Wer
hart arbeitet, muss
sich auch mal
stärken, ob mit Bratwurst, Ingrids selbstgemachten Salaten
oder
auch einem (meist nicht ganz kühlen) Bier. Hier (26.07.) zum
Beispiel
sitzen Ingrid, Uwe, Harald, Bärbel, Wolf-Dieter, Axel
(Unterstützung von der Archäologischen
Arbeitsgmeinschaft
Salzgitter), Michael und Gisela zusammen. Achim war gerade schon
aufgebrochen und ich bin natürlich nicht im Bild, weil hinter
der
Kamera. Zehn Streiter für die Archäologie - mal sind
wir mehr,
mal weniger. Aber mit so einer Truppe schafft man schon was.
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Ein
"historischer
Augenblick": Michael
ist mit "seinem" Graben endgültig fertig. Zweieinhalb Jahre
lang
hat er viele Wochenenden in diesem Loch - äh
- Schnitt
gesessen, mal mit Unterstützung, oft aber auch allein.
Bei
zunehmender Tiefe war er zunehmend abgeschnitten vom Rest der
Grabungsmannschaft. "Hol mal jemand Michael zum Mittag." "Ach, Michael
ist auch da?" Klar war er da. Fast jeden Grabungstag. Nur eben
oft außer Sichtweite... Dafür
saß er
an dem Platz
mit der absolut höchsten Funddichte, tausende von Scherben und
hunderte von Knochen: Siedlungsmüll der frühen
Eisenzeit.
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Gewissermaßen ein Leitmotiv der letzten Wochenenden war das
"Pfostenloch". Für den Wallkern, den wir in der
Schnitterweiterung nach Westen untersucht haben, muss ich meine
Bemerkungen aus der vorletzten Folge berichtigen. Sie war
zumindest mißverständlich. In den drei gut
erkennbaren
Pfostenreihen ist nicht der Abstand zwischen den Pfosten einer Reihe
fünfzig Zentimeter. Das ist vielmehr der Abstand
zwischen
den Mittelpunkten der Pfosten. (Es gibt noch eine vierte, von der wir
aber nur ein kleines Stück mit unserem Schnitt erwischt
haben.)
Auf dem Foto unten ist eine Merkwürdigkeit festgehalten. Nur
dieses
eine Pfostenloch in der Reihe war mit schwarzen Holzkohleresten
gefüllt, während die anderen kaum Holzkohle
enthielten, statt
dessen braunes, krümeliges Material.
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An der Innenseite des Walles kamen die Pfostenlöcher erst nach
und
nach zum Vorschein. Sie stehen hier nicht so dicht, und in diesem
Bereich hatten wir aus bestimmten Gründen mit
unterschiedlichen
Abträgen und Zwischenprofilen gearbeitet. Nachdem unser
Grabungsleiter die Pfostenlöcher mit Fluchtstangen markiert
hatte,
ergab sich aber auch ohne Blick in die Dolumentation eine
schöne,
recht regelmäßige Reihe mit Abständen von
geschätzt knapp zwei Metern. Nur an einer Stelle war keine
Spur
eines Pfostens mehr erkennbar, so dass eine scheinbare Lücke
blieb. Ich glaube aber zu erinnern, dass wir an dieser Stelle auch alle
Anzeichen für einen Pfosten hatten. Da muss man dann doch
nochmal
in die älteren Unterlagen sehen.
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Eberhard
Lüttgau: Die Nachfrage des ehemaligen Bürgermeisters
und
Ortsheimatpflegers von Isingerode zur "Schwedenschanze" für
die
Ortschronik gab mit den Anstoß für
unser
Projekt. Er unterstützt uns in vielfältiger Weise.
Aber, das
sei gesagt, bei seinen regelmäßigen Besuchen auf der
Ausgrabung lernten wir ihn auch als erlebnisreichen Zeitzeugen der
jüngeren Geschichte kennen.
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Berd-Uwe
Meyer -
BUM: Der rasende Reporter des nördlichen Harzvorlandes
begleitet
unsere Projekte seit vielen Jahren und sorgt
dafür, dass
über die Presse eine breitere Öffentlichkeit von
unseren
Aktivitäten erfährt. In früheren Jahren
hatte
er sich selbst aktiv mit Archäologie
beschäftigt.
Besonders
positiv,
dass er seine Berichte auch in der Regionalpresse in Sachsen-Anhalt
platziert. Denn: Die für Archäologen sehr junge
Grenze
zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt soll uns "Harzmenschen"
nicht trennen. Vor 3000 Jahren gehörten die
Isingeroder zur
gleichen Kulturgruppe wie die Halberstädter und
Quedlinburger, wohl sogar die Magdeburger.
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Wolfram
Klingbeil,
Mann der ersten Stunde unseres Projektes in Isingerode. Nachdem er 2006
wahrscheinlich der eifrigste in unserem Team war, musste er aus
gesundheitlichen Gründen ab 2007 deutlich
kürzer
treten.
Er ist außerdem Ideengeber für
eines unserer
zukünftigen Projekte auf der Suche nach weiteren befestigten
Siedlungen der jüngeren Bronzezeit in der weiteren Region.
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Hoffnungen
und Erwartungen für den nächsten
Untersuchungsabschnitt:
Ab Mitte September wird ein neuer Schnitt geöffnet.
Wir werden nun Teile des Innenraums der Befestigung untersuchen. Der
genaue Termin für die Fortsetzung unserer Arbeiten steht noch
nicht fest. In jedem Fall wird auf diesen Seiten zu lesen sein, wenn es
wieder losgeht.
Im folgenden Text geht es um die Formulierung von Erwartungshaltungen
oder Hoffnungen für den kommenden Abschnitt der Ausgrabung.
Selbstverständlich lassen wir uns gerne überraschen,
falls
wir nachher ganz andere Befunde vorfinden, als erwartet. Wie schon
mehrfach in dem großen Abenteuer, das unser Projekt
darstellt,
werden wir uns nicht scheuen, umzudenken.
(Wie immer: Es
handelt sich um meine private Auffassung, nicht um eine offizielle
Planung.)
Übliche Fragen bei
der Untersuchung des Innenraums einer Befestigung sind:
War der Innenraum dauerhaft bewohnt? Wie dicht war er bebaut? Gibt es
Hinweise auf eine “besondere” Nutzung des
Innenraumes?
Für welche Phasen der Befestigung lassen sich solche Aussagen
treffen?
Wir wollen hier nach unseren bisherigen Ergebnissen vier Phasen
unterscheiden:
1. “Isi
Frühphase”:
Nutzung irgendwann zwischen 1200 v.Chr. und dem Einsetzen der
“horizontal gerieften Keramik”, die uns hier ja
fehlt.
Jüngere Bronzezeit.
Aus Isi früh können sich nur tief in den Boden
eingreifende
Strukturen erhalten haben. Soweit wir bisher in die
Innenfläche
vorgedrungen sind, “rasiert” die jüngste
Brandschicht
(B1) alle älteren Schichten bis auf den gewachsenen Boden.
Aber
auch aus dieser Epoche können Pfostenlöcher und
Gruben
erhalten sein.
Fragen: Wann kamen die Leute auf die Idee, diesen Platz zu besiedeln?
Ansonsten sind hier die gleichen Fragen wie für Isi Hauptphase
zu
stellen (siehe unten). Mit einer geringeren Hoffnung auf Antworten.
2. “Isi
Hauptphase”:
Späte Bronzezeit, Endbronzezeit oder auch
“Übergangshorizont”. Brandhorizonte (3?) 2
und 1 (mit
vorhergehenden Bauphasen), später auch
äußerer Graben.
Für die Hauptphase dürfen wir mit
verschiedenen
Strukturen rechnen, besonders mit solchen, die mit der Bauphase vor der
jüngsten Brandkatastrophe B1 in Zusammenhang stehen. Der
Auftrag
oberhalb der Brandschicht B1 ist auf der Innenfläche - soweit
wir
bisher vorgedrungen sind - über einen Meter mächtig.
Darunter
sollten sich eine ganze Reihe von negativen Strukturen wie
Abfallgruben, Pfostenlöcher (vielleicht sogar ein Brunnen?)
erhalten haben. Möglicher Weise haben sich IN
der
Schuttschicht sogar Spuren von aufgehenden Strukturen erhalten.
Teilweise werden diese so tief liegen, dass sie im Magnetbild nicht
erkennbar sind.
Fragen: Waren hier dicht an dicht Häuser gebaut? Gibt es
Hinweise
darauf, dass hier nicht nur Bauern, sondern auch Händler,
Handwerker, Herrscher gelebt haben? Wie sahen die Bauten aus? Was haben
die Menschen getrieben?
Und eine spezielle Lieblingsfrage von mir persönlich: Gibt es
Hinweise auf kriegerische Auseinandersetzungen?
3. “Isi
Spätphase”:
Verfüllung des äußeren Grabens in der
frühen
Eisenzeit. Unter dieser Phase verstehe ich also nicht die
jüngste
Befestigung, als die wir den äußeren Graben ansehen,
sondern
die Zeit, in der dieser Graben nicht mehr genutzt wurde -
außer
als Abfallgrube.
Isi spät wird als eigene Phase an dieser Stelle quasi erstmal
von
mir vorgeschlagen. Grundlage dafür ist die
Überlegung, dass
ein Teil der Keramik aus den Verfüllschichten des
äußeren Grabens jünger erscheint als alles,
was wir im
Wallbereich und im inneren Graben gefunden haben. (Abgesehen von der
Nachnutzung.) Entsprechend haben wir also eine Siedlung, die eine
große Menge Abfall produzierte, aber für die wir
keine
Befestigung nachweisen können. Den äußeren
Graben
können wir hier nicht mehr als Befestigung rechnen - denn das
ist
ja nicht mehr seine Funktion. Auch wenn Isi spät zeitlich
direkt
an die letzte Befestigung anschließt, wenn noch die gleiche
Generation, die den äußeren Graben baute, ihn
später
wieder zugekippt haben sollte (was ich nicht glaube...), erscheint mir
eine gesonderte Betrachtung der Zeit danach angebracht.
Fraglich ist, ob und in welcher Weise die Hochfläche in dieser
Spätphase genutzt wurde.
Fragen: War die Hochfläche (ehemalige Burg) besiedelt oder hat
sich die Siedlung möglicher Weise an den Hang und in die Senke
verlagert?
4. “Isi
Nachnutzung”: Späte
vorrömische Eisenzeit, Großromstedter Horizont.
Mit der Epoche der Nachnutzung ist bisher lediglich die
Verfüllung
einer Ausbauphase des großen Grabens verbunden.
Zusätzlich
gibt es eine Reihe von älteren Lesefunden, die allgemein von
der
“Schwedenschanze” oder aus deren Umfeld stammen
sollen, und
die in diese Epoche datieren. Die Erweiterung des Wallschnittes nach
Westen erbrachte keine Funde, die dieser Epoche zugeordnet werden
können (obwohl wir dies hofften). Für die
Innenfläche
nun erhoffen wir Grubenbefunde aus dieser Zeit. Mit viel Glück
könnten sogar Grubenhäuser nachzuweisen sein, wie sie
z.T. in
der späten Eisenzeit angelegt wurden, auch wenn das
vorliegende
Magnetbild hierfür keine Hinweise gibt. Befunde der
Nachnutzung
könnten alle in die mächtige Schuttschicht
über dem
Brandhorizont B1 eingetieft sein, und sollten sich durch eine eher
dunkle, humosige Verfüllung klar von dem hellen Brandschutt
über B1 abheben.
Fragen: Haben die alten Germanen hier gelebt, gelagert, oder was haben
sie sonst hier getrieben?
Fragwürdig ist der Verlauf der Siedlung- bzw. Schuttschicht.
Gut
möglich, dass diese in der Mitte der Anlage bis auf den
gewachsenen Boden (oder tiefer) abgepflügt ist. Das allerdings
würde bedeuten, dass man in der Hauptnutzungsphase nicht auf
geebneter Hochfläche, sondern immernoch auf recht steil
abfallendem Boden gebaut hätte. An dem derzeit untersuchten
Bereich fällt die Brandschicht zur Innenfläche hin
sogar
weiter
ab. Sie müsste also sehr bald sehr steil ansteigen, wenn das
der
Fall ist. Wir werden sehen.
Fragen kostet nichts. So sagt man. Man darf nicht enttäuscht
sein,
keine Antworten zu erhalten. Und für die Ausgräberei
gilt:
Man erhält oft Antworten auf Fragen, die man vorher garnicht
gestellt hat. Und man erhält nie alle Antworten, die man sich
wünscht.
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Aha!
Inzwischen sind wir sogar im Rahmen einer "Naturerlebnisroute"
ausgeschildert. Das Schild steht an dem Weg, der beim Friedhof
von Isingerode auf die Hochfläche und dann weiter Richtung
Hornburg führt. Um zu unserer Ausgrabung zu gelangen, muss man
den nächsten Weg rechts nehmen, der nach einem kurzen Haken
Richtung Süden führt. Allerdings ist dort in den
kommenden drei, vier Wochen zunächsteinmal garnichts mehr zu
sehen. Vielleicht hat ja irgendwann, wenn unser Projekt abgeschlossen
ist, jemand in der Geimeinde die Idee, nahe der Rastbank eine
Schautafel mit Informationen zur "Isiburg" fest zu installieren. Die
Inhalte stellen wir sicher gerne zur Verfügung.
→
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nächsten Folge
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