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Lothars kleines Grabungstagebuch 2008
Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode

Spaß muss sein...

Folge 15:  bis zum 26. Oktober

"Wenn man nichts anderes zu erzählen hat, redet man über das Wetter."
Nun. Für unsere Arbeit spielt das Wetter eine ziemlich entscheidende Rolle. Und an den vergangenen Oktoberwochenenden hatten wir unverschämtes Glück. Es blieb weitgehend trocken. Eine verregnete Woche würde im Wallbereich den Boden zum Teil in eine Schlammgrube verwandeln, in der man mehr zerstört als erkennt. Schwere Regenfälle könnten auch das frisch geputzte Westprofil in Mitleidenschaft ziehen, selbst wenn es abgeplant ist. Das ist eine leidvolle Erfahrung der vergangenen Jahre. Für die Dokumentation ist hier also Eile geboten! Letztendlich wird wie im vergangenen Jahr die Wetterentwicklung über das Ende der diesjährigen Kampagne entscheiden. Der Grabungsleiter erklärt scherzhaft: "Wir graben bis zum 24. Dezember mittags!" Im Grunde haben wir aber in diesem Jahr nur noch zwei Dinge zu erledigen, der Rest mag bis nächstes Jahr warten.

***

Der beste Befund der vergangenen Grabungstage ist die Pfostenkonstruktion in der Schnitterweiterung Wall/West. Inzwischen haben wir hier neun Pfosten in zwei Reihen (Foto links). In dieser deutlichkeit waren im alten Schnitt, soweit ich erinnere, keine Pfostenreihen erkennbar gewesen. Dazu werden wir die Dokumentationsfotos und -zeichnungen aus dem vergangenen Jahr nochmal unter die Lupe nehmen. Da es sich sicher um ein Konstruktionsmerkmal einer bestimmten (und zwar eher frühen) Wallbauphase handelt, dürften sich Spuren dieser Pfostenreihen umlaufend um den ganzen Wall erhalten haben.
Klar erkennbar sind die Pfostenreihen (Foto unten) auch im frisch geputzten Westprofil des alten Hauptschnittes. Bernd und ich haben hier die Putzarbeit am Samstag (25.10.) zuende gebracht.
Beim Betrachten unseres Ergebnisses meinten wir jedoch zu erkennen, dass es südlich vorgelagert (im Foto also links) eine dritte Pfostenreihe gibt. Diese wird von den jüngeren Schichten allerdings tiefer geschnitten, so dass sie wohl erst beim nächsten Abtrag in der Schnitterweiterung West erkennbar werden dürfte.
Ich rechne ganz fest damit, dass wir diese dritte Reihe noch bekommen.
Leider werden wir zur genauen Konstruktion des Walles keine sicheren Aussagen treffen können. Denn wie an vielen vorgeschichtlichen Fundplätzen, die über einen langen Zeitraum besiedelt waren, haben die jüngeren Bauphasen alles ehemals Obertägige der älteren Bauphasen weitgehend zerstört.

***

Das große Westprofil also ist fertig geputzt.  Als wichtigste Aufgabe bis zum Schluss der diesjährigen Kampagne bleibt die Dokumentation. Das Fotographieren des Profils ist allerdings nicht einfach. Eine Gesamtaufnahme ist selbstverständlich bei 25m Länge und geschätzt 6m Höhenunterschied vom tiefsten bis zum höchsten Punkt nicht sehr ergiebig. Auch verbietet sich eine rein fotographische Dokumentation. Schichtgrenzen in farblich kaum abgesetztem Material sind nur "mit der Nase am Profil" bzw. mit der Kelle in der Hand an ihrer unterschiedlichen Konsistenz erkennbar. Beim Putzen selbst bemerkt man auch dünne Trennschichten, die meist mehr Lehm enthalten.
Hier muss klassisch gezeichnet werden. Und wie versprochen werde ich für diese Webseite eine Skizze anfertigen.

→ Weiter zur nächsten Folge

...und immer wieder in neuem Licht: Der Brocken über Isingerode.

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