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Abschnitt
"Wallinnenseite":
Wie
in der vorigen Folge geschrieben, erwarten wir
nicht,
die Arbeiten hier in diesem Jahr abschließen zu
können.
Damit es aber mal vorangeht, haben Angelika, Ingrid, Martina, Reinhard,
Uwe und zeitweilig auch ich hier gearbeitet. Das Ergebnis ist ein
schönes Foto über Steinpflaster und Holzkohle.
Und ein ganz ungewöhnlicher Fund von Reinhard. (Manchmal sagen
wir
scherzhaft: Die Scherbe sucht den Ausgräber - nicht umgekehrt.
Und
Reinhard ist berüchtigt dafür, gute Funde zu machen.
Wenn in
einem Bereich nix Vernünftiges zu Tage kommt, gibt es auch mal
den
Spruch: "Setzt doch mal den Reinhard da hin!" Nebenbei putzt
er ein perfektes Planum...)

Die Scherbe, die er hier gefunden hat, weist stark
abgerundete
Bruchkanten auf. Dies ist ein Hinweis dafür, dass sie mehrfach
umgelagert wurde, gewissermaßen schon "alt" war, als sie an
die
Stelle ihres Fundes gelangte. Sie zeigt eine Knubbe und mehrere Reihen
einer Stichverzierung. Unser Chef Wolf-Dieter Steinmetz datiert sie
danach in die Jungsteinzeit. Dies ist der erste Fund, der uns anzeigt,
dass wohl mehr als tausend Jahre vor der ersten Befestigung schoneinmal
Menschen diesen Platz attraktiv fanden.
Schnitterweiterung
"Wall/West":
Hier gewinnt man den Eindruck, dass wir gerade in
der
relativ unergiebigen Wallmasse graben. Eine Scherbe, hier und da,
nichts Besonderes. Zu dem Fund einer Pfeilspitze am vergangenen
Wochenende sei nachgetragen: Sie ist vermutlich aus Geweih.
Bronzepfeilspitzen sind für unsere Zeit und Region die
absolute
Ausnahme. Im Museum in Wolfenbüttel gibt es nur eine einzige.
Bereits vor ein paar Wochen hatte Michael eine Pfeilspitze aus Geweih
im äußeren Graben gefunden, die ich leider immernoch
nicht
gesehen habe . Sie stammt damit aber aus dem Zusammenhang
"Siedlungsabfälle" und mag eher bei der Jagd benutzt worden
sein.
Die Spitze aus dem Wall könnte der Lage nach
tatsächlich auf
den Wall abschossen worden sein. Das sieht dann mehr
nach Kampf,
als nach Jagd aus.
Abschnitt
"Innerer Graben":
Bei 3m50 unter heutiger Oberfläche ist der
Graben
noch etwa 1m20 breit. Bernd und Werner haben hier am Samstag
gearbeitet, Scherben und einen Knochen gefunden. Am Sonntag
habe
ich mit dem Abtiefen auf 3m70 begonnen. Tiefster Fund war eine Scherbe
ohne charakteristische Merkmale bei 3m55. Hier sind wir bald "durch".
Dann folgt die Herkulesarbeit "Putzen des großen Profils".

Abschnitt
"Äußerer Graben":
Michael konnte am Sonntagabend vermelden, dass er in
"seinem" Graben den gewachsenen Boden erreicht hat. Hier bleibt nur
noch, dass Profil zu putzen und zu dokumentieren. Doch auch in
ungeputztem Zustand war nach unserer Auffassung gut zu erkennen, dass
die Siedlungsabfälle, mit denen der Graben systematisch
verfüllt wurde, von der Innenseite hineingekippt wurden. Die
Feststellung klingt banal - ist sie aber nicht. Der Graben muss an
dieser Stelle direkt von der Siedlung auf der Hochfläche aus
zugänglich gewesen sein. Das kann man als Indiz dafür
werten,
dass kein hoher Wall mehr bestand, und auch der innere Graben nicht
mehr sehr steil und tief gewesen ist. Warum die Abfälle aber
in
den äußeren Graben gekippt wurden, nicht in den
inneren,
obwohl der ja viel später noch zumindest so stark als Graben
erkennbar war, dass er neu ausgebaut wurde, ist natürlich eine
ungeklärte Frage. Über die Gräben wird noch
viel
nachzudenken sein. Vielleicht bringt uns auch die Untersuchung der
Torsituation im äußeren Graben da weiter -
nächstes
Jahr...
uuuuuuuuuuuuuuuuuund:

ISI 2
"Die Insel", "Das Loch da draußen", oder "Das Away-Team"
In Isingerode haben wir es zunächst mit einer
vorgeschichtlichen Befestigung zu tun. Aber auch im näheren
und weiteren Umfeld des Burgwalles rechnen wir mit
archäologischen Befunden. Auf den angrenzenden
Ackerflächen liegen hier und dort Scherben an der
Oberfläche. Das Magnetbild weist auf Fundstellen
außerhalb des Burgwalles hin, und nicht zuletzt konnten wir
auffällige Bewuchsmerkmale beobachten. Vielleicht hat es eine
Außensiedlung vor der Burg gegeben, und irgendwo muss sich
auch der Friedhof der Siedlung befunden haben.
In diesem Sommer stachen uns nun einige verdächtige Flecken im
Getreide auf dem Gegenhang südlich der Befestigung allzusehr
ins Auge. Diese waren sogar noch nach der Ernte erkennbar. Entsprechend
holten wir uns die Genehmigung vom Grundbesitzer Herrn Meyer ein, hier
in dem Zeitfenster zwischen Ernte und Aussaat eine kleine
Testfläche zu untersuchen. Unser Chef spazierte weit hinaus
aufs Feld, setzte einen Markierungspfahl an einer der (vielen)
verdächtigen Stellen, und los ging es. Schon nach dem Abtrag
der Pflugschicht zeigte sich, dass er direkt "ins Schwarze" getroffen
hatte. Scharfkantig zeichnete sich ein dunkler Befund im hellen Kies
ab, und aus dem Befund sprangen die Scherben nur so heraus.
Sehr schnell war einerseits klar, dass wir es mit einer
spätbronze- oder früheisenzeitlichen Grube zu tun
hatten, andererseits sah die Grube etwas anders aus, als erwartet, und
die Interpretation ist eher schwierig.
Wir hatten eine
ziemlich konkrete Erwartungshaltung. Wer unser
"Informationen und Berichte" Heft aufmerksam gelesen hat, wird unschwer
erkennen, welche.
Ich möchte hier grob beschreiben, was wir vorfanden -
Irrtümer vorbehalten! Ich
selbst war nicht an der Arbeit beteiligt, sondern spazierte
nur gelegentlich hinüber. Die kleine Auswahl an Fotos von
Funden am Ende des Textes ist daher eher zufällig.
Lage der Fundstelle:
Jenseits der Senke im Süden des Burgwalles, auf der
nächsten Hochfläche, etwa 150 Meter vom
äußeren Graben. (Das ist geschätzt. Die
gemessene Entfernung liegt mir nicht vor.)
Form des Befundes:
Rechteckig, ca.2m auf 1m20. Erhaltene Tiefe unter der
Pflugschicht ca. 65
cm. Die Wände sind senkrecht, der Boden der Grube aber ist
nicht flach, sondern bildet eine leichte Mulde.
Grubenfüllung:
Die dunkelgraue bis braune Grubenfüllung ist
annähernd frei von Kieseln und Steinen. Sie hebt sich deutlich
vom gelblich-hellen kiesel- und steindurchsetzten Boden der Umgebung
ab. Diese Umgebung ist fundfrei.
Funde:
Keramik, wenige Tierknochen
und große
Tierzähne (Rind?), Brandlehm, teilweise mit
Abdrücken von Rutengeflecht, Spuren von Holzkohle. Die Keramik
besteht aus
ungeordnet liegenden Scherben. Von m.E. mindestens vier
Gefäßen unterschiedlicher Typen liegt
ausreichend Material für eine Rekonstruktion der
Gefäßform vor. Darunter ist ein hoher Topf mit innenverziertem
Rand, einer Reihe Fingerkuppeneindrücke am Übergang
zum Hals. Unterhalb des Halses ist das Gefäß mit
senkrechten, langen Ritzlienien verziert. (Obere Reihe der Fotos
unten.) Weiterhin eine große Schale (möchte fast
sagen "Schüssel") mit wellenverziertem Rand und rauer
Oberfläche. (Fotos untere Reihe Mitte.) Es liegen
mehrere Scherben von dünnwandigen Gefäßen
(Schalen) mit gut geglätteter, orangefarbener
Oberfläche und ausladender Schulter vor. (Eine davon unten
links.) Da ich die Funde noch nicht zusammengesehen habe, mag ich nicht
entscheiden, ob es sich um ein oder zwei verschiedene
Gefäße handelt.
Nachtrag: Die Knochen vom Grund der Grube (Foto untere Reihe rechts)
machen auf mich den Eindruck, als wären sie bearbeitet. Das
ist aber ein Feld, mit dem ich mich nicht auskenne. Bin
gespannt, was die Osteologin dazu sagen wird.
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