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Lothars kleines Grabungstagebuch 2008
Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode


Vorab für diejenigen, die es noch nicht wissen, eine schlechte Nachricht. Anfang Januar wurde unser altgedienter Bauwagen ein Opfer des dumpfen Vandalismus. Er brannte mit einem Teil der Grabungsausrüstung (Schaufeln, Spaten, Kellen etc.) bis auf das Fahrgestell ab. Dank der Aufmerksamkeit von Isingeroder Bürgern griff die Feuerwehr ein, bevor der Brand sich im Landschaftsschutzgebiet ausbreiten konnte. Kurzfristig wurde uns ein farbenprächtiger alter Wohnwagen als Ersatz zur Verfügung gestellt.

Das 1. Grabungswochenende - 21. bis 24.03.2008:
Auftakt in Regen und Schnee

Die Kampagne 2008 hat begonnen!

Trotz trüben Wetters war am Freitag (21.03.) ein vierzehnköpfiges Team angetreten, um Spaten und Kelle erneut in den vorgeschichtsträchtigen Boden von Isingerode zu stechen. Der erste Tag war Aufräumarbeiten gewidmet. Besonders die Profilwände im Großen Graben hatten gelitten. Aber schon am verregneten Samstag konnten wir uns - mit etwas kleinerer Mannschaft - auf neue Schichten stürzen und auch zwei Flächenerweiterungen beginnen.
Der von Wolf-Dieter Steinmetz erläuterte Plan für die erste Jahreshälfte sieht vor, die Arbeiten auf der Innenseite des Walles voranzutreiben und hier den Schnitt entlang der berüchtigten verkohlten Holzbalkenkonstruktion zu erweitern.
Im Großen Graben wird der Schnitt verbreitert. Das Ostprofil ist leider so stark eingebrochen, dass wir es verloren geben müssen. Wir werden uns nun, mit besserer Bewegungsfreiheit durch die Verbreiterung des Schnittes, verstärkt mit dem Westprofil befassen und weiter nach der ältesten Grabensohle suchen. Diese muss tiefer als 3m50 unter der heutigen Oberfläche liegen. Vor dem ersten Einbruch im Ostprofil hatten wir uns hier vergangenes Jahr in einem kleinen Bereich in diese Tiefe vorgearbeitet. Der tiefste Fund (Keramik) wurde bisher mit 3m45 eingemessen.
Im äußeren Graben soll der Schnitt nach Restarbeiten in der bisherigen Fläche so erweitert werden, dass der Graben rechtwinklig geschnitten wird. Unter der Maßgabe, die Landwirtschaft so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, läuft unser bisheriger Schnitt im unüblichen 45 Grad Winkel durch die Befestigungslinien entlang der modernen Ackergrenze. Neue Vereinbarungen mit dem Grundeigentümer erlauben uns nun die Erweiterungen. Der Familie Meyer aus Hornburg sei herzlich für ihre Unterstützung gedankt! Für die zweite Jahreshälfte werden nun auch Untersuchungen auf weiteren Flächen, so im Bereich einer vermuteten Toranlage und im Vorfeld der Befestigung möglich.
Der Ostersonntag überraschte mit einer sonnenbeschienenen, romantischen Schneelandschaft. Der Boden war jedoch nicht gefroren und die Arbeiten gingen auch am Montag gut voran.
Das Foto links belegt den Arbeitseifer des Teams. Diese neue Halde stellt den Abraum des Wochenendes aus beiden Gräben dar.
Spektakuläre Funde wurden nicht gemacht. Das Fundaufkommen (v.a. Keramik) in den Abschnitten "Wallinnenseite" und "Michaels Graben" blieb erwartungsgemäß weiterhin hoch. An der Innenböschung des Großen Grabens verfolgen wir die älteste Schicht über dem gewachsenen Bodenweiter in die Tiefe. Einige wenige Keramikfunde bis auf 2m50 unter der heutigen Oberfläche könnten hier Datierungshinweise geben. Aber in den kommenden Wochen darf es ruhig noch etwas deutlicher werden!

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In einer Mittagspause warf jemand den Begriff der "Hochkultur" in die Runde. Nun. Die jüngere Bronzezeit zeigt in unserer Region nicht die Merkmale einer "Hochkultur". Allerdings war sie gewissermaßen "auf dem Weg" dahin. Gerade die jüngere Forschung zeigt Ansätze zur Entwicklung städtischen Lebens  - und eine Theorie vertritt die Auffassung, dass es ebenso Ansätze zur Entwicklung eines Zeichensystems gegeben habe, aus dem sich hätte eine Schrift entwickeln können. Stichwort hier: Sichelmarken. 
Vgl. Christoph Sommerfeld: Mondsymbol "Sichel" - Sicheln mit Marken in: Harald Meller (Hrsg.): Der geschmiedete Himmel - Die weite Welt im Herzen Europas vor 3600 Jahren, Stuttgart 2004, S.118-123. "In der Saaleregion treffen wir mit dem Phänomen der Sichelmarken auf die erste systematische Zeichenschrift." Um 1200 v. Chr. (S.118) - Ich bin noch etwas skeptisch, bis ich die dazugehörige Monographie gelesen habe.
Foto rechts: Sicheln aus einem Hortfund in unserer Region (Watenstedt) im Museum Wolfenbüttel. Auf dem Foto aus meiner Bildersammlung kann ich leider keine Sichelmarken erkennen. Bin mir aber einigermaßen sicher, dass es auch bei uns "markierte" Sicheln gibt.

Diese Entwicklungen sind auf halber Stecke verhungert. In der frühen Eisenzeit fiel die regionale Kultur auf die Stufe einer nur Subsistenzwirtschaft betreibenden Stammesgesellschaft zurück. Warum? Es gibt eine Reihe von Erklärungsmöglichkeiten. Vielleicht können wir ja mit unserer Arbeit in Isingerode ein wenig zur Aufklärung dieser Frage beitragen. 

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Insgesamt war es ein erfolgreicher Auftakt!

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Interessierte seien schon jetzt darauf hingewiesen, dass im Museum in Wolfenbüttel derzeit eine Sonderausstellung entsteht, die neue Forschungen zur jüngeren Bronzezeit in unserer Region thematisiert. Die Eröffnung ist Mitte Juni vorgesehen.
→ weiter zum 2. Grabungswochenende 2008

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