|
Lothars
kleines Grabungstagebuch 2008
Persönliche
Erlebnisberichte von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode
|
|
→ Das 4.
Grabungswochenende
→ Das 5.
Grabungswochenende
→ "Donnerstag ist
Waschtag!"
|
|
Das
4. Grabungswochenende - 12. und 13.04.2008 :

Da unser Ziel in der ersten Hälfte der
diesjährigen
Kampagne die Überprüfung und Präzisierung
unserer
bisherigen Ergebnisse ist, wird es nicht jedes Wochenende
große
Neuigkeiten zu berichten geben, auch wenn wir Schubkarre um Schubkarre
Erde bewegen und dabei diverse Funde machen. Für dieses
Wochenende
darum nur ein Foto mit einem
Blick über die Grabungsfläche, geschossen von der
ständig wachsenden Abraumhalde Nord, und den "Fund des Tages"
vom Samstag.
Dazu
haben wir diese Scherbe aus der Schnittverbreiterung im Wallbereich
gekürt (gefunden von Bärbel). Hier könnte es
sich erneut um ein Teil einer Lappenschale handeln. Der Fund ist unter
anderem dadurch interessant, dass er genau aus einer dünnen
Brandschicht stammt. Von der Oberfläche gerechnet ist dies die
dritte Brandschicht, die älteste von dreien, die nach
bisheriger Einschätzung in die Übergangszeit zwischen
Bronze- und Eisenzeit datieren. Der Fund passt in unser Bild.
Es wird wirklich Zeit, dass ich mal eine Profilskizze mache. Nur an den
Grabungstagen werde ich kaum dazu kommen. Ist ja nur mein
Privatvergnügen für diese Webseite. Die offizielle
und genaue Grabungsdokumentation ist natürlich beim
Grabungsleiter.
Was uns im bisherigen Schitt weiterhin fehlt, bevor wir in der zweiten
Jahreshälfte dann vielleicht aus dem Magnetbild bekannte
Torsituationen, Befunde außerhalb der Befestigung oder die
eigendliche Innenfläche der Siedlung angehen, sind
- Sohle der jüngerbronzezeitlichen und der
spätbronzezeitlichen Grabenausbauphase.
- die älteren Schichten auf der Wallinnenseite bis zum
gewachsenen Boden.
Das ist noch viel, viel Arbeit!
|
|
Das
5. Grabungswochenende - 19. und 20.04.2008:
An diesem Samstag gab es
eine Überraschung. Uwe legte bei der Erweiterung des
Schnittes im
äußeren Graben dicht unter der Pflugschicht ein
regelrechtes Scherbenpflaster frei. Das soll uns ein großes
Foto wert sein:
Rand-, Wand-
und
Bodenscherben liegen hier dicht an dicht; ja - ein Henkel und ein
Henkelansatz waren auch dabei.
Wie kommt soetwas zu Stande? Die ehrliche Antwort ist: Wir haben ein
halbes
Dutzend verschiedene Ideen - aber eigendlich keine Ahnung.
Möglich, dass hier jemand einfach eine
größere Ladung
unbrauchbar gewordener Töpfe mit einem Schwung entsorgt hat.
Möglich
auch, dass
es sich um die Entsorgung von Fehlbränden aus einer
Töpferwerkstatt handelt, das aber hält der
Grabungsleiter für unwahrscheinlich.
Abgesehen von der zunächst nicht zu klärenden Frage, warum
alle diese Scherben denn hier ein Scherbenpflaster bilden, sind sie in
jedem Fall für uns auf folgende Weise nützlich:
Die Scherben bzw. Gefäße sind mit Sicherheit alle
zum
gleichen Zeitpunkt in die Erde gelangt. Man kann sie entsprechend als
"geschlossenen Fund" betrachten. Schon beim zweiten Blick war
erkennbar, dass viele dieser Scherben aneinander passen. Es
dürften sich mehrere Gefäßprofile
vollständig
rekonstruieren lassen. Damit sollte eine Datierung möglich
werden. Und
diese
markiert für uns die Zeit, zu der die Verfüllung des
äußeren Grabens mehr oder weniger abgeschlossen
wurde.
Das Scherbenplaster wird kaum an der Grenze der
Erweiterungsfläche begonnen haben. Michael, der fast
durchgängig im vergangenen Jahr im äußeren
Graben gearbeitet hat, erinnert sich auch, dass hier schon ganz zu
Beginn eine große Scherbenkonzentration gefunden wurde.
Vermutlich ist sie aufgrund der Abtragstechnik nicht als
flächendeckend aufgefallen. Da die Funde des vergangenen
Jahres inzwischen nach Schicht und Quadrant sortiert
übersichtlich in einem Regal im Museum in
Wolfenbüttel lagern (siehe unten), wird es kein
Problem sein, die entsprechenden Scherben bei dem Versuch,
Gefäße zu rekonstruieren, dazuzunehmen.
Auf den ersten Blick waren keine Verzierungen auf den Scherben
erkennbar. Als ich aber am Sonntagabend die Grabung verließ,
war
unser Grabungsleiter gerade dabei, die Scherben aufzunehmen. Das alles
sieht doch sehr nach früher Eisenzeit aus, recht
spät, wenn man das Fundspektrum von Isingerode zusammensieht,
und die "Germanische Phase" ausblendet. Wenn die
Gefäße rekonstruiert sind dürften einige
davon kaum von den berüchtigten "Harpstädter
Rauhtöpfen" zu unterscheiden sein. Aber genau kann man das
natürlich so noch nicht sagen.
|
|
Abschweifende
Gedanken:
Vor zwei Jahren hatte ich mehrdeutig den Burgwall Isingerode als
"Festung im Grenzland" betitelt. Für die jüngere
Bronzezeit
scheint uns dieser Platz ein vorgeschobener Außenposten am
Rande
der "Saalemündungsgruppe".
Augenzwinkernd: In
jüngster
Vergangenheit verlief die innerdeutsche Grenze nicht weit von hier,
heute die Grenze zwischen den Bundesländern Niedersachsen uns
Sachsen-Anhalt.
In der Zeit um Christi Geburt befänden wir uns hier im
Grenzland zwischen Rhein-Weser Germanen jenseits der Oker und
Mittelelbgermanen ("Hermunduren"). Die Funde in Isingerode sprechen
für eine Zugehörigkeit zu den Mittelelbgermanen.
Und
für
die frühe Eisenzeit? Fassen wir mit den Funden aus dem
äußeren Graben, besonders auch mit "Uwes"
Scherbenpflaster
hier auch eine - doppelte - Grenzsituation? Einerseits glauben wir uns
hier im westlichen Randbereich der Hausurnenkultur. Aber vielleicht
wird hier in den Funden auch eine zeitliche, eine Epochengrenze
erkennbar, in der die Hausurnenkultur von Westen durch die
Nienburger
Gruppe (oder "Nienburg-Harpstädter-Kultur") "weg-assimiliert"
wurde. Sind die Funde aus den späten Verfüllschichten
des
äußeren Grabens noch von "Nienburgern" zu
unterscheiden?
Das macht den besonderen Reiz des Fundplatzes Isingerode für
die
Ur- und Frühgeschichtsforschung aus: Er verspricht, dass wir
hier
sehr viel über verschiedene vorgeschichtliche Epochen- und
Kulturgrenzen lernen können.
|
|
"Donnerstag
ist Waschtag!" - 24.04.2008
|
 |
 |
Donnerstags treffen sich gewöhnlich ein paar
"Freunde der Archäologie" im Museum in Wolfenbüttel,
um die Funde weiter aufzuarbeiten. Sie werden gewaschen, beschriftet,
sortiert. Besondere Fund wie z.B. verzierte Scherben werden mit der EDV
aufgenommen. Und schließlich schaut man, ob sich ob nicht
Scherben aneinanderpassen, so dass man zumindest
Gefäßprofile rekonstruieren kann. Diese Arbeit
leisten meist die Damen unseres Teams. Es sei ihnen besonders gedankt,
denn ohne die weitere Aufarbeitung wäre unsere ganze
Grabungstätigkeit annähernd wertlos.
Meist habe ich am Donnerstag frei, muss dafür
aber oft am
Samstag arbeiten. In Zukunft werde ich vielleicht deshalb
häufiger zur Donnerstastruppe stoßen. An diesem
Donnerstag wollte ich nun unbedingt sehen, was aus den Funden von "Uwes
Scherbenpflaster" geworden ist. Als ich eintraf, war erst ein Teil der
Funde gewaschen. Es kam meiner Neugier sehr entgegen, dass ich dann
damit betraut wurde, auch den Rest vom Dreck der Jahrtausende
zu befreien.
|
|
Ich versuchte dabei zu erkennen, was wie
zusammengehört, und bei einigen Stücken hatte ich
Glück.
Links und Mitte:
Anpassende Scnerben. Rechts: Sparrenmuster?
|
 |
|
|
 |
Links:
Der Boden eines Rauhtopfes.
Inzwischen sind fast alle Funde des vergangenen Jahres aufbereitet und
liegen für eine weitergehende Auswertung bereit. Aber es
kommen natürlich schon wieder neue Funde dazu.
***
→
weiter zum
nächsten Grabungswochenende
|
|
HOME
|
Rechtliches
|
Technisches
|
Vorgeschichte
|
Ausflüge
|
Kontakt
|