Lothars kleines Grabungstagebuch 2009
Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode
Folge 11: 26. und 27. September

Gisela und Hugo

Harald und Uwe

Gabi und Ingrid

Am Samstag waren u.a. Michael und Reinhard mit dabei, die am Sonntag anderen Verpflichtungen nachgehen mussten.
Am Sonntag waren wir zu neunt: Achim, Gabi, Gisela, Harald, Hugo, Ingrid, Uwe, ich und Chef Wolf-Dieter. (Dank an Ingrid für die grandiose Versorgung mit Salaten, Kotelett, Schweinebraten.)

Vielleicht gab es in meinem Hinterkopf die unbegründete und falsche Vorstellung, wir würden im neuen Schnitt einfach die Pflugschicht abdecken und hätten dann sofort klar umrissene Befunde vor uns. So hatten wir es ja teilweise im Wallbereich und im Testschnitt in der Außensiedlung "ISI 2" erlebt. Dabei macht ein Blick auf das Nord- und Nordostprofil des alten Schnittes klar, dass Befunde wohl erst in größerer Tiefe erkennbar sein werden.

Im Quadranten 70-75N/0-5E haben Uwe und Harald die nicht sehr dankbare Aufgabe abgeschlossen, bis auf 40cm unter heutiger Oberfläche abzutiefen. Dieser Quadrant liegt am weitesten im Inneren der Befestigung, und ich verspreche mir gerade von diesem Quadranten sehr viel - aber das wird sich wohl eben erst sehr viel tiefer einstellen. In dem ganzen Abtrag gab es keine Funde, sieht man von ein paar neuzeitlichen Glasscherben ab. Und natürlich auch keine Befunde. Uwe und Harald arbeiteten in einem undefinierbaren, mit kleinen und größeren Steinen durchsetzten, lehmigen Material. Nur mit sehr, sehr viel Kraft war die Erde abzutragen. Ich weiß nicht, wie ich dieses Material, diese Schicht ansprechen soll. Fast meint man, man befindet sich hier noch immer in der Pflugschicht. Aber umsomehr "Dreck" über den Befunden liegt, desto besser dürfte die Befunderhaltung sein. Das ist ein alter Ausgräbergrundsatz. 

***

An anderer Stelle, im Quadranten 65-70N/5-10Et - quasi noch im "Schatten" des Walles - , reicht die Pflugschicht kaum 25cm unter die heutige Oberfläche. Es scheint allerdings, als ob sie nach Nordwesten immer mächtiger wird. Obwohl auch hier noch keine "Befunde" im engeren Sinne erkennbar sind, ist die Situation doch ganz anders. Direkt unter der Pflugschicht gibt es einen abrupten Materialwechsel zu weißer Asche, die an einigen Stellen auch kleinere und größere Stücken Holzkohle enthält. Und sie enthält eindeutig vorgeschichtlichen Keramikbruch.

Schwarze Holzkohle in weißer Asche - wohl Brandschutt der jüngsten Brandkatastrophe, die wir "B1" nennen.

In der Asche lagen in einem Bereich von kaum 20cm Durchmesser ein Dutzend Scherben eines dünnwandigen, gut geglätteten Gefäßes. 

Der "Fund des Tages", gemacht von Achim Scheffler. Die erste verzierte Scherbe aus diesem Quadranten - mit einigen Besonderheiten. (Siehe unten)

Eine von Achim Scheffler in dieser Schicht gefundene Scherbe (rechts oben) weist einige Besonderheiten auf. Anderthalb Zentimeter unter dem einfachen Rand beginnt eine regelmäßige, flächendeckende Verziehrung mit Daumeneindrücken. (Ich gehe wegen der Größe der Eindrücke davon aus, dass sie mit dem Daumen gemacht wurden.  Das Bild oben rechts entspricht bei meiner Monitorauflösung etwa der Originalgröße.) Durch die Reihen der Daumeneindrücke wurde der Ton zu Rippen aufgeschoben, die parallel zu dem kleinen Stück erhaltenen Rand verlaufen. Da die Scherbe nicht erkennbar gewölbt ist, könnte man nun meinen, es handele sich um ein Stück von einer sogenannten Lappenschale. Das Material aber weicht stark von dem ab, was wir hier sonst in den spätbronzezeitlichen Schichten haben, besonders auch von dem, das bei bisherigen Funden mit flächendeckender Fingereindruckverzierung vorlag. Der Ton ist durchgängig schwarz und mit Quarzsplittern gemagert.

Zum Vergleich:20.09., abends. 

27.09., abends.

Die Fotos bringen allerdings kaum herüber, dass wir an diesem Wochenende wieder mehrere Kubikmeter Erde bewegt haben. Heute noch keine neue Planskizze. Ist jemandem aufgefallen, dass ich einen Fehler in der Beschriftung hatte?

An dieser Stelle nochmal der Hinweis: Am kommenden Samstag gräbt FABL nicht aus, sondern geht auf Exkursion. Es geht also erst am Sonntag weiter.

Der 27. September war übrigens auch Wahlsonntag. Auf der Abraumhalde hisst der Grabungsleiter die Flagge von "Einigkeit und Recht und Freiheit". Soweit ich sehe, waren alle Ausgräber schon früh vor Grabungsbeginn wählen gegangen - und haben wohl mindestens vier verschiedene Parteien gewählt. So unterschiedlich auch politische Präferenzen sein mögen, uns eint die Begeisterung für die Archäologie und die Liebe zu Land und Landschaft. (Und die Bundespolitik hat definitiv keinen Einfluss auf die regionale Vorgeschichtsforschung...)

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