Ausflug des Vereins
für Naturwissenschaft / Braunschweig
zum "Opferstein",
mutmaßlich Reste eines Megalithgrabes, im Jahre 1900. |
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Marienborn |
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Im Lappwald, südöstlich von Helmstedt, zwischen Harbke und Marienborn, liegt ein großes vorgeschichtliches Gräberfeld. Es handelt sich dabei sowohl um Hügelgräber, als auch um Großsteingräber. Möglicherweise ist das in einigen Fällen hier sogar das Gleiche. In der Vergangenheit hat diese vorgeschichtlich interessante Landschaft wenig Beachtung gefunden; war fast in Vergessenheit geraten, denn für mehrere Jahrzehnte konnte das Gebiet nicht betreten werden. Es lag im Sperrgebiet an der innerdeutschen Grenze. Nachdem sich der eiserne Vorhang erledigt hatte, machte sich Anfang der 90er Jahre der Ur- und Frühgeschichtler H.J. Beier auf, das Gebiet zu erkunden, und die Zeugnisse der Vorzeit wieder aufzuspüren. Als wichtigste Grundlage dazu diente ihm eine Beschreibung aus dem Jahr 1901, die Wilhelm Blasius verfasst hatte. (Blasius leitete, wie schon sein Vater, viele Jahre das Herzogliche Naturhistorische Museum in Braunschweig und gehört zu den Ikonen der Braunschweiger Universitätsgeschichte.) Tatsächlich gelang es Beier, die Überreste von 12 Megalithgräbern in unterschiedlichem Erhaltungszustand zu finden. Ebenso konnte er die ehemaligen mehrerer Standorte zerstörter Gräber ausmachen. Blasius hatte z.T. mündliche Berichte über solche Zerstörungen aufgezeichnet: "Nach den Angaben des Herrn Forstmeisters Ernst Schmidt hat sich hier eine schon früher zerstörte und zusammengebrochene Grabkammer befunden, die von einem Steinkreis umgeben war. Bei dem Bau des beschriebenen Weges ist dies Grab sorgfältig geöffnet und sind sämmtliche Steine entfernt und in einer Gesammtmenge von etwa 28 cbm zum Bau der beiden genannten Brücken verwendet." (BLASIUS 1901, S. 234.) Beier vermutet, dass die Grabanlagen bei Marienborn eher
den sog. mitteldeutschen Steinkistengräbern zuzurechnen sind.
Ein 1928 untersuchter Hügel, in dem sich nicht eine
bronzezeitliche Bestattung, sondern ein Kolektivgrab der Jungsteinzeit
in einer eher kleinen Steinkiste fand, führte ihn zu der
Vermutung, dass zumindest ein Teil der vielen Grabhügel
ebenfalls in die Jungsteinzeit gehören. Die
Großsteingräber des Marienborner Forstes
würden so aber etwas anderes darstellen, als die wenig
entfernten Lübbensteine bei Helmstedt. (Wenn deren
Rekonstruktion richtig ist.) Hier finden wir Steinkisten bzw.
Galeriegräber , dort Ganggräber - klassische
"Hünengräber". Man behelfe sich mit Begriffen wie
"Übergangs- oder Mischform". Im Grunde genommen hilft hier
nichts weiter, als eine detailierte Untersuchung. Es wäre
hervorragend, wenn man einen zeitlichen Verlauf aufzeigen
könnte, und damit erzählbare
Geschichte. Können einzelne Gräber einer
früheren oder jüngeren Zeit zugeordnet werden, einem
südlichen oder nördlichen Kultureinfluß?
Aber wer würde ein so aufwendiges Projekt tragen? Beier plante
eine neue Bestandsaufnahme, Vermessung, geophysikalische Untersuchung
der "schätzungsweise 50 bis 100 Objekte" zwischen Marienborn
und Harbke. Ich konnte bisher nicht herausfinden, ob irgendetwas davon
in den mittlerweile vergangenen zwöf Jahren geschehen ist,
und befürchte, dass niemand die "Mittel" dazu bereitstellte. |
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Auch bronzezeitliche Grabhügel verfügen z.T. über eine Steineinfassung und sind so auf den ersten Blick neolithischen Großsteingräbern ähnlich, die ehemals ja auch überhügelt waren. Das Foto zeigt einen gesichert bronzezeitlichen Grabhügel bei Hundisburg / Haldensleben. |
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In jedem Fall ruft das ganze nach einer "Expedition", um
vorhandene Reste der Großsteingräber einer
"Autopsie" zu unterziehen. Dabei soll als Grundlage die hervorragende
Karte von Blasius dienen, die sich, auf Folie kopiert, mit einer
aktuellen 1:25.000er TK gut in Deckung bringen lässt.
Nebenbei: Hier interessieren nicht nur
Großsteingräber, sondern auch vermutlich bereits
"abgepflügte" Hügelgräber nahe dem
Braunkohletagebau und eine mutmaßlich
frühmittelalterliche Burg. |
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Ausschnitt aus der Karte bei BLASIUS 1901 |
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