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Lothars kleines Grabungstagebuch 2008
Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode



Folge 12: DURCH!

Nach zweieinhalb Jahren haben wir nun endlich die Sohle des Inneren Grabens in seiner tiefsten Ausbauphase erreicht: 3m75 unter der heutigen Oberfläche! Der Ruhm, dieses Werk vollendet zu haben, fällt allerdings nicht mir zu. Als ich am Donnerstag den 18.09. die Plane anhob, um hier fertig zu werden, musste ich feststellen, dass mir ein anderer zuvorgekommen war: Bernd Maul hatte die Sache bereits am vorherigen Wochenende erledigt, an dem ich nicht auf der Ausgrabung sein konnte. Sein tiefster Fund war leider nicht eine verzierte Scherbe mit Rand und Schulter, sondern ein Knochen. 
Mir blieb nur, an den folgenden zwei Grabungstagen mehrere dutzend Schubkarren archäologisch toten Kies abzufahren, um das Putzen des großen Profils vorzubereiten. Damit werden wir alsbald beginnen. Das wird nicht ganz einfach - sowohl das Putzen, als auch das Zeichnen. Wir werden hier wohl in Fünfmeterabschnitten vorgehen. Und wir brauchen ein, zwei lange Leitern. Ich freue mich schon darauf!

Am Donnerstag, 18.09. hatten wir uns außer der Reihe mit kleinem Team getroffen: Bärbel, Gisela, Harald, ich und Wolf-Dieter Steinmetz. Während ich Kies schaufelte, arbeiteten die anderen an der Schnitterweiterung Wall/West und an der Wallinnenseite. Abgesehen von den Profilen werden wir nun hierhin unseren Schwerpunkt legen. Beide Bereiche erwiesen sich als sehr fundreich.
Am Samstag ging es mit großem Team weiter, den Sonntag musste ich "aussetzen".

Ein paar Beispielfunde:

Aus dem Wall (West): Hier fand Gisela diese mit einer Reihe Fingernageleindrücken auf der Gefäßschulter verzierte Scherbe. Sie passt gut in das bisherige Fundspektrum in diesem Abschnitt. 







Bärbel arbeitete an der Wallinnenseite und brachte diese Scherbe zurück ans Tageslicht. Sie trägt horizontale Riefen. Diese Verzierungsform ist bisher in nur wenigen Exemplaren (ich glaube ganze drei) vertreten - und die stammen ausgerechnet vom anderen Ende des Schnittes, aus dem äußeren Graben. Sie gilt als typisch für die späte Bronzezeit ab etwa 950 v. Chr., kann aber auch noch später vorkommen.   


Reinhard fiel am Samstag die Aufgabe zu, das zweite (von oben) Steinpflaster im Wallbereich abzubauen. Unter dem Pflaster fand er das oben gezeigte Stück. Die sehr stark ausgeprägte Gefäßschulter sieht für mich (als Laien) doch nach einer für unsere Verhältnisse recht frühen Form aus: Eher zwölftes/elftes Jahrhundert vor, als achtes. Aber ich bin noch nicht wirklich sicher in den Gefäßformen, und ein Fachmann würde vielleicht ja sagen: Sooo charakteristisch ist die Form nicht, dass man sie überhaupt  datieren kann...

***

Der äußere Graben - revisited

Die Arbeiten am äußeren Graben sind eigendlich so gut wie abgeschlossen. Michael befasste sich am Samstag (20.09.) mit dem Putzen des Ostprofils. Aber das Bild, das sich dabei ergab, gibt uns erneut zu denken. Nicht was den Graben als Graben angeht. Aber - zumindest Michael und ich "wir zwo" waren uns da einig - was einen bestimmten Befund im Randbereich des Grabens betrifft. Und auch unser Chef denkt, dass man hier nochmal eine kleine Fläche abdecken sollte. Ich zeige mal ein Foto (noch nicht das ofizielle Dokumentationsfoto) und erzähle dazu eine Geschichte (wie ich mir das so denke).

Irgendwann wurde die vorgeschichtliche Siedlung bei Isingerode mit einem zusätzlichen Befestigungsgraben umgeben. Das wird nach den Funden von der Sohle des Grabens in einer Übergangszeit zu Beginn der Eisenzeit erfolgt sein, ganz grob vielleicht um 700 v. Chr.. Dieser Graben spricht m.E. für ein kurzzeitig erhöhtes Schutzbedüfnis der Bevölkerung. Nach Auskunft der Magnetbilder hatte er nur einen einzigen Durchlass. (Den werden wir im nächsten oder übernächsten Jahr ja vielleicht noch untersuchen.) Nach einem nicht zu langen Zeitraum wurde der Graben als Verteidigungswerk nicht mehr benötigt. Die Bevölkerung begann, ihn mit Siedlungsabfällen aller Art zu verfüllen. Am Rand des ehemaligen Grabens, der nun nur noch eine Mulde ohne fortifikatorischen Wert darstellte, wurde aus irgendeinem Grunde dann Platz benötigt. Von hangaufwärts wurde teilweise eine Kiesschicht über die Siedlungsabfälle planiert. Und dann wurde hier eine Tätigkeit ausgeübt, die mit Lehm, Feuer und Keramik zu tun hatte. Diese Keramik verweist grob in die ältere oder frühe Eisenzeit.

Ich möchte vermuten, dass bei einer Detailauswertung herauskommt, dass sie doch erkennbar jünger ist als die ältesten Abfälle im Graben. Das bedeutet vielleicht zwei Generationen. Zugegebener Maßen habe ich keinen wirklichen Überblick über die mehreren tausend Scherbenfunde aus dem äußeren Graben.

Die massive Brandlehmpackung, die in Zusammenhang mit dem in → Folge 4 gezeigten Scherbenpflaster steht, setzt sich - genau wie dieses Scherbenpflaster - über die bisherigen Schnittgrenzen hinaus fort. Es sieht auch so aus, als ob sie sich  in den Bereich zwischen den Gräben erstreckt. 

Es dürfte reizvoll sein, diese Brandlehmpackung und das mit ihr verbundene Scherbenpflaster weiter freizulegen. Vielleicht lässt sich eine Struktur erkennen, die Aufschluss darüber gibt, was die frühen Eisenzeitler hier getrieben haben. Meiner Meinung nach handelt es sich nicht um Spuren von Zerstörung z.B. eines Gebäudes. Aber das können wir natürlich besser beurteilen, wenn wir hier noch ein wenig mehr aufdecken. Dummer Weise ist es gut möglich, dass sich dieser Befund auch bis unter unsere Abraumhalde erstreckt. Aber die wird sich ja irgendwann im kommenden Jahr verschwinden, und dann kann man weitersehen.

→ Weiter zur nächsten Folge

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