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Lothars kleines Grabungstagebuch 2008
Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode

03.04.2008:

Das dritte Grabungswochenende begann gewissermaßen bereits am Donnerstag. Die Samtgemeinde Schladen unterstützte uns mit einem Minibagger und einem erfahrenen Baggerführer, der für uns Teile der Abraumhalde umsetzte und auf Erweiterungsflächen die Pflugschicht abtrug. Grabungserfahrene Leser dieser Seiten werden sich vielleicht gewundert haben, warum unsere Abraumhalden so ungünstig nah am Schnitt liegen. Dies war der Vorgabe geschuldet, die Landwirtschaft möglichst wenig zu behindern und entsprechend mit dem kleinstmöglichen Raum auszukommen. 
Es war mir eine große Freude, mitzuerleben, wir präzise so ein Minibagger arbeiten kann. Besten Dank an die Samtgemeinde Schladen! Mit der Schaufel hätten wir für diese Arbeit mehrere Tage gebraucht.

Eine für uns sehr wichtige Erweiterungsfläche konnte der Bagger jedoch noch nicht vorbereiten, da diese - wenn auch nur um wenige Quadratmeter - in das angrenzende Landschaftsschutzgebiet eingreift. Dort hat sich die auf dem Acker bereits abgepflügte Wallmasse noch bis 70 cm höher erhalten. Wir könnten Erkenntnisse über den Wallaufbau gewinnen, die uns auf dem Acker nicht möglich sind. Aber der Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet bedarf einer gesonderten Genehmigung, die leider noch nicht vorliegt. Hoffentlich können sich die zuständigen Entscheidungsträger bald zu der Genehmigung durchringen, denn das ist wirklich, wirklich wichtig für uns. Und schon ein Jahr nach der Verfüllung des Schnittes hätte sich die Natur die kleine Fläche (ca. 25 Quadratmeter) zurückgeholt.

05. und 06.04.2008:

Am folgenden Samstag regnete es fast ununterbrochen. Wir ließen uns dadurch nicht von der Arbeit abhalten. Erst recht nicht, da uns zwei freudige Ereignisse aufmunterten. 

Das erste davon hat freilich wenig mit unserem Ausgrabungsprojekt zu tun. Aber die ehrenamtlichen Helfer unseres Ausgrabungsteams sind nicht nur "Freunde der Archäologie", sondern auch untereinander inzwischen mehr als kameradschaftlich verbunden. Wir sind eine bunte Truppe mit unterschiedlichstem beruflichen Hintergrund. Auch das ist ein Reiz unserer Gemeinschaft. Ja - und jetzt haben wir in unseren Reihen einen leibhaftigen Professor für "Geophysik und extraterrestrische Physik". In der Mittagspause konnten wir auf Achim Blocks Ernennung zum Honorarprofessor das Glas erheben.



 

Das zweite freudige Ereignis verdanken wir einerseits der Familie Schramm, andererseits dem THW Wolfenbüttel (und hier besonders Holger Steinmetz). Es handelt sich um unser neues "Basislager", einen überaus geräumigen Bauwagen. Zusammen mit der "Bergstation" - dem bunten Wohnwagen - ist der Verlust unseres alten Bauwagen damit mehr als ausgeglichen - wenn auch nicht der Verlust seines Inhalts.

***

Am Sonntag wurde bei besserem Wetter und mit etwas größerem Team in allen Abschnitten weitergearbeitet. Der Fortschritt der Arbeiten sei hier durch ein Foto aus dem Bereich "Wallinnenseite" verdeutlicht, wo das mehrere Meter breite Steinpflaster, das den Wall begleitet, sehr schön erkennbar ist. An einigen Stellen ist es allerdings bereits abgetragen, da wir normalerweise nach der Methode der Abstichgrabung vorgehen. Bei dieser werden jeweils gleichstarke Schichten abgetragen. In unserem Fall sind das entweder zehn oder zwanzig Zentimeter. An der Innenseite des Walles werden wir nun vielleicht zum Teil zur Methode der Schichtgrabung übergehen. Gerade in diesem Bereich bietet es sich an, zunächst die Erde bis auf Brandschicht abzutragen, dann bis auf das Steinpflaster - und dann bis auf die nächste Brandschicht darunter.

Ich bin mir beim Schreiben vorm Computer jetzt nicht hundertprozentig sicher und habe gerade kein Foto des Profils im Wallbereich vor mir, glaube aber zu erinnern, dass darunter erneut ein Steinpflaster folgt.  
Mein fester Vorsatz sollte sein, malwieder eine Profilskizze für diese Webseite nach unserem aktuellen Stand anzufertigen.

***

...und immer wieder fällt der Blick auf den Brocken, der am Horizont über unserem Schnitt thront. Auch vor dreitausend Jahren saß er dort schon, blickte auf die Bewohner des Burgwalles von Isingerode herab, und sie blickten zu ihm empor.  Unveränderlich seit Jahrtausenden zeigt er jedoch jeden Tag ein anderes Gesicht. Die Rauchfahne, die westlich des Gipfels aufsteigt, stammt wohl von der Brockenbahn.  - Die gab es damals freilich noch nicht.

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