Groß Steinum am Dorm

Am Rande des Höhenzuges "Dorm", oberhalb des Ortes Groß Steinum, finden wir ein Hünengrab, wie aus dem Bilderbuch. Und das kommt nicht von ungefähr. Bis vor etwa 50 Jahren stand an dieser Stelle nämlich gar keines, und es war auch nichts davon bekannt, das es hier jemals eines gegeben hätte. Inzwischen wissen wir, dass bei Groß Steinum mindestens drei Großsteingräber existiert haben. Bei dem schönen Grab am Dorm handelt es sich allerdings um eine Rekonstruktion. Immerhin: Die Steine stammen tatsächlich alle von einem "versenkten" Großsteingrab, dass 1950 etwa 100m hangabwärts gefunden und im folgenden Jahr archäologisch untersucht wurde. In der Literatur ist die Rekonstruktion als "phantasievoll" bezeichnet worden, da der Befund wohl etwas frei interpretiert wurde. Seien wir freundlicher, und nennen wir die Rekonstruktion "idealtypisch".


Bei der Ausgrabung wurde auch Keramik gefunden. Einige wenige Scherben waren datierbar und konnten der Tiefstichkeramik zugeordnet werden.
Noch im gleichen Jahr wurden auf der anderen Seite des Ortes die stark gestörten Überreste eines weiteren Grabes entdeckt.
Schließlich kamen 1994 im Ort beim Aushub einer Baugrube Reste eines dritten Großsteingrabes zum Vorschein. Als Archäologen eintrafen, war jedoch bereits alles 'abgeräumt'. Soetwas ist mehr als ärgerlich! Entgegen den Vorurteilen mancher Bauherren behindern baubegleitende archäologische Beobachtungen den Fortgang auf der Baustelle kaum oder garnicht. 

Mythos: Vor vielleicht 30 Jahren, als ich noch ein kleiner Junge war, hatte ich diesen Ort schon einmal besucht. Ein "Hünengrab"? Die Erinnerung bewahrt starke Bilder, nicht nur die wirklich gesehenen, sondern auch von der Phantasie erzeugte. Ich hatte mir das Skelett eines Riesenkönigs  mit goldener Krone vorgestellt, das zwischen den Steinen lag. Ich glaube auch zu erinnern, dass mein Vater erwähnte, das Grab sei 'kaputt' gewesen und wiederaufgebaut worden...
An was werden sich meine Kinder in 30 Jahren erinnern?




Bestimmt an die


Baustelle Großsteingrab
Wenn man sich vom Dorm hinab zum Ort Groß Steinum begibt, gelangt man zu dem vom Freilicht-Erlebnismuseum Ostfalen (FEMO) eingerichteten Lehrpfad "Baustelle Großsteingrab" rund um die Bockshornklippe. Dies ist ein ganz hervorragendes Ausflugsziel! Nähere Informationen dazu auf den Webseiten von FEMO und vom Geopark Braunschweiger Land. (Ich möchte das hier nicht alles einfach abschreiben.) Die Bockshornklippe ist auch ein toller Kletterspielplatz für die Kinder.


Die Bockshornklippe - ein vorgeschichtlicher Kultplatz?
Auf der Webseite von FEMO wird die Bockshornklippe als "natürlicher heiliger Platz" bezeichnet. Wenn man sich den Platz ansieht, kann man sich sicher gut vorstellen, dass hier, an diesem romantischen Ort, irgendwann in der Vorzeit ein Kultplatz bestanden haben könnte. Nur: Archäologische Hinweise dafür gibt es nicht. Und die Vorstellungen unserer Vorbewohner von einem geeigneten Kultplatz mögen sehr verschieden von den unsrigen gewesen sein. Gerne wird die Vermutung eines 'Kultplatzes' für markante Felsformationen in Anspruch genommen. Nachgewiesene Opferplätze finden sich eher an Seen oder Quellen - aber da befinden wir uns dann sowieso nicht mehr in der Jungsteinzeit. 

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