Lothars kleines Grabungstagebuch 2009 - Folge 7
Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode

16.08.2009: Es ist zugeschoben!
(...aber bald geht's im neuen Schnitt weiter...)


Über die vergangenen Jahre konnte man anhand hier gezeigter Fotos verfolgen, wie unser Schnitt durch die vorgeschichtliche Befestigung immer tieter, zum Teil auch länger und breiter wurde. Jetzt sieht das wieder ganz anders aus.

Wie angedroht: Unser Schnitt in Isingerode wurde am 15./16. August zugeschoben. Das ganze Wochenende verbrachte Holger bei brüllender Hitze auf dem Radlader. Danke für seine Anstrengungen! Michael hatte schon recht mit seiner Bemerkung: Es wäre etwas enttäuschend, wenn das, was wir in dreieinhalb Jahren in mühevoller Kleinarbeit ausgelöffelt haben, nicht auch dem Großgerät beim Zuschieben einige Mühe abverlangen würde.
Ich begab mich am Sonntagmorgen kurz nach Isingerode, um mal einen Blick zu riskieren.

Gegen Mittag verließ ich zunächst wieder die Grabung, nahm mir aber fest vor, am Abend zurückzukehren. Chef Wolf-Dieter und Holger waren nämlich optimistisch, dass vielleicht noch die Pflugschicht der neuen Fläche abgeschoben werden würde.

Auf halber Höhe zurück ins Tal lag auf dem Weg ein totes Tier. Als ich gekommen war, lag es noch nicht dort. Das Blut war noch frisch. Eine Schlange oder doch eher eine Blindschleiche mit abgebissenem Kopf? Ist das vielleicht ein Vorzeichen? Wenn ja: Ein gutes, oder ein schlechtes? (Nein, ich bin in Wirklichkeit nicht abergläubisch. Aber in antiken Berichten und in der Mythologie werden gelegentlich Adler mit einer Schlange in den Krallen oder im Maul als wichtige Vorzeichen beschrieben, und das kam mir so in den Sinn...)




Am Abend jedenfalls war tatsächlich schon ein größerer Teil des neuen Schnittes abgeschoben. Hugo und Liana waren auch vorbeigekommen, um sich das anzusehen. Die neue Fläche ist fünfzehn auf zehn Meter groß. Das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt der ehemaligen Innenfläche der Befestigung, vielleicht ein Prozent. Aber mit etwas Glück kriegen wir hier ausreichend gut erhaltene Befunde, um ein paar der interessanten Fragen zu klären. Eine viel größere Fläche würden wir kaum in dem geplanten Zeitraum ausgraben können. Auf einer deutlich kleineren Fläche aber dürfte es kaum möglich sein, irgendwelche Baustrukturen zu erkennen,  auf die wir ja unter anderem hoffen.  (Meine in der letzten Folge formulierten Hoffnungen und Erwartungen sollten ja erklären, was man vielleicht, eventuell hier vorfinden k ö n n t e.)

Unser neuer Schnitt. Zumindest schonmal abgesteckt.

Obwohl beim Abschieben weder Funde gemacht wurden, noch ernsthaft Befunde zu erkennen waren, erschien das Material des Bodens keineswegs gleichförmig. Wir sind also schon gespannt auf das erste Planum! Noch aber ist es nicht so weit. Am Donnerstag werde ich unserem Fundaufarbeitungsteam im Museum einen Besuch abstatten. Am kommenden Wochenende geht es noch nicht weiter. Das Wochenende darauf ist am Sonntag “Tag der offenen Ausgrabung bei unserer Schwestergrabung Hünenburg/Heeseberg (30.08.). Da werden wir mal schauen, was das Hünenburgteam Neues herausgefunden hat. - Und dazu wird es auf dieser Seite dann zumindest ein paar Fotos geben.
Das erste Septemberwochenende ist noch Pause. Aber am zweiten Septemberwochenende soll’s weitergehen. Ich schätze, wir werden dann ersteinmal den Rest der Pflugschicht runternehmen und so eine Art Schaufelplanum machen. In dem steinigen Boden sieht das hinterher sicher nicht gleich so gut aus, wie ein Schaufelplanum in Sand oder Lehm. Jedenfalls müssen bis zu zehn Zentimeter runter. Grobe, harte Arbeit. Dazu werden wir die kräftigeren “Jungs” aus unserer Truppe zusammentrommeln. 

→ Weiter zur nächsten Folge: Zwischenspiel - Tag der Ausgrabung auf der Hünenburg / Heeseberg
... und hier geht's weiter in Isingerode / neuer Schnitt →

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