Lothars kleines Grabungstagebuch 2009 - Folge 12
Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode
04., 10. und 11. Oktober

Mittagspause am 11. Oktober

Am Samstag, dem Tag der Deutschen Einheit, ruhte die Grabung, da sich die Freunde der Archäologie inklusive fast des gesamten Grabungsteams auf Exkursion befanden. Am Sonntag fanden wir ideale Grabungsbedingungen vor. Der Boden war durch Regenfälle über die Woche weich, aber nicht matschig geworden. Der Tag blieb weitgehend sonnig, und den starken Wind hielt der Waldstreifen westlich des Schnittes von uns ab.
Achim und Achim, Angelika, Bärbel, Gisela, Michael, Reinhard, Uwe, meine Wenigkeit und Chef Wolf-Dieter waren angetreten, später stieß noch Hugo dazu. Und wir freuten uns über die Besuche von Herrn und Frau Meyer senior, den Grundeigentümern, sowie von unseren Freunden Axel und Marianne von der archäologischen Arbeitsgemeinschaft Salzgitter.
Am Samstag den 10. regnete es den ganzen Tag. Entsprechend waren nur ein paar Unbeirrbare da: Achim, Michael, Uwe, Wolf-Dieter und ich.
Sonntag war der Vorhersage nach zwar auch mit Regen zu rechnen, aber der verschonte uns, bis wir so gegen fünfe bereits alles zusammengeräumt hatten. Dem besseren Wetter entsprechend war auch die Mannschaftsstärke größer: Achim, Angelika, Axel, Gabi, Gisela, Harald, Lothar, Michael, Reinhard, Uwe, Wolf-Dieter. Mit so einem starken Team kann man schon einiges an Erde bewegen.

Man muss einräumen: Es gab keine spektakulären Funde oder Befunde. Der Motivation des Teams tat das keinen Abbruch. Irgendwann, in größerer Tiefe werden sie schon kommen. Und alle hatten noch die auf der Exkursion gesehenen Schnitte am “Harzhorn” vor Augen, wo sich die Ausgräber durch große Flächen unfreundlichen steinigen Waldbodens gequält hatten - mit sehr magerer Ausbeute.


Funde beschränkten sich auf Flint und zumeist uncharakteristischen Keramikbruch. Zwar streuen über die ganze Fläche Scherben, die man aufgrund des Materials grob als vorgeschichtlich ansprechen kann. Soetwas wie die mit Kammstrich verzierte Scherbe im Bild unten links, gefunden von Gabi, gehörte dabei schon zu den besten Stücken. Bis 50cm unter der heutigen Oberfläche treten weiterhin auch eindeutig neuzeitliche Funde auf (Foto unten rechts). Das zeigt uns an, dass wir uns noch in jüngeren Auftragsschichten befinden. 

Links: Scherbe mit Kammstrich. Ich habe natürlich nicht alles gesehen, was an Scherben in diesen Tagen herauskam. Aber ich habe den Eindruck, dass ein großer Anteil des Materials schwarz und mit weißen Splittern gemagert ist, dabei ganz unterschiedliche Wandstärken und Oberflächen aufweist.  Und das halte ich doch - wenn ich so an das Fundspektrum der vergangenen Kampagnen denke, für eher untypisch...

Rechts: Diese Scherbe liegt noch nicht lange hier. Nur eines von mehreren Beispielen. Trotzdem fand sie sich ca. 50 cm unter der heutigen Oberfläche, in einer Tiefe also, in der wir im Wallbereich bereits voll in ungestörten Befunden steckten.

Lediglich in Verlängerung der aus dem alten Schnitt bekannten Brandschicht “B1” die der Innenseite des Walles folgt, zeichnen sich klare Befunde ab, die direkt unter der hier kaum mehr als 25 cm starken Pflugschicht einsetzen. Das entspricht unserer Erwartung für diesen Quadranten. Sehr gut passt das zu dem diagonalen Profil aus dem alten Schnitt, das wir ja offen gelassen hatten, um es nun ins Innere der Anlage zu verlängern. Dazu ein paar Fotos:

Keine 25 cm unter der Oberfläche setzt die vom Pflug gekappte Brandschicht ein. (Foto vom 04.10.) 

Im Vordergrund das alte Nordostprofil (von Hugo frisch übergeputzt), dessen Strukturen sich in der neuen Fläche (jenseits der gelben Linie) fortsetzen. (Foto vom 04.10.)

Die gleiche Fläche wie oben, ein etwas anderer Blickwinkel und kaum
5 cm tiefer. (Sie wurde am 11.04. nochmals übergeputzt.)



In den anderen Flächen haben wir es mit gleichförmigem Lehmboden zu tun. Nur hier im Bildvordergrund war dieser auffällig dicht mit ca. faustgroßen Steinen durchsetzt. (Helligkeitsunterschiede im Boden auf diesem Foto resultieren nur aus unterschiedlichem Austrocknungszustand.)

Als Planskizze mit Stand vom 11.10. sieht der Schnitt grob so aus: 

Eine Skizze - wie gesagt. Exakte Zeichnungen gibt es beim Grabungsleiter. Viel zu skizzieren habe ich noch nicht. Der größte Teil der Fläche ist weiterhin von jener undifferenzierten, lehmigen Schicht bedeckt, die über der Asche der letzten Brandkatastrophe "B1" liegt. Sie ist wohl durch das Zerfließen und Abpflügen des Walles entstanden. Nach den erwähnten neuzeitlichen Funden ist das zu einem guten Teil erst in den letzten hundert oder hundertfünfzig Jahren erfolgt.
"Das Zeug muss weg!"
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Interne Ankündigung:
An einem der kommenden Wochenenden, voraussichtlich am 25. Oktober oder am 01. November, werden wir eine systematische Feldbegehung durchführen. Objekt ist die "Reitbahn" in Wallmoden. Von diesem Platz und aus der Umgebung sind bisher KEINE Altfunde bekannt. Die landschaftliche Situation lässt aber eine vorgeschichtliche bis frühmittelalterliche Befestigung vermuten. Wir hoffen letztendlich auf Oberflächenfunde, die in die jüngere Bronze- / frühe Eisenzeit verweisen. (Die Feldbegehung erfolgt unter Leitung unseres Archäologen Wolf-Dieter Steinmetz und mit Genehmigung des Grundeigentümers.)

↑ Und so sieht das in Wallmoden aus. ↑

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