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Folge 2 |
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Lothars
kleines Grabungstagebuch 2008 |
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Das
2. Grabungswochenende - 29. und 30.03.2008:
Es war ein wunderbar sonniges Wochenende und mit neun bzw. zehn Helfern plus Chef gingen die Arbeiten ein ganzes Stück voran. Auch konnten wir eine ganze Reihe interessanter Funde machen, von denen ich hier ein paar vorstellen möchte. Für Leser, die weniger vertraut mit unserer Arbeit sind, sei vorausgeschickt: Kein Fund, den wir bisher in Isingerode gemacht haben hat irgendeinen materiellen Wert. Und wir erwarten das auch für die Zukunft nicht. Der Wert eines Fundes erwächst aus den Informationen, die sich aus ihm gewinnen lassen. Dabei ist der Informationsgehalt des Objektes für sich allein meist gering. Erst durch die Verknüpfung mit weiteren Informationen wie der genauen Lage des Fundes und damit der Zugehörigkeit zu einer Struktur ("Befund") oder Schicht kann er für uns dann wertvoll werden. |
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Eine sehr schöne Feuersteinklinge fand Uwe beim
Abbau
eines nicht mehr benötigten Zwischenprofilstegs im
Wallbereich.
Meiner Erinnerung nach ist es das schönste Feuersteinobjekt,
das wir hier bisher gefunden haben. |
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In der späten Bronzezeit hat es nach einer verbreiteten Forschungsmeinung auch empfindliche Störungen in der Bronzeversorgung gegeben. |
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Ebenfalls aus dem Wallbereich stammt diese von
Bärbel gefundene Scherbe mit einem Rautenmuster. In meiner
Handbibliothek konnte ich auf die Schnelle nichts Vergleichbares
finden. Wenn unsere bisherige Grobdatierung der Schichten an der
Wallinnenseite stimmt, sollte das irgendwo ins 8. Jahrhundert v.Chr.
gehören. Nach Ansicht des Grabungsleiters mag das so auch
hinkommen. Ich habe das Stück hier mit aufgenommen,
weil ich die Sorgfalt und Regelmäßigkeit,
mit der das Muster angebracht ist, bewundere. |
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Im inneren Graben arbeiteten Achim Scheffler und ich an der Schnittverbreiterung. Diese haben wir an zwei Wochenenden immerhin bis auf 60 cm Tiefe abgetragen, viel Erde bewegt, aber wenig gefunden. Zum Teil arbeiteten wir ja auch noch in neuzeitlicher Verfüllung. Ältere Bewohner von Isingerode hatten mehrfach erwähnt, dass in ihrer Kindheit Wall und Graben noch erkennbar waren. Kein Wunder also, dass wir in einer Tiefe, in der man an der Wallinnenseite schon voll in den endbronzezeitlichen Befunden steckt, bei uns noch Braunglasscherben und eiserne Muttern auftreten. Allerdings schneiden wir an der Innen- und Außenböschung schon alte Schichten. An der Außenböschung fand Achim nun eine sehr ungewöhnlich geformte Scherbe. Nach der Betrachtung von allen Seiten, kann dieses Stück nach Profil und Wölbung eigendlich nur zu einem ganz bestimmten Gefäßtyp gehören, nämlich zu einer sogenannten "Situla". (Der Begriff wird in ganz anderen kulturellen Zusammenhängen auch für reliefverzierte Bronzeeimer verwendet. Diese sind hier nicht gemeint.) |
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Links zu sehen ist die Zeichnung einer solche Situla. |
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Es sind also ganz typische germanische Gefäße der Zeit um Christi Geburt. Keramik dieser Zeitstellung haben wir bisher bei unserer Ausgrabung nur in einem ganz bestimmten Abschnitt gefunden, in einer Verfüllschicht des inneren Grabens, die an der Außenböschung ansetzt, bis in 2m50 Tiefe steil abfällt, aber dann etwa in der Mitte des Grabens an die Oberfläche kommt. Ja - und genau vom Ansatz dieser Schicht nun stammt dieser Fund. Das passt sehr gut. |
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Der äußere Graben ist
der Abschnitt, der bisher bei weitem die meisten Funde erbrachte. Ich
schätze mal: Auf etwa 10 Kubikmeter Grabenfüllung
kamen über zweitausend Keramikfunde. Ein guter Teil davon
hatte datierbare Merkmale, die fast ausschließlich in die
ältere Eisenzeit verweisen. Bei Restarbeiten an den Profilen
und der Sohle fanden sich nun noch drei "Ausreißer". |
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Für die Zeit um 900 vor Chr. gilt es als
charakteristisch, dass Gefäße auf der Schulter mit
horizontalen Riefen versehen werden. In einer Tabelle zur Chronologie
der Lausitzer Kultur, deren Keramik eng verwandt mit unserer
"Saalemündungsgruppe" ist, markiert Puttkammer die Zeit der
"waagerecht gerieften Keramik" von etwa 1050v.Chr. bis grob 780v.Chr.
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Wir gehen davon aus, dass der Platz für mehrere
Generationen im 10. und 9. Jahrhundert unbesiedelt blieb, oder nur sehr
dünn besiedelt war. Vielleicht kam die Mode der waagerechten
Riefen auf, kurz bevor die jüngerbronzezeitliche Befestigung
zerstört wurde. Oder aber Neusiedler in der Endbronzezeit
brachten ein paar besonders gute, aber auch alte Pötte
mit. |
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