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Das lange Wochenende 03. bis 05. Oktober war überaus
ereignisreich. Wir hatten Besuch von zwei "externen" Spezialisten.
Durch Oberflächenfunde von Scherben wurde
unsere
Aufmerksamkeit auf die im Norden vor dem Burgwall liegenden
Ackerflächen gelenkt. Dank an Harald!
In den Boden
geschaut:
Geophysikalische Prospektion weiterer Flächen durch Dr. Thomas
Schenk
Wir verständigten Dr. Thomas Schenk (Berlin), der für
uns
bereits in den vergangenen Jahren Flächen geophysikalisch
prospektiert hatte - mit hervorragenden Ergebnissen (siehe
→
HIER) .
Nicht mit Supermanns Röntgenblick, sondern mit einem
Magnetometer
kann er im Boden verborgene Strukturen sichtbar machen. Auf diese Weise
lassen sich weitere Ausgrabungen zielgenau planen. Schon bevor man den
Spaten ansetzt, weiß man, wo mit archäologischen
Befunden zu
rechnen ist. Diese Methode gehört seit einigen Jahren
zum
Standart von Ausgrabungsplanungen. Am Freitag und Samstag wurde eine
Fläche von etwa anderthalb Hektar untersucht. Eine erste
Bildumsetzung der Meßwerte läßt uns
vermuten, dass
Siedlungsbefunde über die ganze Fläche streuen - und
vielleicht noch darüber hinaus. Mit größter
Spannung
erwarten wir nun die Detailauswertung. Es scheint, dass unsere Siedlung
erheblich größer war, als wir erwartet haben. Zu
unseren
Vorhaben für das nächste Jahr dürfte es
gehören,
eine oder mehrere der verdächtigen Stellen zu untersuchen.
Kleiner
Exkurs: Datierungsmethoden
(...aus gegebenem Anlass...)
Alle vorläufigen Datierungen von Befunden und Schichten in
Isingerode erfolgen bisher über die "klassische" Methode nach
für bestimmte Zeitstufen als charakteristisch geltenden
Keramikformen und -verzierungen. Mit einer Detailauswertung
kann so eine relative Datierung mit einer Genauigkeit von etwa
plus/minus zwei Generationen erreicht werden.
An unseren Funden klebt
keine Jahreszahl. Zukünftige Archäologen werden sich
vielleicht freuen, eine Konservendose mit eingeprägtem
Mindesthaltbarkeitsdatum zu finden. Damit könnten sie dann in
relativ engen Toleranzen datieren - wenn sie die Zahlen noch
verstehen...
Für eine Absolutdatierung von archäologischen Funden
stehen vier naturwissenschaftliche Methoden zur Verfügung.
Die genaueste davon ist die Dendrochronologie
(→Artikel
bei Wikipedia). Hierfür benötigt man aber
idealer Weise ein
Stück Eichenholz, an dem möglichst 75 Jahrringe
erhalten sind, wobei die Eiche nicht an einem "untypischen Standort"
gewachsen sein darf. Ich muss nicht weiter betonen, dass eher sehr
wenige archäologische Befunde soetwas liefern.
Die meist angewandte Methode ist heute die Radiokarbondatierung
(→Artikel
bei Wikipedia).
Material dafür findet sich in vielen Befunden.
Günstig ist
z.B. Holzkohle, und davon haben wir in den
Zerstörungshorizonten
in Isingerode wirklich kiloweise. Die Radiokarbon- bzw. 14C-Datierung
ist allerdings mit vielen Fehlerquellen
behaftet. Es ist nicht
so, wie manchmal in populärwissenschaftlichen Texten oder
Fernsehberichten vermittelt, dass man einem 14C Messwert ein genaues
historisches Datum zuordnen kann, ja nichtmal immer einen
einigermaßen engen Zeitraum. Besonders ungenau sind 14C
Datierungen für die Zeit zwischen grob 800 und 400 vor
Christus. Will sagen: Eine Probe aus der mittleren Eisenzeit kann
durchaus den gleichen 14C Messwert liefern, wie eine Probe aus der
späten Bronzezeit. Nach unserer Keramikdatierung
dürfte ein
großer Teil der Bautätigkeit in Isingerode in diesen
Zeitraum fallen. Bei unseren begrenzten finanziellen
Möglichkeiten lässt uns das zögern,
Geld für eine 14C-Datierung auszugeben.
Eine Datierung mit Hilfe der Thermoluminiszenzmethode
(→Artikel
bei Wikipedia) scheidet wegen der zu großen
Ungenauigkeit erst recht aus. (Und nachdem ich das Verfahren bei Frechen im
Archäologielandkatalog nochmal nachgelesen habe, vermute ich,
dass es annähernd unbezahlbar ist.)
Diese drei Datierungsmethoden werden auch in
Fansa/Both/Haßmann(Hrsg.):
ArchäologieLandNiedersachsen - 400 000 Jahre Geschichte, 2004,
S.97-114
vorgestellt.
Neu ist die Methode der Archäomagnetischen
Datierung.
Und damit sind wir von unserem kleinen Exkurs zurück bei den
Ereignissen des letzten Wochenendes. Die Entwicklung bzw.
Weiterentwicklung dieser Methode wird unter anderem von Frau Dr.
Elisabeth Schnepp betrieben.
Die Grundlage dieser Datierungsmethode findet sich auf der
Internetseite →www.archmag.de
in der Einleitung erklärt.
Frau Dr. Schnepp besuchte uns am Samstag, um die Brandlehmpackung (mit
Scherbenpflaster) am Rand des äußeren Grabens zu
beproben.
In der Mittagspause stellte sie dann erste Ergebnisse zu Proben vor,
die sie im vergangenen Jahr aus unserer "Brandschicht 2"/Wallinnenseite
genommen hatte. (Siehe →
HIER)
Soweit ich richtig verstanden habe, sieht es hier
folgendermaßen
aus: Die Messwerte treffen nicht ganz die Erwartungshaltung, bzw.
liegen nicht auf der derzeit benutzten Referenzkurve. Sie liegen aber
ähnlich wie die Messwerte von Proben aus der
jungbronzezeitlichen
Siedlung von Rodenkirchen bei Brake. Die entsprechenden Befunde stammen
nach 14C-Datierung aus dem 10. JH v.Chr..
Es entwickelte sich eine angeregte Unterhaltung zwischen unserem Chef
Wolf-Dieter Steinmetz und Frau Dr. Schnepp über bestimmte
Probleme
der 14C-Datierung. Er hatte gerade in diesem Sommer mit Fachkollegen
über Vergleiche zwischen dem Fundgut aus Rodenkirchen und aus
Isingerode diskutiert.
Es scheint, als müsse man durch 14C ermittelte absolute
Datierungen für diese Epoche mit größter
Vorsicht
behandeln.
Meiner Meinung nach könnte es nun aber doch interessant sein,
unsere Befunde 14C datieren zu lassen. Vielleicht käme man
dadurch
sogar einem Fehler in der Interpretation von 14C Daten auf die Spur.
Die Absolutdatierungen für die späte Bronzezeit und
frühe Eisenzeit, genauso wie die Synchronisation der
verschiedenen
Chronologiesysteme ist noch mit einigen Unsicherheiten behaftet.
Verbessern kann man sie nur mit detailierter Untersuchung von
Fundplätzen wie Isingerode. Wir werden weiterhin unser Bestes
geben, um vielleicht ein klein wenig dazu beizutragen. Und
natürlich werden wir immer wieder gerne Frau Dr. Schnepp bei
uns
begrüßen, besonders, wenn sie Ergebnisse zu dem
Befund am
äußeren Graben hat, oder wenn wir auf einen neuen
zur
Beprobung geeigneten Befund stoßen.
***

Nachdem
ich den Freitag und Samstag mit dem Umspannen von Spurleinen
für die Magnetmessung verbracht hatte, konnte ich am Sonntag
mit dem Putzen des großen Westprofils beginnen. Mit der
Dokumentation dieses Profils, das an die zwanzig Meter lang und bis
fast vier Meter tief ist, werden wir die Arbeit in unserem alten
Schnitt abschließen. Danach wird er wieder
zugeschüttet. Für das Putzen benötige ich
wohl noch mindestens drei volle Ausgrabungstage. Da ich zumeist nur am
Sonntag auf der Grabung sein kann, wird mich das fast bis Ende der
Kampagne in Anspruch nehmen. Vorteil: An den Samstagen hat unser
Ausgrabungsleiter dann jeweils freie Bahn für die
Dokumentationsarbeit. Ich selbst werde versuchen, für diese
Webseite eine Übersichtsskizze vom großen Westprofil
zu zeichnen.
→
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