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Folge 8:
Bis zur Pause:
Im Juli
gönnten wir uns eine Grabungspause. Die
Wochenenden davor waren vor allem von den Vorbereitungen für
den "Tag der offenen Ausgrabung" am 22. Juni und den Besuch der
"Archäologischen Kommission für Niedersachsen" (→
Webseite der AKNds)
am 21. Juni bestimmt. Unter anderem haben wir mit großem
Einsatz
das Westprofil im großen Graben auf 2m50
"heruntergeprügelt". Highlight war dabei der Fund eines
Pferdekiefers in der "germanischen" Grabenverfüllung.
Zu beiden Ereignissen wollten wir natürlich dem
Publikum
die Profile in einem Zustand präsentieren, in dem man die
Einfüllschichten im Graben und die Auftragsschichten im
Wallbereich möglichst gut erkennen kann. Dummer Weise gab es
unter
der Woche mehrfach heftige Sommergewitter, die uns die jeweils
halbfertige Putzarbeit wieder zunichte machten. Aber es ist dann doch
noch alles fertig geworden.
Ausgrabung
Isingerode in Wort und
Bild:
Anläßlich
der Jahrestagung der
Archäologischen
Komission, für die "unser" Museum in Wolfenbüttel
dieses Jahr
Gastgeber war, ist nun ein Heft in der Reihe "Informationen und
Berichte des Braunschweigischen Landesmuseums" erschienen. Auf 48
Seiten mit zum Teil farbigen Abbildungen stellt damit Wolf-Dieter
Steinmetz unsere bisherige Arbeit am Burgwall Isingerode vor. Das Heft
ist brandaktuell. Es berücksichtigt Funde bis Anfang Juni
2008.
Natürlich sind wir stolz auf unseren Teamchef, der
zweieinhalb Jahre Ausgrabung in Isingerode hier so
übersichtlich,
fachkundig und doch verständlich zusammenfasst, ebenso einen
Überblick über die Forschungsgeschichte bietet, wie
weitere
Perspektiven aufzeigt.
Das Heft kann im Haupthaus des Landesmuseums am
Burgplatz in
Braunschweig, in der Abteilung Ur- und Frühgeschichte in
Wolfenbüttel/Kanzleistraße oder auch bei einem
Besuch
unserer Ausgrabung kostengünstig erworben werden.
Wir ernteten viel Lob für unsere Arbeit. Das aber soll uns nur
Ansporn sein, sie fortzusetzen!
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Nach der
Pause:
Am 19. und 20. Juli ging es dann wieder munter ans
Werk.
"Die Pflicht ist fast
getan! - Es folgt die Kür." So unser Grabungsleiter an jenem
Wochenende. Will sagen: Wir kennen inzwischen in groben Zügen
die
Besiedlungsgeschichte dieses Platzes, können verschiedene
Befestigungsphasen unterscheiden und grob datieren. Wir haben
für
eine spätere Detailauswertung bereits eine gute Materialbasis
geschaffen. Natürlich bleibt eine ganze Reihe von Fragen
weiterhin offen, wir haben genügend Ansatzpunkte. Nur: Auch
die "Restpflicht" wird uns noch einiges an Schweiß kosten.
Dazu gehört in jedem Fall, unseren "großen Graben"
bis zur Sohle zu erfassen. Hierhin haben wir dann auch am ersten
Wochenende fast all unsere Kräfte geworfen. Bis zum 27. Juli
war zum Teil bereits eine Tiefe von 3 Meter unter heutiger
Oberfläche erreicht. Dabei traten weiterhin Funde auf. Gisela
fand in einem Bereich, der mutmaßlich der ältesten
Grabenverfüllung zuzurechnen ist, Scherben mit
senkrechten Kaneluren. Diese Verzierungsart ist üblich in der
jüngeren Bronzezeit bis etwa 1000 v. Chr., und wir
möchten dies als weiteren Beleg dafür werten, dass
die Siedlung schon zu dieser Zeit befestigt war. Leider habe ich selbst
diese Scherben noch nicht gesehen und entsprechend auch kein Foto davon.
Allerdings: Auch unser bisher schönster Fund, genannt
"Angelikas Sahneschüssel", trägt senkrechte
Kaneluren. (Zur
Erinnerung: HIER ist sie abgebildet.) Sie stammt aus
einer Schicht, die mit hoher Sicherheit erst in die Endbronzezeit (8.
JH v.Chr.) gehört. Das hat uns einiges Kopfzerbrechen
bereitet. Die Fundumstände sprechen eindeutig dagegen, dass
diese Schüssel als verlagertes, älteres Objekt in die
Schicht gelangt ist. Das Gesamtgefäß aber - und wir
haben es ja vollständig! - wirkt doch ungewöhnlich.
Nun hat Wolf-Dieter Steinmetz auf der Jahrestagung der
archäologischen Komission von einem Kollegen den Hinweis
erhalten, dass sich am Südharz diese Verzierungsform nach
neuerer Forschung sehr viel länger gehalten hat, als
üblicherweise angenommen. Er wird der Sache nachgehen.
Längerfristig scheint es eine lohnenswerte Aufgabe, eine
eigenständige Keramikchronologie für Isingerode zu
erstellen. Bis aber jemand diese zeitaufwändige Arbeit angeht,
beziehen wir uns mit der Einordnung unserer Keramik auf verwandte
Fundplätze, besonders auch auf die Hünenburg am
Heeseberg, deren Keramik Immo Heske in seiner Dissertation
systematisiert hat. Auch kann man für eine grobe Einordnung
gut einen Blick auf eine Typentafel der verwandten Lausitzer
Kultur werfen, im Internet z.B. auf Seite 326 (Tafel 52) bei Ingmar
Balfanz: Die ur- und frühgeschichtliche Besiedlung des Kreises
Riesa-Großenhain: http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/diss-online/03/07H057/prom.pdf
Inzwischen haben wir auch die Arbeit an einer Erweiterung des Schnittes
im Wallbereich nach Westen aufgenommen. Freundlicher Weise genehmigte
uns die Samtgemeinde, mit einer kleinen Fläche in das
Landschaftsschutzgebiet jenseits der Ackergrenze zu gehen. Hier hat
sich der Wall mit bis zu 70 cm mehr Höhe erhalten, und wir
versprechen uns an dieser Stelle die Möglichkeit zu
Beobachtungen, die wir auf dem Acker schlicht deshalb nicht mehr machen
können, weil die entsprechenden Schichten längst
abgepflügt sind.
Bevor wir zur "Kür" schreiten, zur
Überprüfung der eigendlichen
Siedlungsinnenfläche, oder zu den durch die geophysikalische
Prospektion erkannten Toranlagen und Befunden außerhalb der
Befestigung, auch der Suche nach einem Urnengräberfeld, gibt
es wohl für den Rest dieses Jahres noch genug zu tun in den
Bereichen "großer Graben", "Wallinnenseite" und
"Schnitterweiterung Wall/West".
→ zur
nächsten Folge
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