Folge 12: DURCH!
Nach zweieinhalb Jahren haben wir nun endlich die Sohle
des Inneren Grabens in seiner tiefsten Ausbauphase erreicht: 3m75 unter
der heutigen Oberfläche! Der Ruhm, dieses Werk vollendet zu
haben, fällt allerdings nicht mir zu. Als ich am Donnerstag
den 18.09. die Plane anhob, um hier fertig zu werden, musste ich
feststellen, dass mir ein anderer zuvorgekommen war: Bernd Maul hatte
die Sache bereits am vorherigen Wochenende erledigt, an dem ich nicht
auf der Ausgrabung sein konnte. Sein tiefster Fund war leider nicht
eine verzierte Scherbe mit Rand und Schulter, sondern ein
Knochen.
Mir blieb nur, an den folgenden zwei Grabungstagen mehrere dutzend
Schubkarren archäologisch toten Kies abzufahren, um das Putzen
des großen Profils vorzubereiten. Damit werden wir alsbald
beginnen. Das wird nicht ganz einfach - sowohl das Putzen, als auch das
Zeichnen. Wir werden hier wohl in Fünfmeterabschnitten
vorgehen. Und wir brauchen ein, zwei lange Leitern. Ich freue mich
schon darauf!
Am Donnerstag, 18.09. hatten wir uns außer der Reihe mit
kleinem Team getroffen: Bärbel, Gisela, Harald, ich und
Wolf-Dieter Steinmetz. Während ich Kies schaufelte, arbeiteten
die anderen an der Schnitterweiterung Wall/West und an der
Wallinnenseite. Abgesehen von den Profilen werden wir nun hierhin
unseren Schwerpunkt legen. Beide Bereiche erwiesen sich als sehr
fundreich.
Am Samstag ging es mit großem Team weiter, den Sonntag musste
ich "aussetzen".
Ein paar
Beispielfunde:
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Aus dem Wall (West): Hier
fand Gisela
diese mit einer Reihe Fingernageleindrücken auf der
Gefäßschulter verzierte Scherbe. Sie passt gut in
das
bisherige Fundspektrum in diesem Abschnitt.
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Bärbel arbeitete
an der
Wallinnenseite und brachte diese Scherbe zurück ans
Tageslicht.
Sie trägt horizontale Riefen. Diese Verzierungsform ist bisher
in
nur wenigen Exemplaren (ich glaube ganze drei) vertreten - und die
stammen ausgerechnet vom anderen Ende des Schnittes, aus dem
äußeren Graben. Sie gilt als typisch
für die
späte Bronzezeit ab etwa 950 v. Chr., kann aber auch noch
später vorkommen.
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Reinhard fiel am Samstag
die Aufgabe
zu, das zweite (von oben) Steinpflaster im Wallbereich abzubauen. Unter
dem Pflaster fand er das oben gezeigte Stück. Die sehr stark
ausgeprägte Gefäßschulter sieht
für mich (als
Laien) doch nach einer für unsere Verhältnisse recht
frühen Form aus: Eher zwölftes/elftes Jahrhundert
vor, als
achtes. Aber ich bin noch nicht wirklich sicher in den
Gefäßformen, und ein Fachmann würde
vielleicht ja
sagen: Sooo charakteristisch ist die Form nicht, dass man sie
überhaupt datieren kann...
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Der
äußere Graben -
revisited
Die Arbeiten am äußeren Graben sind eigendlich
so
gut wie abgeschlossen. Michael befasste sich am Samstag (20.09.) mit
dem Putzen des Ostprofils. Aber das Bild, das sich dabei ergab, gibt
uns erneut zu denken. Nicht was den Graben als Graben angeht. Aber -
zumindest Michael und ich "wir zwo" waren uns da einig - was einen
bestimmten Befund im Randbereich des Grabens betrifft. Und auch unser
Chef denkt, dass man
hier nochmal eine kleine Fläche abdecken sollte. Ich
zeige mal ein Foto (noch nicht das ofizielle Dokumentationsfoto) und
erzähle dazu eine Geschichte (wie ich mir das so denke).

Irgendwann wurde die vorgeschichtliche Siedlung bei Isingerode mit
einem zusätzlichen Befestigungsgraben umgeben. Das wird nach
den Funden von der Sohle des Grabens in einer Übergangszeit zu
Beginn der Eisenzeit erfolgt sein, ganz grob vielleicht um 700 v. Chr..
Dieser Graben spricht m.E. für ein kurzzeitig
erhöhtes Schutzbedüfnis der Bevölkerung.
Nach Auskunft der Magnetbilder hatte er nur einen einzigen Durchlass.
(Den werden wir im nächsten oder
übernächsten Jahr ja vielleicht noch untersuchen.)
Nach einem nicht zu langen Zeitraum wurde der Graben als
Verteidigungswerk
nicht mehr benötigt. Die Bevölkerung begann, ihn mit
Siedlungsabfällen aller Art zu verfüllen. Am Rand des
ehemaligen Grabens, der nun nur noch eine Mulde ohne fortifikatorischen
Wert darstellte, wurde aus irgendeinem Grunde dann Platz
benötigt. Von hangaufwärts wurde teilweise eine
Kiesschicht über die Siedlungsabfälle planiert. Und
dann wurde hier eine Tätigkeit ausgeübt, die mit
Lehm, Feuer und Keramik zu tun hatte. Diese Keramik verweist grob in
die
ältere oder frühe Eisenzeit.
Ich möchte
vermuten, dass bei einer Detailauswertung herauskommt, dass sie doch
erkennbar jünger ist als die ältesten
Abfälle im Graben. Das bedeutet vielleicht zwei Generationen.
Zugegebener Maßen habe ich keinen wirklichen
Überblick über die mehreren tausend
Scherbenfunde aus dem äußeren Graben.
Die massive Brandlehmpackung, die in Zusammenhang mit
dem in → Folge 4
gezeigten Scherbenpflaster steht, setzt sich - genau wie
dieses Scherbenpflaster - über die bisherigen Schnittgrenzen
hinaus fort. Es sieht auch so aus, als ob sie sich in den
Bereich zwischen den Gräben erstreckt.
Es dürfte reizvoll sein, diese Brandlehmpackung und das mit
ihr verbundene Scherbenpflaster weiter freizulegen. Vielleicht
lässt sich eine Struktur erkennen, die Aufschluss
darüber gibt, was die frühen Eisenzeitler hier
getrieben haben. Meiner Meinung nach handelt es sich nicht um Spuren
von Zerstörung z.B. eines Gebäudes. Aber das
können wir natürlich besser beurteilen, wenn wir hier
noch ein wenig mehr aufdecken. Dummer Weise ist es gut
möglich, dass sich dieser Befund auch bis unter unsere
Abraumhalde erstreckt. Aber die wird sich ja irgendwann im kommenden
Jahr verschwinden, und dann kann man weitersehen.
→
Weiter zur nächsten Folge
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