Kampagne 2006:

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Lothars kleines Grabungstagebuch:

Auf dieser Seite möchte ich über den Fortgang der Grabung am Burgwall bei Isingerode berichten und mit Fotos illustrieren.
Alle interpretierenden Aussagen sind als solche eines interessierten Laien zu verstehen und entsprechend vorsichtig zu behandeln.
Am ersten offiziellen Grabungstag konnte ich aus beruflichen Gründen nicht teilnehmen. Das wird leider noch öfters der Fall sein. Abgesehen von ersten Funden, war eines der Ergebnisse des Tages, dass das Objekt unserer Ausgrabung nicht "Schwedenschanze" genannt werden sollte, da diese Bezeichnung falsch und irreführend ist. Zudem handelt es sich kaum um einen Namen mit alter lokaler Tradition, sondern um eine willkürliche Benennung von Landvermessern im 19. Jahrhundert. Wir graben also jetzt den "Burgwall Isingerode", eine Bezeichnung, die bereits Otto Krone gebrauchte, dem der Name "Schwedenschanze" wohl ebenfalls abwegig erschien.

***

04.06.2006:
Zweiter Grabungstag, für mich der erste dieses Jahr.
Der 3m x 30m lange Schnitt ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Wir sind bei Anlage Planum 1. Die Befürchtung, durch das Abpflügen der Hügelkuppe könnten alle Befunde zerstört sein, beginnt sich zu zerstreuen. Auch ist das Arbeiten in dem mit grobem Kies durchsetzten Boden nicht ganz so katastrophal, wie erwartet. An den Einsatz von Schaufeln und Spaten ist allerdings nicht zu denken, allein weil die Gefahr bestünde, eine möglicherweise nur dünn erhaltene Siedlungsschicht einfach wegzuschaufeln. Es wird  also munter gekellt und gekratzt. Dabei sind schon einige charakteristische Scherben zu Tage gekommen, die nach Aussage des Grabungsleiters in die jüngere Bronzezeit verweisen. (Siehe die Bilder unten.)
Aber auch die unverzierten, und damit nicht aussagekräftigen Scherben, sahen mir dem Material, das wir im vergangenen Jahr bei der Hünenburg gefunden hatten, verdächtig ähnlich. 

Das Bild links zeigt eine Scherbe frisch aus der Erde von Isingerode.


Rechts ist eine sehr ähnliche Scherbe zu sehen. Sie stammt von der Ausgrabung des vergangenen Jahres 2005, Außensiedlung Hünenburg, Watenstedt, bronzezeitliche Kultur- schicht.


Ich hoffe, die große Ähnlichkeit der Funde ist auf den Fotos erkennbar. 

Ebenso zeichnen sich erste Befunde ab, vor allem im "oberen", nördlichen Teil des Schnittes, der im Inneren der ehemaligen Befestigung liegt. Hier findet sich eine mit Holzkohle durchsetzte Schicht (Bild unten links).  Nur wenig tiefer am Hang zeichnet sich eine bisher halbkreisförmige kieselsteinfreie Struktur von heller, verhärteter Erde ab. Aus diesem Bereich stammen die bisher aussagekräftigsten Scherbenfunde.
Bisher nicht erkennbar sind der Wall und vor allem der Graben. Aber vielleicht schon 5 cm tiefer kann alles völlig anders aussehen. Es deutet sich an, dass der grobe Kies nur eine relativ dünne Deckschicht bildet. Das ist ja das spannende an so einer Ausgrabung! Man weiß nie so ganz genau, was kommt...

Bild unten links: Mein "Arbeitsplatz" dieses Tages. Schwarze Holzkohle in heller Umgebung. Hier ist irgendetwas verbrannt. Genauere Aussagen lassen sich dazu erst später treffen.
Bild unten rechts: Dunkle, ca. acht Zentimeter breite, lineare Verfärbung. Zur Verdeutlichung ist rechts daneben der gelbe Pfeil gesetzt. Es handelt sich um eine Pflugspur. Damit ist die maximale Bodentiefe markiert, die durch neuzeitliches Pflügen des Geländes gestört wurde.

Bild links: Die Arbeit im Schnitt - wir stehen noch ganz am Anfang.

Bild rechts: Archäologe Wolf-Dieter Steinmetz bei der Befundaufnahme. Eine einfache Konstruktion, ein Lattenrost mit 1m x 1m Segmenten, erleichtert das Einmessen der Funde erheblich, wenn man keinen Tachymeter zur Verfügung hat. (So ein Laservermessungsgerät kostet leider ein paar Tausender...)
Beim Versetzen des Lattengitters konnte man übrigens feststellen, wie exakt die Grabungsfläche ausgepflockt worden ist. 

***

05.06.2006:
Dritter Grabungstag. 7. Geburtstag meiner Tochter Johanna Jasmin. Ich kann nur kurz auf die Grabung und nehme das Geburtstagskind mit. Ab mittags hat sich zuhause die Verwandtschaft angesagt. Weiterhin Anlage Planum 1, weitere Brandspuren und Keramikfunde.
Auch Jasmin macht sich  nützlich. Der Setzkasten mit den Steckbuchstaben für die Grabungstafel ist völlig durcheinander geraten. Sie sortiert alle Buchstaben nach dem Alphabeth. Da können wir dann gut die Tafel noch umstecken und ein Foto machen.
(Mein heimlicher Wunsch ist ja, dass sie später Stabsärztin bei der Bundeswehr oder Archäologin wird. - Aber bis dahin fließt noch viel Wasser die Oker runter, und dann wird sie sicher irgendetwas machen, womit der Papa heute noch nicht rechnet...)

***

Am 4. Grabungstag, dem 10.06., mußte ich berufsbedingt aussetzen.
11.06.2006:

Fünfter Grabungstag.
Nun ist er endlich da, der langerwartete Sommer. Der bringt aber auch Probleme mit sich. Der Boden trocknet schnell aus und wird steinhart.
Im unteren Bereich des Schnittes sind immer noch keine Befunde erkennbar. In dem gleichförmigen, mit grobem Kies durchsetzten Boden geht die Arbeit nur langsam voran. Das wird sich so wohl noch für längere Zeit fortsetzen, denn wir erwarten ja hier den Graben, der mit dem unangenehmen Kies von der Oberfläche verfüllt sein dürfte. Meine Hoffnung war, dass es sich bei dem Kies nur um eine relativ dünne Deckschicht handelt.  Der Grundbesitzer aber, der uns heute 

besuchte, erklärte, die Kiesschicht sei seiner Erfahrung nach etwa einen Meter mächtig. Keine guten Aussichten...
Umso bemerkenswerter, dass im oberen Bereich des Schnittes schon knapp unter der Pflugschicht der Boden völlig anders aussieht. Hier sind deutlich differenzierbare Befunde sichtbar. Dazu gehören auch die bereits erwähnten Holzkohlespuren. Diese sind sehr interessant. Denn wenn sich hier ein regelrechter "Brandhorizont" ergibt, der sich vielleicht dann auch noch


in anderen Teilen der Befestigung zeigt, sind wir nicht mehr weit entfernt von einer Interpretation als "Zerstörungshorizont", wie er in mehreren vergleichbaren Befestigungen der jüngeren Bronzezeit festgestellt wurde.


Holzkohlespuren: Bild links unbearbeitet, rechts mit Beschriftung.



Besonders erfreulich war an diesem Sonntag die tatkräftige Unterstützung aus Salzgitter. Die Salzgitteraner, deren Arbeitsschwerpunkt die Burg Lichtenberg ist, verfügen über langjährige Grabungserfahrung. Natürlich ist es etwas anderes, eine hochmittelalterliche Burgruine auszugraben, als einen bronzezeitlichen Burgwall, dessen Architektur sich nicht in massiven Mauern, sondern nur noch in Bodenverfärbungen erhalten hat. Wir hoffen aber, dass ihnen die Arbeit in Isingerode trotzdem Spaß gemacht hat, und sie demnächst malwieder vorbeischauen. (Vielleicht kann man dann im Gegenzug auch mal auf der Burg Lichtenberg helfen...)
Neben einigem an undefinierbarem Scherbenbruch brachte das Wochenende auch zwei besondere Funde, wieder im Bereich der Befunde im oberen Abschnitt. Einerseits konnte eine Scherbe geborgen werden, die direkt an die oben unter dem 4.6. abgebildete passte. Vielleicht finden wir hier noch weitere Teile des Gefäßes. Andererseits wurde eine merkwürdiges Gefäßteil gefunden, dass der Grabungsleiter als "zeittypisch - aber ortsfremd" einstufte. Solche Funde sind Hinweise auf z.T. weitreichende Handelsbeziehungen des Platzes.
Ich selbst verbrachte den Großteil des Tages mit wenig ergiebigem, aber notwendigem Kieskratzen im unteren Abschnitt. Irgendwann muss sich ja hier der Graben abzeichnen, der im angrenzenden Feld so kurz vor der Kornreife durch das unterschiedliche Wachstum des Getreides bereits zu erahnen ist. Nur im Boden sieht man eben noch nichts...

***

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