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Für den ersten Februarsonntag hatte
Archäologie-Freund Hugo zu einer Wanderung in den
Wäldern nahe seines
Heimatortes Gitter eingeladen. Axel und Hartwig von der
Archäologischen Arbeitsgemeinschaft Salzgitter, "unser"
Archäologe Wolf-Dieter Steinmetz, Achim&Achim sowie
meine Wenigkeit vom FABL-Ausgrabungsteam waren dem Ruf gefolgt. "Sieben
Männer allein im Wald" - wohl nicht die sieben Teufel der alten Sage
vom
"Schäferstuhl", an dem unsere Wanderung begann und
endete.
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Hugo hatte eine schöne Tour ausgewählt, und wir
wollen glauben, dass er durch ein persönliches
Gespräch mit Petrus auch für das perfekte, sonnige
Wanderwetter gesorgt hat.
Unser
Ziel war ein Platz, der als "Grenzlerburg" in Karten eingezeichnet ist.
Wohl war ich bereits bei Kartenstudien über den Namen
gestolpert, in der Literatur war sie mir aber noch nie begegnet. Umso
gespannter war ich auf das, was wir hier zu sehen bekommen
würden,
und was Hugo und Wolf-Dieter dazu zu sagen hätten.
Die Grenzlerburg ist im Kern eine rechteckige, fast quadratische Anlage
mit massivem erhaltenem Mauerwerk. Ihr Erscheinungsbild verweist ins
Hochmittelalter, genauso wie alle bekannten Funde. In der schriftlichen
Überlieferung dieser Zeit taucht sie aber Trotz ihrer
Größe nicht auf. Hier wird uns wieder einmal die
Lückenhaftigkeit der historischen Überlieferung vor
Augen
geführt. Ungezählte Mannstunden von Arbeit
müssen in der
Errichtung einer so starken Befestigungsanlage stecken. Niemand wird
sich diese Mühe ohne Grund gemacht haben. Aber auf die Frage,
wer
hier warum so eine massive Befestigung errichtet hat, können
wir
nur mit vagen Vermutungen antworten.
Die Gegend hat mit wertvollen Bodenschätzen aufzuwarten. Hier
gab und gibt es Eisenerz.
Inzwischen sind die
neuzeitlichen Gruben geschlossen und hinterlassen
tief im Untergrund einen überdimensionalen schweitzer
Käse. Eindrucksvoll schilderte Hugo die Gefahren, die heute
von den unverfüllten Stollen ausgehen. Hoffen wir, dass nicht
allzu viele Häuser in den umliegenden Ortschaften in sich
plötzlich auftuenden Abgründen verschwinden...
Im Mittelalter - vielleicht auch in früherer Zeit - konnte
hier Erz im Tagebau gewonnen werden. Dazu konnte man von den
Türmen der Grenzlerburg sicher hervorragend bis zu den
Solequellen beim heutigen Salzgitter Bad sehen. Die liegen
geschätzt keine zwei Kilometer entfernt. Und Salz war ein
überaus wertvoller Rohstoff. Die Bedeutung, die das Salz für
die Region hatte, läßt sich daran ermessen, dass sie den
Namen "Salzgau" trug. Belege für die Salzgewinnung finden sich in
der schriftlichen Überlieferung seit dem frühen 11.
Jahrhundert. Die Grenzlerburg liegt zudem
direkt oberhalb eines alten Fernweges.
Die rechteckige, mit hoher
Sicherheit hochmittelalterliche Anlage ist umgeben von weiteren
gestaffelten Wällen und Gräben. Die ältere
Heimatforschung hat vermutet, dass in einer bereits existierenden, vor-
oder frühgeschichtlichen Wallburg im hohen Mittelalter erneut
gebaut wurde. Wer fühlt sich nicht erinnert an
ähnliche
Thesen zur Krimmelburg oder zur Elmsburg im nahen Elm? "Germanisch"
oder gar noch älter sollen die Wälle gewesen sein.
Von diesem
Platz aber sind ausschließlich mittelalterliche Funde
bekannt. So
verführerisch die Idee - kein Indiz spricht für eine
vorgeschichtliche Vorgängeranlage. Und selbst bei hohem
Aufwand
wird sie nur schwer nachzuweisen sein. Sehen wir auf die beiden
ähnlichen Fälle Krimmelburg und Elmsburg. Bei der
Krimmelburg
können wir mit einigermaßener Sicherheit (bei
schlechter
Dokumentation der Altgrabungen) davon ausgehen, dass dort eine erste
Befestigung bereits in der älteren Eisenzeit errichtet wurde.
Bei
der Elmsburg muss man kritisch feststellen, dass es hier ebenfalls keine Funde
gibt, die eine vorgeschichtliche Errichtung des
äußeren
Walles belegen. Ausschließen
läßt sich
freilich nicht, dass auch in vorgeschichtlicher Zeit jemand diesen
Platz befestigte.
Auch bei der Grenzlerburg wollen wir zunächst einmal garnichts
ausschließen, allerdigs fügen sich die äußeren
Wälle und Gräben allzu gut an die mittelalterliche Burg. Das
alles gehört gewiss zu einer
Anlage. Letztendlich muss man es ausgraben, wenn man mehr wissen will.
("Oh, wenn ich tausend Kellen hääätte" - frei nach einem
beliebten Choral.) Leider wird die Grenzlerburg wohl vorerst weiter
ihren Dornröschenschlaf schlummern müssen, bis dereinst ein
junger Archäologe kommt, und sie wachküsst. Hoffentlich hat
der Wald sie bis dahin nicht völlig aufgefressen.
Ein paar Fotos:
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Nahe der Grenzlerburg ist in topographischen Karten zweimal
das Symbol für "Hügelgrab" eingetragen. Und
Hügelgräber interessieren uns Archäologiefreunde
natürlich. Bei den beiden zweifelsohne künstlichen
Erhebungen, die uns hier im Wald sofort ins Auge sprangen, kann es sich
allerdings unmöglich um Grabhügel handeln, darüber
herrschte Einigkeit. Sie sind viel zu groß. Eine ganze skytische
Königsfamilie samt Hofstaat mit Pferden hätte darunter Platz.
Außerdem wäre die eher längliche, rampenartige Form
doch sehr ungewöhnlich. Vermutlich handelt es sich eher um
Außenwerke der Burg. Nach einem späteren Blick auf die Karte
bin ich mir aber nicht einmal mehr ganz sicher, ob da wirklich diese Hügel gemeint waren - nur hatte ich auf der Wanderung die Karte dummer Weise nicht dabei.
Dank an Hugo für die Vorbereitung - und Dank an das Fliegerheim am
Sportflugplatz Schäferstuhl für gastfreundliche Aufnahme.
Dort ließen wir beim Bier und Gesprächen, voller Tatendrang
für die kommende Grabungssaison, den Tag ausklingen.
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Gudrun Pischke u.a.: Gitter - Zwölf Jahrhunderte
Geschichte, Salzgitter 1996.
→ Hugo Mellenthin: Die Grenzlerburg, S.18-22
(Weiterführende Literatur in den Anmerkungen.)
→ Gudrun Pischke:
Sagen aus
Gitter und von der Grenzlerburg, S. 392-397.
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