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Lothars kleines Grabungstagebuch 2008
Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode


Folge 6: 25.05.2008:

Das war ein wirklich guter Sonntag! Nachdem wir an den vergangenen Wochenenden meist nur mit einer Handvoll Leute gearbeitet haben, war das Team heute mit 14 Ausgräbern sehr gut besetzt. Da ging es auch gleich besser voran.  Und auch ein kurzer Regenschauer am Nachmittag konnte uns nicht von der Arbeit abhalten.

Im äußeren Graben
gibt es - wie üblich - viele Funde, aber wenig Neuigkeiten. Am gestrigen Samstag soll Uwe hier einen besonderen Fund gemacht haben, eine ungewöhnlich verzierte Scherbe. Genaueres darüber war nicht in Erfahrung zu bringen. Werner hat versprochen, mir ein Foto davon zu mailen. Das werde ich hier dann nachtragen.

Im großen Graben
arbeiteten wir zu viert (Achim B., Bernd, Harald und ich) - und das ist natürlich etwas ganz anderes. Etwa ein Meter muss jetzt noch in der Schnitterweiterung abgetragen werden, dann geht's endlich in neue, unbekannte Tiefen weiter. Wieder waren die innere und die äußere Böschung des Grabens die Stellen, an denen vermehrt Funde auftraten.

Im Wallbereich sind es in der Schnitterweiterung nur noch etwa drei Abträge (60cm), dann sind wir hier auf dem "Gewachsenen". Damit werden wir diesen Abschnitt ersteinmal abhaken.
Bei dem aktuellen Abtrag wollten sich zunächst keine Funde mehr einstellen, und abends blickte ich schon skeptisch auf das Profil, und fragte mich, ob wir nicht bereits im natürlichen Boden wären. Aber dann fand Ingrid noch eine kleine, schwarze, interessant verzierte Scherbe (Foto rechts). Unter einer Reihe von Fingerkuppen(?)eindrücken ist der Ansatz von Kammstrich erkennbar. Eine ungewöhnliche Kombination: schwarz - geglättet - Fingerkuppeneindrücke - Kammstrich. Gerne würden wir dieser Scherbe chronologische Relevanz beimessen, da der Fund ja aus einer der ältesten Shichten stammt. Ich habe soetwas aber noch nicht gesehen. Und auch unser Chef mochte dazu aus dem Bauch heraus erstmal nichts sagen.



An der Innenseite des Walles holte Angelikas Kelle ein sehr schönes Objekt zurück ans Tageslicht - nachdem es geschätzt 2800 Jahre zwischen verkohlten Balken, Asche und Lehm gesteckt hatte. Wieder ist es der Zerstörungshorizont, der uns die am besten erhaltenen Funde liefert. Hier handelt sich um eine zur Hälfte erhaltene Schale von etwa 15cm Durchmesser von qualitätvoller, dünnwandiger und gut geglätteter Keramik. Rand bis Boden - das bedeutet, die halbe Schale ist genauso aussagekräftig wie eine ganze. Ob sie auch verziert ist, läßt sich allerdings noch nicht sagen. Denn sie zeigt viele Risse, und es ist zu befürchten, dass sie sich in hundert Einzelteile zerlegt, wenn wir jetzt versuchen, sie ohne weitere Vorsichtsmaßnahmen aufzunehmen. Irgendwie müßte man die Innenseite zunächst reinigen, dann die Einzelteile irgendwie aneinander fixieren. Vielleicht geht das mit einer Klebefolie oder Klebestreifen? Die müßten nur einerseits gut genug halten, andererseits möglichst ohne Rückstände wieder zu entfernen sein...

Auf dem Foto kommt das schöne Stück nicht gut zur Geltung. 





Nicht vergessen: Tag der offenen Ausgrabung am 22. Juni 2008

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