Uhr die Grabung verlassen musste, war er noch nicht von dem Aus - Flug zurück.
Was für eine unerträgliche Spannung auf den morgigen Grabungstag!  Laufen die Bodenverfärbungen tatsächlich parallel zum Graben? Haben wir damit vielleicht die Innenseite des Walles? Und was wird auf den Luftbildern zu erkennen sein?

***

18.06.2006:
Siebter Grabungstag. Die erste Überraschung am Morgen: Der Chef hat ein paar Ausdrucke seiner Luftbilder mitgebracht. Alle sind begeistert von dem Ergebnis. Ganz deutlich ist der alte Befestigungsring zu erkennen. Offensichtlich gibt es sogar einen zweiten, äußeren, schmaleren Ring, der auf älteren Luftbildern nicht zu erkennen war. Vielleicht gibt es von den neuen Luftbildern bald etwas auf der offiziellen Homepage der "Freunde der Archäologie" zu sehen.

Gemeinsam mit Bernd Maul habe ich dann die obere Hälfte des Schnittes zuende geputzt. Dabei haben wir alle 50 cm eine Abdeckplane nachgezogen, damit die Fläche nicht austrocknet. Das Ergebnis unserer Arbeit konnten wir also erst sehen, als wir zum Fotografieren die Plane wieder wegzogen.  Und - das kann vielleicht nicht jeder nachvollziehen - ich war sehr stolz auf unsere Arbeit. Auf dem Foto erkennt man klar die verdächtig parallel verlaufenden Streifen unterschiedlichen Bodenmaterials. Unten links im Bild beginnt dann der dunklere, mit grobem Kies durchsetzte Boden, der sich bisher noch gleichförmig bis zum unteren (südlichen) Ende des Schnittes zieht.

Hier, im unteren Bereich, müssen wir wohl noch sehr viel tiefer gehen. Meinem laienhaften Verständnis nach wird durch jahrhundertelanges Pflügen und Erosion die Deckschicht hangabwärts immer mächtiger. Vielleicht wird es uns in den kommenden Tagen so vorkommen, als ob wir nicht recht vorwärts kommen. Aber wir werden uns in Geduld üben. Und der Sommer hat ja gerade erst begonnen.

→ Weiter zum nächsten Grabungswochenende

← zurück zum Seitenanfang

← zurück zum ersten und zweiten Grabungswochenende

← zurück zur Einstiegsseite ISINGERODE

HOME

Rechtliches

Technisches

Vorgeschichte

Ausflüge

Kontakt