Nördlich von Braunschweig, gewissermaßen vor meiner Haustür, liegt der Landkreis Gifhorn. Es ist ein plattes Land, dass zu spontanen Radtouren einlädt - auch weil meine Ehefrau aus diesem 'benachbarten Ausland' stammt. Wo aber liegen die spannenden vorgeschichtlichen Plätze des Gifhorner Landes? Sollte es nicht dort, wie wenig weiter nordwestlich, nördlich und östlich von Großsteingräbern nur so wimmeln? Leider nicht. Sprockhoffs Atlas der Megalithgräber zeigt für den Landkreis Gifhorn einen weißen Fleck. Auch sonst nirgends in der älteren Literatur eine Spur. Warum? War das Land in der Jungsteinzeit zu siedlungsungünstig? Oder liegt es daran, das in der Vergangenheit die Forschung diesen Landstrich vernachlässigt hat? Die Nachrichten über vorgeschichtliche Plätze, besonders jenseits der Zeitenwende, sind überaus dünn. Vielleicht hat das die Ursache darin, dass Gifhorn lange Zeit verwaltungstechnisch zu Hannover gehörte, Hannover aber ist weit weg und beschäftigte sich mit Naheliegenderem - wer weiß...
In jüngerer Zeit hat sich diese Situation aber bedeutend gebessert. Es gibt einen Ehrenamtlich Beauftragten für archäologische Denkmalpflege (Heinz Gabriel), einen Kreisarchäologen (Dr. Andreas Wallbrecht) und eine Archäologische Arbeitsgemeinschaft. (Hallo, liebe Nachbarn von der ArchAG Gifhorn! Ich konnte noch keine Webseite von Euch ergoogeln.) Und, was sag' ich, Schwuppdiwupp:

Das Großsteingrab von Rethen

Ende 1995 kamen dem Landwirt Herrn Bosse aus Rethen beim Tiefpflügen zwei Findlinge in die Quere. Dies erschien überaus verdächtig. Die zuständigen Stellen wurden benachrichtigt und eine archäologische Untersuchung eingeleitet. Bei der Ausgrabung kamen noch weitere Findlinge zu Tage und die Befunde legen nahe, dass es sich hierbei um die Reste eines bereits vor langer Zeit zerstörten Großsteingrabes handelt. Das wäre dann das erste bekannte im Landkreis Gifhorn. Leider war keine Keramik zu finden. Die doch recht magere Ausbeute der Grabung macht eine Interpretation schwierig. Die ehemalige Gestalt der Anlage läßt sich kaum erahnen. Ohne datierbare Keramik läßt sich die Steinsetzung auch nicht einer bestimmten Kultur oder Zeit zuordnen. Ganz vorsichtig nur darf man also die Vermutung äußern,  dass es sich hier um  

ein Ganggrab der Trichterbecherkultur aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends handelt. Genauso gut könnte es aber auch ein sogenanntes Steinkistengrab gewesen sein. Das wäre eine ziemlich andere Bauform, eine andere vorgeschichtliche Kultur, allerdings grob die gleiche Zeitstellung und eine ähnliche Grundidee. Vielleicht kommt es ja in Zukunft in der näheren oder weiteren Umgebung zu Funden, die helfen, die Anlage einzuordnen. Bisher steht sie doch recht isoliert da.
Leider müssen wir wohl davon ausgehen, dass von vielen Großsteingräbern sogar weniger übriggeblieben ist, als die sechs Steine bei Rethen, so wenig, dass sie nicht mehr erkennbar sein werden. In einigen Fällen konnten in den vergangenen Jahren in anderen Gegenden von Niedersachsen allerdings "versenkte Großsteingräber" in    

deutlich besserem Erhaltungszustand entdeckt werden, die vorher weder im Gelände erkennbar, noch aus älterer Überlieferung bekannt waren. Im Bereich der Bezirksarchäologie Weser-Ems waren dies zwischen 1989 und 1999 allein vier Stück (vgl. ECKERT 2004). Und auch in unserer Region war z.B. bei Groß Steinum bis in die 50er Jahre nichts mehr von irgendwelchen Großsteingräbern zu sehen. Auf also, muntere Gifhorner, wackere Landwirte und tatkräftige Bauherren! Haltet die Augen offen! Findet weitere Reste von jungsteinzeitlicher Architektur!
Natürlich bin ich mit meiner Frau nach Rethen geradelt. Leider erwischten wir nass-kaltes Wetter. Als wir losfuhren, schien noch die Sonne, aber südlich von Vordorf lag eine harte Wettergrenze. Sonst wäre dies sicher der ideale Picknickplatz gewesen. Sehr gut ist die aufgestellte Informationstafel.

(Den Text kann man so nicht lesen? Tja, da muss man eben selbst mal hinfahren >;-) ) Wegbeschreibung: Von Meine auf die Straße nach Rethen, nach ca. 2km rechts hinter dem Wäldchen auf den Feldweg einbiegen (also nach Norden), den zweiten Feldweg nach rechts nehmen (etwa nach 1000m), nach weiteren ca. 800m erreicht man am Rande eines Wäldchens den Platz (das ist jenseits der Windkrafträder).

→ zurück zur Hauptseite HÜNENGRÄBER
→ weiter nach Groß Steinum am Dorm
→ Links und Literatur

HOME

Rechtliches

Technisches

Vorgeschichte

Ausflüge

Kontakt