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Lothars kleines Grabungstagebuch 2008
Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode


Folge 13:  bis zum 5. Oktober

Am Wochenende 27./28. September wurde hauptsächlich im "Dreieck" Schnitterweiterung Wall/West und im Abschnitt Wallinnenseite weitergearbeitet. In beiden Abschnitten wird es noch nächstes Jahr weitergehen.
In der Schnitterweiterung Wall/West treten weiterhin Funde auf (z.B. Foto unten links), der Boden besteht jedoch bei Abtiefen auf ein Meter unter heutiger Oberfläche aus recht gleichförmigem Material.
Auf der Wallinnenseite haben wir es dagegen mit einer komplizierten Stratigraphie und Befundsituation zu tun (Foto unten Mitte). Am 28. hatten wir dabei zwei junge Helfer: meine Töchter Jasmin und Julia (Foto unten rechts). Fleißig haben sie für ihren Papa die Abraumeimer gefüllt.
Im Wall wird ein Profilsteg abgebaut. Hier können wir nochmals die Stratigrafie überprüfen.
Herausragende Funde oder Erkenntnisse brachte dieses Wochenende nicht, aber wir kamen ein gutes Stück voran.


Das lange Wochenende 03. bis 05. Oktober war überaus ereignisreich. Wir hatten Besuch von zwei "externen" Spezialisten.

Durch Oberflächenfunde von Scherben wurde unsere Aufmerksamkeit auf die im Norden vor dem Burgwall liegenden Ackerflächen gelenkt. Dank an Harald! 

In den Boden geschaut:
Geophysikalische Prospektion weiterer Flächen durch Dr. Thomas Schenk


Wir verständigten Dr. Thomas Schenk (Berlin), der für uns bereits in den vergangenen Jahren Flächen geophysikalisch prospektiert hatte - mit hervorragenden Ergebnissen (siehe → HIER) . Nicht mit Supermanns Röntgenblick, sondern mit einem Magnetometer kann er im Boden verborgene Strukturen sichtbar machen. Auf diese Weise lassen sich weitere Ausgrabungen zielgenau planen. Schon bevor man den Spaten ansetzt, weiß man, wo mit archäologischen Befunden zu rechnen ist. Diese Methode gehört seit einigen Jahren zum Standart von Ausgrabungsplanungen. Am Freitag und Samstag wurde eine Fläche von etwa anderthalb Hektar untersucht. Eine erste Bildumsetzung der Meßwerte läßt uns vermuten, dass Siedlungsbefunde über die ganze Fläche streuen - und vielleicht noch darüber hinaus. Mit größter Spannung erwarten wir nun die Detailauswertung. Es scheint, dass unsere Siedlung erheblich größer war, als wir erwartet haben. Zu unseren Vorhaben für das nächste Jahr dürfte es gehören, eine oder mehrere der verdächtigen Stellen zu untersuchen.

Kleiner Exkurs: Datierungsmethoden
(...aus gegebenem Anlass...)

Alle vorläufigen Datierungen von Befunden und Schichten in Isingerode erfolgen bisher über die "klassische" Methode nach für bestimmte Zeitstufen als charakteristisch geltenden Keramikformen und  -verzierungen. Mit einer Detailauswertung kann so eine relative Datierung mit einer Genauigkeit von etwa plus/minus zwei Generationen erreicht werden.
An unseren Funden klebt keine Jahreszahl. Zukünftige Archäologen werden sich vielleicht freuen, eine Konservendose mit eingeprägtem Mindesthaltbarkeitsdatum zu finden. Damit könnten sie dann in relativ engen Toleranzen datieren - wenn sie die Zahlen noch verstehen...
Für eine Absolutdatierung von archäologischen Funden stehen vier naturwissenschaftliche Methoden zur Verfügung.
Die genaueste davon ist die Dendrochronologie (→Artikel bei Wikipedia). Hierfür benötigt man aber idealer Weise ein Stück Eichenholz, an dem möglichst 75 Jahrringe erhalten sind, wobei die Eiche nicht an einem "untypischen Standort" gewachsen sein darf. Ich muss nicht weiter betonen, dass eher sehr wenige archäologische Befunde soetwas liefern.
Die meist angewandte Methode ist heute die Radiokarbondatierung (→Artikel bei Wikipedia). Material dafür findet sich in vielen Befunden. Günstig ist z.B. Holzkohle, und davon haben wir in den Zerstörungshorizonten in Isingerode wirklich kiloweise. Die Radiokarbon- bzw. 14C-Datierung ist allerdings mit vielen Fehlerquellen behaftet. Es ist nicht so, wie manchmal in populärwissenschaftlichen Texten oder Fernsehberichten vermittelt, dass man einem 14C Messwert ein genaues historisches Datum zuordnen kann, ja nichtmal immer einen einigermaßen engen Zeitraum. Besonders ungenau sind 14C Datierungen für die Zeit zwischen grob 800 und 400 vor Christus. Will sagen: Eine Probe aus der mittleren Eisenzeit kann durchaus den gleichen 14C Messwert liefern, wie eine Probe aus der späten Bronzezeit. Nach unserer Keramikdatierung dürfte ein großer Teil der Bautätigkeit in Isingerode in diesen Zeitraum fallen. Bei unseren begrenzten finanziellen Möglichkeiten lässt uns das zögern, Geld für eine 14C-Datierung auszugeben.
Eine Datierung mit Hilfe der Thermoluminiszenzmethode (→Artikel bei Wikipedia) scheidet wegen der zu großen Ungenauigkeit erst recht aus. (Und nachdem ich das Verfahren bei Frechen im Archäologielandkatalog nochmal nachgelesen habe, vermute ich, dass es annähernd unbezahlbar ist.)
Diese drei Datierungsmethoden werden auch in
Fansa/Both/Haßmann(Hrsg.): ArchäologieLandNiedersachsen - 400 000 Jahre Geschichte, 2004, S.97-114
vorgestellt.
Neu ist die Methode der Archäomagnetischen Datierung.

Und damit sind wir von unserem kleinen Exkurs zurück bei den Ereignissen des letzten Wochenendes. Die Entwicklung bzw. Weiterentwicklung dieser Methode wird unter anderem von Frau Dr. Elisabeth Schnepp betrieben. Die Grundlage dieser Datierungsmethode findet sich auf der Internetseite →www.archmag.de  in der Einleitung erklärt.  
Frau Dr. Schnepp besuchte uns am Samstag, um die Brandlehmpackung (mit Scherbenpflaster) am Rand des äußeren Grabens zu beproben. In der Mittagspause stellte sie dann erste Ergebnisse zu Proben vor, die sie im vergangenen Jahr aus unserer "Brandschicht 2"/Wallinnenseite genommen hatte. (Siehe → HIER)
Soweit ich richtig verstanden habe, sieht es hier folgendermaßen aus: Die Messwerte treffen nicht ganz die Erwartungshaltung, bzw. liegen nicht auf der derzeit benutzten Referenzkurve. Sie liegen aber ähnlich wie die Messwerte von Proben aus der jungbronzezeitlichen Siedlung von Rodenkirchen bei Brake. Die entsprechenden Befunde stammen nach 14C-Datierung aus dem 10. JH v.Chr..
Es entwickelte sich eine angeregte Unterhaltung zwischen unserem Chef Wolf-Dieter Steinmetz und Frau Dr. Schnepp über bestimmte Probleme der 14C-Datierung. Er hatte gerade in diesem Sommer mit Fachkollegen über Vergleiche zwischen dem Fundgut aus Rodenkirchen und aus Isingerode diskutiert.
Es scheint, als müsse man durch 14C ermittelte absolute Datierungen für diese Epoche mit größter Vorsicht behandeln.
Meiner Meinung nach könnte es nun aber doch interessant sein, unsere Befunde 14C datieren zu lassen. Vielleicht käme man dadurch sogar einem Fehler in der Interpretation von 14C Daten auf die Spur.  

Die Absolutdatierungen für die späte Bronzezeit und frühe Eisenzeit, genauso wie die Synchronisation der verschiedenen Chronologiesysteme ist noch mit einigen Unsicherheiten behaftet. Verbessern kann man sie nur mit detailierter Untersuchung von Fundplätzen wie Isingerode. Wir werden weiterhin unser Bestes geben, um vielleicht ein klein wenig dazu beizutragen. Und natürlich werden wir immer wieder gerne Frau Dr. Schnepp bei uns begrüßen, besonders, wenn sie Ergebnisse zu dem Befund am äußeren Graben hat, oder wenn wir auf einen neuen zur Beprobung geeigneten Befund stoßen.

***




Nachdem ich den Freitag und Samstag mit dem Umspannen von Spurleinen für die Magnetmessung verbracht hatte, konnte ich am Sonntag mit dem Putzen des großen Westprofils beginnen. Mit der Dokumentation dieses Profils, das an die zwanzig Meter lang und bis fast vier Meter tief ist, werden wir die Arbeit in unserem alten Schnitt abschließen. Danach wird er wieder zugeschüttet. Für das Putzen benötige ich wohl noch mindestens drei volle Ausgrabungstage. Da ich zumeist nur am Sonntag auf der Grabung sein kann, wird mich das fast bis Ende der Kampagne in Anspruch nehmen. Vorteil: An den Samstagen hat unser Ausgrabungsleiter dann jeweils freie Bahn für die Dokumentationsarbeit. Ich selbst werde versuchen, für diese Webseite eine Übersichtsskizze vom großen Westprofil zu zeichnen.


→ Weiter zur nächsten Folge

Es wird Herbst - und es wird früh dunkel...  Vier, fünf Wochenenden bleiben uns noch bis zum Ende der diesjährigen Kampagne.

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