Der Burgwall von Neuwallmoden
Feldbegehung der Freunde der Archäologie an einer undatierten Befestigung
(25.10.2009)


Oberhalb des Ortes Neuwallmoden (Landkreis Goslar) befinden sich Reste einer alten Wallanlage. Zu dieser gibt es keine historische Überlieferung. Auch sind keinerlei datierbare Altfunde bekannt.

Der Pionier der Vorgeschichtsforschung im Braunschweiger Land Theodor Voges beschrieb sie knapp in einem kurzen Aufsatz über vorgeschichtliche Befestigungen 1898 und darauf wurde sie auch von Karl Steinacker in den “Bau- und Kunstdenkmälern” 1910 erwähnt. Die beiden Texte sind hier als Abbildung wiedergegeben.

In Steinackers Verweis auf das Braunschweigische Magazin ist natürlich ein Druckfehler. Es muss nicht 1895, sondern 1898 heißen.

Seitdem, so scheint es, hat sich weder die Bodendenkmalpflege noch sonst jemand mit diesem mutmaßlichen Burgwall beschäftigt. Bei den Freunden der Archäologie im Braunschweiger Land kam in den vergangenen Jahren die Idee auf, es könnte sich vielleicht ja um eine Anlage aus der jüngeren Bronze- oder frühen Eisenzeit handeln. Auf dieser Epoche liegt der Schwerpunkt der praktischen Arbeit des Vereins, der unter Leitung des Archäologen des Braunschweigischen Landesmuseums Wolf-Dieter Steinmetz bereits Ausgrabungen an der Hünenburg am Heeseberg durchführte und derzeit am Burgwall von Isingerode ausgräbt. An beiden Plätzen konnten Befestigungsanlagen der jüngeren Bronze-/ frühen Eisenzeit nachgewiesen werden. Soweit ich erinnere, machte Wolfram Klingbeil auf Neuwallmoden aufmerksam. Die Möglichkeit, hier eine Anlage der entsprechenden Epoche finden zu können, wurde in der Schrift zu den Ausgrabungen in Isingerode 2006-2008 von Wolf-Dieter Steinmetz erwogen (Literaturangabe siehe unten). Grundlage für diese Annahme ist bisher lediglich die Geländesituation. Wie bereits erwähnt: Keinerlei Altfunde von der Wallanlage oder aus ihrem Umfeld weisen bisher auf diese Zeitstellung hin. Aber auch für jede andere Datierung fehlen Funde. Alternativ ist am ehesten eine frühmittelalterliche Entstehung des Walles anzunehmen. Die hochmittelalterliche Burg von Neuwallmoden lag an anderer Stelle.

Wolf-Dieter Steinmetz entschloss sich nun, mit seiner Auxiliartruppe Prospektiosmaßnahmen an der “Reitbahn”, dem undatierten Burgwall durchzuführen, nachdem Archäologiefreund Hugo Mellenthin den Kontakt zum Grundeigentümer Herrn Sperling vermittelt hatte und dieser sich sehr aufgeschlossen zeigte.
Dank an Wolfram, Hugo und Herrn Sperling!

Die Feldbegehung:

Eine allererste Prospektionsmaßnahme ist immer eine Geländebegehung. Nun. Einige Freunde der Archäologie hatten sich den Ort schon angesehen. Natürlich auch unser Archäologe Wolf-Dieter. Ich selbst war im Dezember 2008 mit meiner Tochter Jojo dort spazieren. Der Platz ist ideal für eine Befestigungsanlage, die das Neiletal überwacht - in welcher Epoche auch immer. (Foto unten: Blick nach Süden)


Um aber nähere Aussagen treffen zu können, sollte nun eine systematische Feldbegehung durchgeführt werden, mit dem Ziel, Oberflächenfunde abzusammeln und so vielleicht Hinweise auf eine Datierung der Anlage zu gewinnen. Der Grundeigentümer stimmte dem Vorhaben zu. Die Feldbegehung wurde für den 25.10. angesetzt. Die Bedingungen waren annähernd ideal. Die Fläche war erst vor kurzem gepflügt worden, in den vergangenen Tagen hatte es geregnet, an dem Tag selbst aber blieb es trocken. Neun erfahrene Grabungshelfer der Freunde der Archäologie hatten sich eingefunden: Achim und Achim, Angelika, Bärbel, Harald, Lothar, Michael, Reinhard und Uwe. Die Leitung hatte natürlich unser Archäologe Wolf-Dieter. Und auch der Grundeigentümer Herr Sperling kam, um zu sehen, was wir so über seinen Acker herausfinden würden.

Die Funde:

Abgesammelt werden sollten ALLE menschengemachten Objekte, gleich welcher Zeitstellung, sowie alle Stücke von Feuerstein, der hier geologisch als ortsfremd angesehen werden muss. Dabei hofften wir vor allem auf Keramikscherben, die anhand charakteristischer Merkmale in vor- oder frühgeschichtliche Zeit datierbar sein sollten.
Was war die Ausbeute? Im Inneren des Walles fand sich eine große Menge von Feuerstein. Einige Stücke davon waren offensichtlich bearbeitet und dürfen als “Werkzeuge” bzw. “Klingen” angesprochen werden (Foto rechts). Eine Datierung ist jedoch nicht möglich. Die betreffenden Objekte könnten sowohl steinzeitlicher, als auch früh-metallzeitlicher Herkunft sein. Die große Menge an Feuersteinfunden halten wir aber zunächst einmal als auffällig fest.
Bei den Keramikfunden handelt es sich größtenteils um neuzeitliche Scherben: Porzellan, Steingut, glasierte Ware und so weiter. Nur bei zwei oder drei Scherben kommt eventuell eine vorgeschichtliche Zeitstellung in Frage. Die neuzeitliche Keramik ist sicher durch Mistdüngung auf den Acker gelangt. Damit hat sich eine unserer Hoffnungen zerschlagen. Wir haben keine Hinweise auf die Zeitstellung des Walles durch Keramikfunde erlangen können.

Denke ich an unsere bisherigen befestigten Siedlungen der jüngeren Bronzezeit, dann ist das Bild dort wie folgt gewesen:
Die Hünenburg:
Die Innenfläche der Burg ist seit mehreren Jahren Brache. Da ist es mit Oberflächenfunden schwierig. Dort aber, wo südlich der Hünenburg Felder gepflügt werden, und wo seit der Jungsteinzeit bis in die Völkerwanderungszeit - inzwischen durch Ausgrabungen nachgewiesen - immer wieder gesiedelt wurde, findet man alle paar Schritt vor- oder frühgeschichtliche Scherben.
Isingerode:
Dort kann man viele Meter über die Äcker gehen, ohne etwas zu finden. Auf der beackerten Innenfläche des Walles findet man so gut wie nichts. Und unser Team verbringt dort seit vier Jahren fast jedes Wochenende. Im Bereich der Befestigungslinie werden aber regelmäßig Scherben nach oben gepflügt. Und außerhalb der Befestigung, auch noch 150 bis 200 Meter vor den Wällen gibt es hier und dort Stellen, wo erkennbar vorgeschichtliche Keramik an der Oberfläche liegt. Manchmal mit Merkmalen, die in die späte Bronzezeit/frühe Eisenzeit weisen. Wir werten das als Spuren einer Außensiedlung.
In Wallmoden:
Nichts Konkretes, nichteinmal Mittelalter. Und wir sind die Fläche in Meterabstand abgegangen, und jeder von uns weiß zur Genüge, wie vorgeschichtliche Scherben aussehen. Hunderte Mal bückten wir uns - und hatten doch immer wieder nur ein plattiges Stückchen Kalk- oder Sandstein in Händen, oder aber eine rot gebrannte, auf einer Seite glasierte, neuzeitliche Scherbe.

Zwei “sonstige Funde” möchte ich noch erwähnen. Nein, diesmal war kein halbes Hufeisen eines Ackergaules dabei. Wir fanden einen Legostein, den Herr Sperling als sein Eigentum identifizierte. Er habe in seiner Kindheit “überall” mit Lego gespielt, auch im Stall, und das Stück sei sicher irgendwann mit der Mistdüngung auf diesen Acker gekommen.
Das Highlight unter den Funden aber machte Harald auf der Fläche östlich des Walles, auch wenn es uns inhaltlich nicht weiter bringt. Es handelt sich um einen Pfennig des Deutschen Reiches, fast ohne Abnutzungsspuren, geprägt 1875. Sicher eine der ersten Münzen, die nach der Reichsgründung 1871 geprägt wurden. Ein sehr schöner Fund einer Feldbegehung, auch wenn uns ein “Nemausus-As” lieber gewesen wäre. (Ganz ehrlich: Ich bin ein alter Römer-Fan. Und in Anbetracht der spektakulären römischen Fundplätze, die in jüngster Zeit in Hedemünden und am Harzhorn entdeckt wurden, denkt man schonmal: Von Hedemünden und vom Harzhorn führt der Weg nach Norden wohin? Zum Neiledurchbruch bei Neuwallmoden. Oder auch nicht.)  

Fazit:

Die Feldbegehung in Wallmoden brachte nicht das erhoffte Ergebnis. Es gilt der erkenntnistheoretische Grundsatz: “Die Abwesenheit von Beweisen ist nicht der Beweis der Abwesenheit.” Wir sind nicht klüger geworden durch diese Aktion, und eine für uns interessante Datierung der Anlage in die Spätbronzezeit ist nicht wahrscheinlicher geworden. Wir haben aber auch keine anderen Datierungshinweise. Weitere Prospektionsmaßnahmen werden wir irgendwann durchführen. Denn auch, wenn die Anlage nicht in “unsere” Zeit fallen sollte, wollen wir es doch wissen. Ganz im Sinne von Voges, der 1898 zur “Reitbahn” von Wallmoden und anderen Wällen schrieb:
“ ...gleichviel aber, ob die Ringwälle nun vor- oder frühgeschichtlich oder mittelalterlich sind, so ist es unsere Pflicht, diese Burgen, die mit dem Leben unserer Vorfahren aufs Engste zusammenhingen, nach Möglichkeit zu schützen und zu erhalten.”
Und:
“Ausgrabungen müßten das Innere der Wälle erforschen, damit auch etwaige Steingeräthe, Knochen, Bronzesachen und vor Allem Topfscherben ihre Aussage machen können.”

Zumindest von Harald, Reinhard und mir weiß ich, dass wir - bei welchen Wanderungen auch immer - mal auf den Acker links und rechts des Weges schauen - und dabei auch mal ein bearbeitetes Stück Feuerstein, eine alte Scherbe oder ein Stück von einem Hufeisen finden. Für die Freunde der Archäologie war dies aber die erste systematische Feldbegehung. Trotz der inhaltlich geringen Ausbeute dieser Aktion werte ich sie als positive Erfahrung. Ich hoffe, dass wir in Zukunft noch Gelegenheit bekommen, gemeinsam den einen oder anderen Acker abzugehen. Und dabei denke ich zunächst natürlich an Flächen, die potentiell für den gesuchten bronzezeitlichen Friedhof von Isingerode in Frage kommen! 

Lothar Jungeblut


  • Theodor Voges: Beiträge zur Vorgeschichte des Landes Braunschweig - Vorgeschichtliche Befestigungen, in: Braunschweigisches Magazin 1898, S. 121-125 u. 133-134.
  • Karl Steinacker: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Gandersheim, Wolfenbüttel 1910, S. 134f.
  • Wolf Dieter Steinmetz: Die archäologischen Ausgrabungen am Burgwall von Isingerode 2006-2008 = Informationen und Berichte des Braunschweigischen Landesmuseums 2/2008, S. 36f.

→ Ausgrabung Isingerode (2009)

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