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Lothars
kleines Grabungstagebuch 2009 - Folge 8 |
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Zwischenspiel: |
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Die
westliche Schulter des Heeseberges ist überreich an
vorgeschichtlichen Spuren. Hier finden wir Linienbandkeramik, die
frühesten Ackerbauern in unserer Region, mit denen vor grob
siebentausendfünfhundert Jahren unsere Jungsteinzeit beginnt.
Aus
den folgenden 3500 Jahren Jungsteinzeit haben verschiedenste Kulturen
ihre Spuren hinterlassen. Die frühbronzezeitliche Aunjetitzer
Kultur, von der man im Zusammenhang mit der Pizza Nebra - äh -
der
"Himmelsscheibe von Nebra" sicherlich gehört hat, ist im
Fundgut
stark vertreten. Germanen der frühen und späten
römischen Kaiserzeit haben hier gesiedelt. Und auch die
Sachsen,
Thüringer und Franken der Völkerwanderungszeit bzw.
des
frühen Mittelalters fanden den Platz attraktiv. Man
konnte
sogar "Neuzeitarchäologie" betreiben. 2005 wurden hier Teile
eines
britischen Bombers freigelegt, inklusive Bug-MG-Kanzel und sterblicher
Überreste der Cockpitbesatzung. Das Flugzeug war inmitten
einer
spätbronzezeitlichen Siedlung abgestürzt. Einen knappen Überblick über den
aktuellen Stand der Forschungen an der Hünenburg gibt es als
PDF im Internet: Besonders interessant sind hier die Funde zur
Bronzeverarbeitung, die in einem Kurzaufsatz näher
erläutert werden, ebenfalls als PDF abrufbar: Metallverarbeitung an
der Hünenburg.pdf |
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Immo
erläutert im Schnitt, wie es hier vor 3000 Jahren ausgesehen
hat. Nach den bisherigen Prospektionsergebnissen erreichte die Siedlung
vor der Hünenburg in ihrer Blütezeit eine Ausdehnung
von mindestens 16 Hektar! |
Ein nach dreitausend
Jahren wieder zusammengesetztes Puzzle: Form und Schultergestaltung
dieser Terrine gelten als typisch für die
Saalemündungsgruppe, gewissermaßen den
"Nordharzstamm" der jüngeren Bronzezeit. Bei den
Ausgrabungen in der Hünenburg Außensiedlung kamen
inzwischen doch eine Reihe vollständig rekonstruierbarer
Gefäße heraus. |
Hartwig
(Archäologische
Arbeitgemeinschaft
Salzgitter), Harald (Festungsverein Wolfenbüttel und
natürlich auch fleißiger FABL Helfer in Isingerode)
und
meine beiden Mädels am Rande des Schnittes in der Niederung.
Hier
waren die Spuren eines ehemaligen Bachlaufes erkennbar. Die Keramik aus
diesem Schnitt soll neben einer bunten Mischung von jungsteinzeitlichen
und bronzezeitlichen Fragmenten vor allem in die
spätrömische
Kaiserzeit datieren. Darunter waren auch Funde der
berüchtigten
"Braunschweiger Drehscheibenware". Was ist das nun wieder? Im 4. und 5.
Jahrhundert kommt es zum ersten Mal in unserer Region zur Produktion
von Keramik auf der schnell rotierenden
Töpferscheibe. |
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Der "Tag der Ausgrabung" war gut besucht. Es gab mehrere Führungen, eine Ausstellung besonderer Funde im Zelt und einen Verkaufsstand mit Literatur und "Souvenirs". Zusätzlich führte der Archäologe Herr Lessig-Weller, der sich mit experimenteller Archäologie befasst, Waffen und Werkzeuge aus organischem Material vor, wie sie in der jüngeren Bronzezeit hergestellt und teilweise im Umfeld der Hünenburg gefunden wurden. |
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Experimentalarchäologe
Lessig-Weller zeigt verschiedene Pfeile mit Spitzen aus Knochen, Flint
und Geweih. Zwar gab es auch bronzene Pfeilspitzen (aus dem
Braunschweiger Land ist mir ein einziger Fund bekannt), diese muss man
meiner Einschätzung nach aber eher als Statussymbole
auffassen, zumal ihre Eigenschaften nicht unbedingt besser waren. |
Verschiedene
Werkzeuge und Waffen als originalgetreue Repliken, darunter
Knochenspeerspitzen und die berüchtigten Geweihäxte
mit Kreisaugenzier. Man mag es kaum glauben, aber Experimente haben
erwiesen, dass man mit solchen Äxten durchaus Bäume
fällen kann! |
Jojo
probiert mal aus, ob das Gerät gut in der Hand liegt. |
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Eine weitere mögliche Perspektive
zukünftiger
Forschungen an der Hünenburg, die Dr. Heske in einer
Randbemerkung
bei seiner Führung erwog, muss ich hier noch
erwähnen. Sie
betrifft die Mittlere Bronzezeit, auch
Hügelgräberbronzezeit
genannt. |
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Am
06.09. habe ich schonmal angefangen, den Rest der Pflugschicht
abzutragen. Wir wollen mal sehen, was der Boden hier für uns
bereit hält. → Weiter zur nächsten Folge: Erste Arbeiten im neuen Schnitt |
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2009: |
Folge 8 |
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