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Lothars kleines Grabungstagebuch 2008
Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode

Ausgrabungen im Ausgust: 

Schon ist der August vorbei. Wir sind an den vergangenen Wochenenden nicht untätig gewesen, aber wo fange ich mit meiner Zusammenfassung an?
Mit einem Dank an Rebekka. Die siebzehnjährige Schülerin stieß in den letzten zwei Wochen der Schulferien zu uns. Sie spielt mit dem Gedanken, vielleicht später einmal Archäologie zu studieren. Ich hoffe, dass ihr die Arbeit in Isingerode genausoviel Freude gemacht hat wie uns, und ihr Interesse an der Archäologie gestärkt hat. Und vielleicht auch an der heimischen Ur- und Frühgeschichte.

Foto oben links: Putzen des Profils im "Großen Graben".
Foto oben Mitte: Man kann hier auch was finden! Wandscherbe mit Fingerkniffverzierung aus dem äußeren Graben.

Im äußeren Graben gibt es kaum Neues. Ich möchte es aber als Fortschritt werten, dass wir hier nun doch soetwas wie eine Schichtung in der Grabenverfüllung erkennen. Eine Detailauswertung der Keramik könnte ergeben, dass der Graben doch nicht so ganz schnell verfüllt wurde. Das bleibt abzuwarten. Wir gehen weiter davon aus, dass es sich bei diesem Graben um die jüngste Befestigungsphase handelt, sieht man von dem viel späteren "germanischen" Graben ab.

Der große bzw. innere Graben:
Die Ausbauphase des Grabens, die die "germanische" Keramik enthielt ("Großromstedter Horizont" - die Jahrzehnte um Christi Geburt), ist nun im Profil bis zur Sohle erfasst.
Foto oben rechts: Die Grabenverfüllung hebt sich durch anderen Austrocknungszustand sehr gut ab. Die Böschungen laufen spitz aufeinander zu. D.h.: Eigendlich gibt es gar keine Sohle, sondern eine Spitze. Ich hatte leider nur dieses Foto gefunden, auf dem gerade Achim vor der Spitze sitzt...
Außerhalb dieser Verfüllung wurden weiterhin keine Funde mit Merkmalen der genannten Zeit gemacht.
Etwas weiter nach Norden versetzt aber reicht der Graben scheinbar noch deutlich tiefer. Am 17.08. hatten wir hier eine Tiefe von 3m10 erreicht.

Foto rechts: Bernd mit Nivellierlatte. Die blaue Schnur ist von Schnittkante zu Schnittkante gespannt.
Foto unten: Im Planum ist bei 3m10 erkennbar, wo es tiefer nach unten geht. Hier treten auch weiterhin Funde auf.
Foto weiter unten: 3m30 Planum. Die Verfärbung wird etwas schmaler. Der Graben ist in dieser Tiefe nur noch - oder immernoch - knapp über zwei Meter breit. Der Streifen grob faustgroßer Steine in der Mitte des Bildes ist vermutlich natürlich entstanden. Größere  Steine, rollen, vom Regen freigespült, die Böschung hinunter und bilden solche Streifen. Dieses Phänomen kann man auch gut an unseren Abraumhalden beobachten.



Im Abtrag von 310 auf 330 fanden sich breit gestreut mehrere Scherben, die aber augenscheinlich alle zu demselben Gefäß gehören. Da wir hier die mächtigste Ausbauphase des großen Grabens vor uns haben, nach den "Regeln der Kunst" auch die jüngste vor der viel späteren germanischen, möchten wir sie natürlich auch datieren. 
(Probleme der Datierung von Gräben durch deren Verfüllung sind mir bewusst. Ich werde sie bei Gelegenheit auf diesen Seiten besonders anhand des äußeren Grabens und des "germanischen" Grabens erörtern.)
Die Reste des Topfes, die wir hier auf ca. 3m20 Tiefe gefunden haben, geben uns leider keine eindeutigen Hinweise. Die Keramik ist außen gerauht (nicht geschlickt - die Oberfläche ist sehr hart). Die Außenseite ist von dunkelbrauner bis rotbrauner Färbung. Innen ist das Gefäß schwarz und geglättet. Die Glättung bildet aber nicht eine gleichmäßige Oberfläche, sondern es sind horizontale, streifige Glättspuren von ca. 8mm Breite erkennbar. Der Rand des Gefäßes ist minimal verdickt und in regelmäßigen Abständen gekerbt.
Da kann man nur sagen: Viel Spaß bei chronologischen Überlegungen zur Typologie von Rauhtöpfen! Einige Forscher halten das für ein zweckloses Unterfangen. Ich grabe seit vier Jahren Rauhtopfscherben aus. Es gibt gewaltige Unterschiede. Aber wer hat die Zeit, das zu systematisieren? Zumindest bei einigen Formen kann man meiner Meinung nach Aussagen treffen wie "eher jüngere Bronzezeit" oder "eher ältere Eisenzeit". Ich werde mir das nochmal ansehen und versuchen mir vorzustellen, wie das Gefäß als Ganzes ausgesehen haben könnte. Dann kann man vielleicht noch etwas dazu sagen.


"Das Dreieck" - Schnitterweiterung Wall/West

Hier zeigte sich im Grunde ein ähnlicher Befund wie im angrenzenden Altschnitt. Unsere Hoffnungen waren andere! Mit mehr als 50cm höherer Erhaltung des Walles hofften wir auf zusätzliche Informationen. Die Keramik sieht bisher bei ein paar Dutzend Funden und kaum charakteristischen Stücken nach Endbronzezeit aus. Holzkohle ist vorhanden, bei Abtrag auf 60cm unter heutiger Oberfläche aber noch nicht massiv. Insgesamt waren wir etwas enttäuscht.
Dann aber fand Harald am 31.08. morgens ein sehr bemerkenswertes Objekt aus Knochen oder Horn. (Ich mag das nicht entscheiden.) Solche Objekte gelten als Pfeilspitzen.
Foto am Kopf dieser Seite ↑
Foto  links unten: Harald ist sichtlich stolz auf den "Fund des Tages".

Diese Pfeilspitze stammt gewissermaßen aus der Außenböschung des Walles. Ich weiß nicht, ob auch festgehalten wurde, in welcher Ausrichtung sie gefunden wurde. Da ich gerade zu meinem Privatvergnügen an einem kleinen Aufsatz mit dem Arbeitstitel "Kampf und Krieg in der ausgehenden Bronzezeit - Versuch über Aussagemöglichkeiten für das nördliche Harzvorland" arbeite, versetzte mich der Fund in große Begeisterung.
Nun war ich zufällig vormittags auch noch auf dem "Tag der offenen Ausgrabung" bei unserer Schwestergrabung Hünenburg am Heeseberg gewesen. Unter anderem waren dort die im Foto unten rechts zu sehenden Objekte ausgestellt, und ich hatte kurz mit dem Grabungsleiter Immo - Dr. Heske - spätbronzezeitliche Bewaffnung diskutiert.

Die These, dass nur eine kleine Elite mit Bronzewaffen ausgestattet war, vor allem auch mit bronzenen Schwertern, während die zahlreichere Gefolgschaft eher mit Waffen wie Pfeil und Bogen, Pfeile dabei mit Spitzen aus Flint, Knochen oder Horn kämpfte, halte ich für sehr plausibel.
Zwar gibt es auch einige wenige bronzene Pfeilspitzen aus Nord- und Mitteldeutschland. Diese sind jedoch noch viel seltener als Schwerter.


Von unserer Schwestergrabung auf der Hünenburg gäbe so manche spektakuläre Neuigkeit zu berichten, aber ich fühle mich nicht berufen, das hier zu tun. Sicher wird dies Eingang in die Bronzezeitausstellung finden, die - ursprünglich schon für diesen Sommer geplant - nun wohl im Dezember in Wolfenbüttel gezeigt wird. Bei den  jüngsten Ergebnissen der beiden Ausgrabung erweist es sich vielleicht sogar als vorteilhaft, dass die Ausstellung verschoben werden musste.
Foto unten: Immo Heske erläutert Siedlungsbefunde der Außensiedlung der Hünenburg.
Von einem Besucher gefragt, wie groß denn die Einwohnerzahl dieser Siedlung gewesen sei, gab er eine zögerliche Schätzung ab: Vielleicht um 400 Einwohner. Das ist arg tiefgestapelt! Wenn man bedenkt, dass sich die dichten Siedlungsbefunde für die größte Ausdehnung der Siedlung in Periode VI/früh noch bis 300 Meter vor der eigendlichen Burg erstrecken, kann man die Zahl auch ohne schlechtes Gewissen verdreifachen! Immo räumte später dann auch ein, hier eher etwas sehr knapp gerechnet zu haben... Aber ich wollte ja eigendlich nicht mehr dazu schreiben...

Zum Schluss noch einmal zurück nach Isingerode:
Zu dem bisher so interessanten und Fundreichen Abschnitt Wallinnenseite gibt es keine Neuigkeiten, auch wenn wir hier noch viel erwarten dürfen. Aber wir haben daran nur sporadisch weitergearbeitet, so wie es gerade die Zahl der Helfer erlaubte. An diesem Abschnitt werden wir sicher noch im kommenden Jahr sitzen. Für dieses Jahr konzentrieren wir uns darauf, die Arbeiten in den Gräben abzuschließen. 

Was macht  der Archäologe da so einsam auf dem Acker? Nächstes Mal gibt es etwas zu einer möglichen Außensiedlung in Isingerode  - vorsichtiger formuliert: Zu einem "Aktivitätsbereich" außerhalb der Burg.

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