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Lothars kleines Grabungstagebuch 2008
Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode


→ Das 6. Grabungswochenende
→ Das 7. bis 9. Grabungswochenende
→ Internationaler Museumstag (Grabungspause)
→ Vorankündigung: Tag der offenen Ausgrabung 2008

Das 6. Grabungswochenende - 26. und 27.04.2008:

Dieses Wochenende verlief ohne die ganz großen Sensationen - besonders wenn man noch das wunderbare Scherbenpflaster vom letzten Wochenende vor Augen hat. Das Wetter war endlich durchgängig sonnig und warm - und da haben sich wohl mehrere Teammitglieder den ersten Sonnenbrand des Jahres geholt. Ich übrigens auch.
Insgesamt bin ich nicht ganz zufrieden mit dem Fortschritt der Arbeit. Am besten geht es derzeit im "Wallbereich" voran. Hier überprüfen wir ja mit einer Verbreiterung des Schnittes um einen Meter unsere bisherigen Auffassungen von der Stratigraphie (="Schichtfolge"). Das sieht alles sehr gut aus; will sagen: Wir sehen die Schichten wie erwartet, nur noch klarer als zuvor. Das zeigte sich auch an einigen Funden.
Die Scherbe links ist dem gleichen Gefäßtyp zuzuordnen, wie Funde, die wir vor anderthalb Jahren an anderer Stelle, aber in der gleichen Schicht gemacht haben. (Vergleiche → hier.) Wolf-Dieter Steinmetz konnte das von Samstag auf Sonntag in seinen Grabungsunterlagen prüfen. Nur die Randgestaltung ist anders.

Am schleppensten hingegen ist die Arbeit im "großen Graben" (Foto ganz oben). In der Schnittverbreiterung müssen wir noch etliche Kubikmeter fundarmer Grabenverfüllung abtragen. Funde gibt es vor allem an der Außen- und Innenböschung, aber an diesem Wochenende war das leider nur aussageloser Keramikbruch. (Achim Scheffler fand immerhin einen ungewöhnlichen Stein, bei dem es sich um einen Schleifstein handeln könnte.) Ja, ich denke, der große Graben ist der Quell meiner Unzufriedenheit. Seit zwei Jahren wünsche ich mir ein klares Grabenprofil bis zur Sohle - und das werden wir vielleicht erst in diesem Spätsommer haben.
Nach zwei Jahren kann man in den verschiedenen Abschnitten ja grob abschätzen, wann es wo spannend wird, an welchen Stellen wir Unklarheiten beseitigen und offene Fragen klären können. Und im Wallbereich ist das eben JETZT der Fall. In anderen Abschnitten müssen wir auf den Erweiterungsflächen ersteinmal "runter". Das "Runter" kann aber nicht mit der "groben Kelle" erfolgen, weil uns dann ein unerwarteter wichtiger Fund oder Befund entgehen könnte.

Das 7. bis 9. Grabungswochenende - Entwicklung bis zum 17.05.

Mit einem eher kleinem Team ging es an den folgenden Wochenenden weiter. Meist waren wir nur so fünf, sechs Leute. Ein Teil des Vereins befand sich auf Exkursion in Frankreich. Ironischer Weise besuchte uns in dieser Zeit (am 2. Mai) der archäologische Verein der französischen Partnerstadt von Wolfenbüttel - Sèvres - auf der Ausgrabung. Ich selbst war allerdings berufsbedingt nicht anwesend. 
Erkenntnisfortschritte gab es vor allem im Bereich der Wallstratigraphie. Viele Stunden hat unser Chef Wolf-Dieter Steinmetz das Profil meditiert und gezeichnet. Ich hatte noch keine Gelegenheit, einen Blick auf das Ergebnis zu werfen. An einigen Stellen ist es aber wohl etwas komplizierter. Verständlich: Die jüngeren Schichten kappen hier und dort die älteren, besonders an den Rändern. Dort wo die Schichten steil in den Graben abfallen, fließen z.B. zwei Brandschichten - scheinbar - zu einer zusammen.  
Im Abschnitt "Innenseite Wall" wurde ersteinmal, zum Teil bei bösen Bodenverhältnissen (betonhart), in den Erweiterungsflächen gearbeitet. Am 9. Grabungswochenende war hier dann endlich unser berüchtigter Zerstörungshorizont erreicht, und in der Verlängerung der Befunde aus der alten Fläche kam immer mehr Holzkohle ans Licht. Wir dürfen gespannt sein, was wir hier demnächst finden.

In der alten Fläche sind wir zunächst nicht tiefer gegangen. Am 12. (Pfingstmontag) machte ich mich daran, hier mal zu "putzen". Im vergangenen Spätherbst hatte sich die Fläche in eine Schlammkuhle verwandelt, in der nichts mehr erkennbar war. Nun aber musste ich feststellen, dass der Boden inzwischen so hart geworden war, dass ich ihn nur millimeterweise abkratzen konnte. Irgendwie ging es dann aber doch. Und die schräg in den Boden gehenden Schichten - Steinpflaster, lehmige Ascheschicht, Brandschicht, wieder Ascheschicht usw. - wurden gut erkennbar. Noch ein netter Fund am Abend: Eine Scherbe mit aufgesetzter, gekerbter Leiste. Ich war versöhnt.Das könnte gut zu der bisher angenommenen Datierung (Übergang jüngste Bronze-/ frühe Eisenzeit) passen. 
Das 9. Grabungswochenende war sehr kurz. Am 17. regnete es durchgängig, so dass das Team gegen 16 Uhr abbrach. Der Sonntag war grabungsfrei, denn:



Am 18.05. war Internationaler Museumstag , den wir im Museum in Wolfenbüttel begingen.
Tag der offenen Ausgrabung: 22. Juni 2008

Am Sonntag den 22. Juni werden wir wieder rund um den Grabungsschnitt unsere Funde und Erkenntnisse präsentieren. Unser Grabungsleiter wird bei Führungen in der Grabungsfläche erläutern, was wir hier wie herausgefunden haben. Die Teilnahme an einer solchen Führung sei jedem Interessierten sehr empfohlen. Denn das ungeübte Auge erkennt zunächsteinmal auf einer Ausgrabung wie der unseren nur ein großes Loch in der Erde. Mit den Erläuterungen durch den Fachmann aber wird dieses Loch fast zu einem Buch, aus dem man die Geschichte der Vorzeit lesen kann. Die Führungen werden voraussichtlich um 11 und um 15 Uhr stattfinden, aber das werde ich noch genauer ankündigen.
Natürlich wird es auch Erfrischungen und Stärkungen geben.

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