Kampagne 2006:

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XV

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Zwischenspiel

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Neue Ausgrabung der Freunde der Archäologie im Braunschweiger Land:

schwedenschanze

Die "Schwedenschanze" bei Isingerode

Hintergrund: Vor 3000 Jahren...
Für Griechenland, die spätere Wiege der europäischen Kultur, nennt man die Zeit um 1000 v. Chr. die dunklen Jahrhunderte. Es ist eine Zeit des Übergangs, nach dem Zusammenbruch der mykenischen Palastkultur und vor dem Aufstieg des klassischen Hellas. Anders als im östlichen Mittelmeerraum war dies nördlich der Alpen keine Zeit des Niedergangs. So entstehen im Einflussbereich der Lausitzer Kultur in Mitteldeutschland ab dem 13. Jahrhundert erstmals größere, stark befestigte Höhensiedlungen - Burgen der jüngeren Bronzezeit.

"Die Burgen waren mit Sicherheit Mittelpunktssiedlungen, Vororte einer größeren Siedlungsgemeinschaft, die sie wirtschaftlich trug."
(A. Jockenhövel: Bronzezeit in Deutschland, Stuttgart 1994, S.25.)

Richten wir den Blick auf die Region um Braunschweig:

"Aus der älteren und jüngeren Bronzezeit kennen wir in Niedersachsen noch keine sicher datierten Wehranlagen. (...) Spärliche Anzeichen spätbronzezeitlichen Befestigungsbaues gibt es nur aus dem Braunschweiger Land. Doch fehlen bei den in Anspruch genommenen Anlagen, Hünenburg bei Watenstedt und Schwedenschanze bei Isingerode, sichere Grabungsbefunde."
(H.-W. Heine: Frühe Burgen und Pfalzen in Niedersachsen, Hildesheim 1995, S.21.)

Für die Hünenburg bei Watenstedt konnte durch die jüngere Forschung seit 1998 inzwischen zweifelsfrei geklärt werden, dass bereits in der  jüngeren Bronzezeit, etwa um 1200 vor Chr. der Platz stark befestigt war. Was heute wie ein einfacher Erdwall erscheint, besaß vor mehr als 3000 Jahren sogar eine vorgeblendete Steinmauer. Die Ausgrabungen des Jahres 2005 haben zudem die Vermutung bestätigt, dass sich südlich außerhalb der eigendlichen Burg eine ausgedehnte Außensiedlung erstreckte. Wie groß diese tatsächlich war und ob sie ebenfalls befestigt war, bleibt in den kommenden Grabungskampagnen zu klären. Die bisherigen Untersuchungen haben den äußeren Rand der Siedlung noch nicht erreicht. Die Ausgrabungen an der Hünenburg werden ab Sommer 2006 unter der Leitung von Dr. Immo Heske fortgesetzt durch das Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen.
Nach dem derzeitigen Forschungsstand kann die Hünenburg für die jüngere Bronzezeit als wirtschaftliches, politisches und kulturelles Zentrum einer größeren Landschaft betrachtet werden. Wenn wir den Begriff "Stadt" nicht benutzen wollen, dann nennen wir das Ganze eine "proto-urbane Siedlung", wie es sie den Dimensionen und der Qualität nach in unserer Region erst wieder 2000 Jahre später, im Mittelalter, gab.

huenenburg Die Hünenburg am Heeseberg bei Watenstedt.

Auf Initiative und unter Leitung des Archäologen Wolf-Dieter Steinmetz (Braunschweigisches Landesmuseum Wolfenbüttel) soll nun auch die Schwedenschanze bei Isingerode untersucht werden. Steinmetz hatte seinerzeit 1998 auch die Ausgrabungen an der Hünenburg begonnen und in den folgenden Jahren gemeinsam mit Immo Heske fortgeführt.

Die Lage:
Zwischen Schladen und Hornburg wird bei Isingerode die Oker- bzw. Eckerniederung durch eine über 25 Meter steil abfallende Geländekante begrenzt. Oberhalb dieser Abbruchkante, etwa 500 Meter südlich der Bundesstraße 82, befindet sich das in Karten als "Schwedenschanze" bezeichnete Kulturdenkmal. Im Gelände ist dieses kaum zu erkennen. Zwar wird in Aufzeichnungen aus der Zeit um 1900 hier ein auffälliger Wall erwähnt, vor Ort läßt sich heute aber nur noch schwach ein Sockel ausmachen, der in dem welligen Ackerland nicht als unnatürlich auffällt (siehe Foto am Anfang der Seite). Auf alten Luftbildern aus den 30er Jahren, die unter günstigen Bedingungen aufgenommen wurden, zeichnet sich jedoch eine halbkreisförmige Struktur  mit etwa hundert Meter Radius deutlich ab.

karte Ausschnitt aus einer Karte der 30er Jahre.

Der Name:
Mit den "alten Schweden" hat diese Schwedenschanze wohl nichts zu tun, obwohl schwedische Truppen im Verlauf des 30-jährigen Krieges in der Region aktiv waren (z.B. Belagerung von Wolfenbüttel und Schlacht bei Leiferde). Der Name "Schwedenschanze" ist vielmehr eine übliche volkstümliche Bezeichnung für alte Wallanlagen, zu denen weder lokale noch schriftliche Tradition irgendetwas wissen. Dies gilt genauso für die Bezeichnung "Hünenburg". Es gibt in Deutschland eine ganze Reihe von "Schwedenschanzen", die gar keine sind. So ist beispielsweise die Schwedenschanze von Lossow bei Frankfurt an der Oder eine jungbronzezeitliche Befestigungsanlage mit ungewöhnlichem Kultplatz (Opferschächte, z.T. mit Menschenopfern).
Die Hypothese:
Der an taktisch (natürlicher Schutz im Westen, teilweise auch im Süden und Norden)
wie strategisch (Nähe zu einem Abzweig nach Norden von einem wichtigen Ost-West Fernweg im Altwegenetz)
günstigem Platz gelegene Ringabschnittswall ist nach Form und Lage wahrscheinlich eine befestigte Siedlung der jüngeren Bronzezeit. Aus dem näheren Umfeld ist eine größere Zahl alter Lesefunde (Keramik) bekannt, die in die gleiche Epoche datieren.
Das Ziel:
Zunächst gilt es, ein Profil der Befestigungsanlagen, also des Grabens und des stark verschliffenen bzw. abgepflügten Walles zu gewinnen, das über entsprechende Keramikfunde datiert werden kann. Dadurch kann dann eine Funktionszuweisung sowie eine zeitliche und kulturelle Einordnung der Anlage vorgenommen werden. 
Die Durchführung:
Gegraben wird von freiwilligen Helfern, vor allem den Mitgliedern von FABL e.V., unter der Leitung von Herrn Steinmetz, zunächst an allen Wochenendtagen im Juni. Nähere Informationen und die Kontahtadresse für interessierte Helfer finden sich auf der unten angegebenen Webseite.

Zum Fortgang der Grabung:
→ Lothars kleines Grabungstagebuch


Zur Schwedenschanze existiert bisher keine gedruckte Literatur. Zu bronzezeitlichen Befestigungen und der Hünenburg bei Watenstedt:

  • Albrecht Jockenhövel / Wolf Kubach (Hrsg.): Bronzezeit in Deutschland, Stuttgart 1994.
  • Joachim Herrmann / Bohuslav Chropovsky (Hrsg.): Beiträge zum bronzezeitlichen Burgenbau in Mitteleuropa, Berlin-Nitra 1982. (Viele interessante Aufsätze, leider nur über Fernleihe zu bekommen...)
  • Joachim Herrmann: Burgen und Befestigungen der jüngeren Bronzezeit und frühen Eisenzeit, in: Archäologie in der Deutschen Demokratischen Republik, Band 1, Leipzig / Jena / Berlin 1989, S.106-118.
  • Braunschweigisches Landesmuseum: Die Hünenburg bei Watenstedt – Ausgrabungsergebnisse 1998-2001 (Informationen und Berichte des BLM 3-4/2001), Braunschweig 2003
  • Immo Heske: Die Hünenburg bei Watenstedt, Landkreis Helmstedt - Eine ur- und frühgeschichtliche Befestigung und ihr Umfeld, Göttinger Schriften zur Vor- und Frühgeschichte, Bd. 29, Neumünster 2006. (Mit Spannung erwartet - erscheint im Spätsommer.).



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