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Neue Ausgrabung der
Freunde der Archäologie im Braunschweiger
Land:
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Die
"Schwedenschanze" bei Isingerode
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Hintergrund:
Vor 3000 Jahren...
Für Griechenland, die spätere Wiege der
europäischen Kultur, nennt man die Zeit um 1000 v. Chr. die dunklen Jahrhunderte.
Es ist eine Zeit des Übergangs, nach dem Zusammenbruch der
mykenischen Palastkultur und vor dem Aufstieg des klassischen Hellas.
Anders als im östlichen Mittelmeerraum war dies
nördlich der Alpen keine Zeit des Niedergangs. So entstehen im
Einflussbereich der Lausitzer Kultur in Mitteldeutschland ab
dem 13. Jahrhundert erstmals größere, stark
befestigte Höhensiedlungen - Burgen der jüngeren
Bronzezeit.
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"Die Burgen waren mit Sicherheit Mittelpunktssiedlungen,
Vororte einer größeren Siedlungsgemeinschaft, die
sie wirtschaftlich trug."
(A. Jockenhövel: Bronzezeit in Deutschland,
Stuttgart 1994, S.25.)
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Richten wir den Blick auf die Region um Braunschweig:
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"Aus der älteren und jüngeren
Bronzezeit kennen wir
in Niedersachsen noch keine sicher datierten Wehranlagen. (...)
Spärliche Anzeichen spätbronzezeitlichen
Befestigungsbaues gibt es nur aus dem Braunschweiger Land. Doch fehlen
bei den in Anspruch genommenen Anlagen, Hünenburg bei
Watenstedt und Schwedenschanze
bei Isingerode, sichere
Grabungsbefunde."
(H.-W. Heine: Frühe Burgen und Pfalzen in
Niedersachsen, Hildesheim 1995, S.21.)
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Für die Hünenburg
bei Watenstedt
konnte durch die jüngere Forschung seit 1998 inzwischen
zweifelsfrei geklärt werden, dass bereits in der
jüngeren Bronzezeit, etwa um 1200 vor Chr. der Platz
stark befestigt war. Was heute wie ein einfacher Erdwall erscheint,
besaß vor mehr als 3000 Jahren sogar eine vorgeblendete
Steinmauer. Die Ausgrabungen des Jahres 2005 haben zudem die Vermutung
bestätigt, dass sich südlich außerhalb der
eigendlichen Burg eine ausgedehnte Außensiedlung erstreckte.
Wie groß diese tatsächlich war und ob sie ebenfalls
befestigt war, bleibt in den kommenden Grabungskampagnen zu
klären. Die bisherigen Untersuchungen haben den
äußeren Rand der Siedlung noch nicht
erreicht. Die Ausgrabungen an der Hünenburg werden ab
Sommer 2006 unter der Leitung von Dr. Immo Heske fortgesetzt
durch das Seminar für Ur- und Frühgeschichte der
Universität Göttingen.
Nach dem derzeitigen Forschungsstand kann die Hünenburg
für die jüngere Bronzezeit als wirtschaftliches,
politisches und kulturelles Zentrum einer größeren
Landschaft betrachtet werden. Wenn wir den Begriff "Stadt" nicht
benutzen wollen, dann nennen wir das Ganze eine "proto-urbane
Siedlung", wie es sie den Dimensionen und der Qualität nach in
unserer Region erst wieder 2000 Jahre
später, im Mittelalter, gab.
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Die
Hünenburg am Heeseberg bei Watenstedt.
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Auf Initiative und unter Leitung des
Archäologen Wolf-Dieter Steinmetz (Braunschweigisches
Landesmuseum Wolfenbüttel) soll nun auch die Schwedenschanze bei Isingerode
untersucht werden. Steinmetz hatte seinerzeit 1998 auch die
Ausgrabungen an der Hünenburg begonnen und in den folgenden
Jahren gemeinsam mit Immo Heske fortgeführt.
Die Lage:
Zwischen Schladen und Hornburg wird bei Isingerode die Oker- bzw.
Eckerniederung durch eine über 25 Meter steil abfallende
Geländekante begrenzt. Oberhalb dieser Abbruchkante, etwa 500
Meter südlich der Bundesstraße 82, befindet sich das
in Karten als "Schwedenschanze" bezeichnete Kulturdenkmal. Im
Gelände ist dieses kaum zu erkennen. Zwar wird in
Aufzeichnungen aus der Zeit um 1900 hier ein auffälliger Wall
erwähnt, vor Ort läßt sich heute aber nur
noch schwach ein Sockel ausmachen, der in dem welligen Ackerland nicht
als unnatürlich auffällt (siehe Foto am Anfang der
Seite). Auf alten Luftbildern aus den 30er Jahren, die unter
günstigen Bedingungen aufgenommen wurden, zeichnet sich jedoch
eine halbkreisförmige Struktur mit etwa hundert
Meter Radius deutlich ab.
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Ausschnitt
aus einer Karte der 30er Jahre. |
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Der Name:
Mit den "alten
Schweden" hat diese Schwedenschanze wohl nichts zu tun, obwohl
schwedische Truppen im Verlauf des 30-jährigen Krieges in der
Region
aktiv waren (z.B. Belagerung von Wolfenbüttel und Schlacht bei
Leiferde). Der Name "Schwedenschanze" ist vielmehr eine
übliche
volkstümliche Bezeichnung für alte Wallanlagen, zu
denen weder lokale
noch schriftliche Tradition irgendetwas wissen. Dies gilt genauso
für
die Bezeichnung "Hünenburg". Es gibt in Deutschland eine ganze
Reihe
von "Schwedenschanzen", die gar keine sind. So ist beispielsweise die
Schwedenschanze von Lossow bei Frankfurt an der Oder eine
jungbronzezeitliche Befestigungsanlage mit ungewöhnlichem
Kultplatz
(Opferschächte, z.T. mit Menschenopfern).
Die Hypothese:
Der an taktisch (natürlicher Schutz im Westen,
teilweise auch im Süden und Norden)
wie strategisch (Nähe zu einem Abzweig nach Norden von einem
wichtigen Ost-West Fernweg im Altwegenetz)
günstigem
Platz gelegene Ringabschnittswall ist nach Form und Lage wahrscheinlich
eine befestigte Siedlung der jüngeren Bronzezeit. Aus dem
näheren
Umfeld ist eine größere Zahl alter Lesefunde
(Keramik) bekannt, die in
die gleiche Epoche datieren.
Das Ziel:
Zunächst gilt es, ein Profil der Befestigungsanlagen, also des
Grabens und des stark verschliffenen bzw. abgepflügten Walles
zu
gewinnen, das über entsprechende Keramikfunde datiert werden
kann.
Dadurch kann dann eine Funktionszuweisung sowie eine zeitliche und
kulturelle Einordnung der Anlage vorgenommen werden.
Die
Durchführung:
Gegraben wird von freiwilligen Helfern, vor allem den Mitgliedern von
FABL e.V., unter der Leitung von Herrn Steinmetz, zunächst an
allen Wochenendtagen im Juni. Nähere Informationen und die
Kontahtadresse für interessierte Helfer finden sich auf der
unten
angegebenen Webseite.
Zum
Fortgang der Grabung:
→
Lothars
kleines Grabungstagebuch
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Zur Schwedenschanze existiert bisher keine gedruckte
Literatur. Zu bronzezeitlichen Befestigungen und der Hünenburg
bei Watenstedt:
- Albrecht
Jockenhövel / Wolf Kubach (Hrsg.): Bronzezeit in Deutschland,
Stuttgart 1994.
- Joachim
Herrmann /
Bohuslav Chropovsky (Hrsg.): Beiträge zum bronzezeitlichen
Burgenbau in Mitteleuropa, Berlin-Nitra 1982. (Viele interessante
Aufsätze, leider nur über Fernleihe zu bekommen...)
- Joachim
Herrmann:
Burgen und Befestigungen der jüngeren Bronzezeit und
frühen
Eisenzeit, in: Archäologie in der Deutschen Demokratischen
Republik, Band 1, Leipzig / Jena / Berlin 1989, S.106-118.
- Braunschweigisches
Landesmuseum: Die Hünenburg bei Watenstedt –
Ausgrabungsergebnisse 1998-2001 (Informationen und Berichte des BLM
3-4/2001), Braunschweig 2003
- Immo
Heske: Die
Hünenburg bei Watenstedt, Landkreis Helmstedt - Eine ur- und
frühgeschichtliche Befestigung und ihr Umfeld,
Göttinger
Schriften zur Vor- und Frühgeschichte, Bd. 29,
Neumünster
2006. (Mit Spannung erwartet - erscheint im Spätsommer.).
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