Neu 25.02.2007: → Lesetip

Neu 02.02.2010: →Bemerkungen zu Großsteingräbern mit Hinblick auf die kommende Ausstellung im Braunschweigischen Landesmuseum Wolfenbüttel 

Große Steine ragen aus der Erde. Nicht durch eine Laune der Natur, sondern absichtsvoll in einer unbekannten Vorzeit zusammengetragen, waren wohl übermenschliche Kräfte nötig, sie zu bewegen. Haben "Hünen", riesenhafte menschliche Wesen hier ihre Spuren hinterlassen? Oder war gar Zauberei am Werk? In früherer Zeit konnte man sich die Entstehung der Großsteingräber, die an vielen Orten in der Landschaft sichtbar waren, kaum anders erklären.





"Sicher ist es, dass diese Steindenkmäler nicht von Menschen unserer Gestalt und auch nicht von Einheimischen errichtet wurden. (...) Wie soll man aber eigentlich diese alten, gewaltigen Altertümer deuten? Sie sind alle zusammen Begräbnisplätze von grausamen und barbarischen Riesen, Hünen oder Giganten, den Nachkommen von Menschen schrecklicher Gestalt, riesigen Kräften und tierischer Wildheit (...)." 


So lauten beispielsweise die Überlegungen des Gelehrten Johan Picardt aus der Grafschaft Bentheim in seinem 1660 erschienenen Werk über 'vergessene und verborgene Altertümer'.
(Text und Grafik nach SCHIRNIG 1976)

Nun - heute wissen wir es etwas besser, obwohl unser Bild von den Menschen, die die Großsteingräber errichteten, von ihren Ideen und ihrer Kultur, weiterhin an vielen Stellen unscharf bleibt. 
Das grobe Bild läßt sich folgendermaßen zusammenfassen:
In der mittleren Jungsteinzeit, nachdem auch in den nördlichen Regionen die Menschen von der Neolithischen Revolution erfasst worden waren, kam es zu der in weiten Teilen Europas verbreiteten 'Modeerscheinung', aus großen Steinen, Grabanlagen zu errichten. Bei allen regionalen Besonderheiten gibt es bei diesen Großsteingräbern von der iberischen Halbinsel über die britischen Inseln, Nord- und Westfrankreich, bis in den Nord- und Ostseeraum große Ähnlichkeiten. 
In Norddeutschland wird diese 'Mode' von der jüngeren Trichterbecherkultur (abgekürzt TBK), in einigen Bereichen auch als Kultur der Tiefstichkeramik bezeichnet, übernommen. Nach absoluter Datierung erfolgte dies etwa um die Mitte des 4. Jahrtausends vor Chr..
Großsteingräber wurden von Ihren Erbauern über mehrere Generationen als Kollektivgräber benutzt. Weder von Riesenhand, noch durch Zauberei erbaut, sprechen sie für erstaunliches technisch-mechanisches Geschick, große Bedeutung eines Toten- bzw. Ahnenkults, und nicht geringer gesellschaftlicher Organisation.
Nachfolgende, spätere Kulturen haben in vielen Fällen die vorhandenen eindrucksvollen Monumente, die vielleicht auch als traditionell 'heilige Orte' angesehen wurden, ebenfalls als Bestattungsplätze, in einigen Fällen wohl auch als Kultplätze und Versammlungsstätten gebraucht.
Spätestens seit der frühen Neuzeit wurden viele Großsteingräber zerstört, weil man die Steine anderweitig gut gebrauchen konnte, oder weil sie der Landwirtschaft im Weg waren. Die größten Verluste im Bestand entfallen wohl auf das späte 18. und die ersten zwei Drittel des 19. Jahrhunderts. Ganze Landschaften, die nach älteren Beschreibungen von Großsteingräbern geprägt waren, sind heute 'geräumt'. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie mehr und mehr als erhaltenswerte Denkmäler der Vorzeit aufgefasst. 

Anmerkungen:
Als Neolithische Revolution wird der Übergang von Jäger- und Sammler Gesellschaft zu Ackerbauern und Viehzüchtern bezeichnet. In unserer Region vollzog sich dieser entscheidende Umbruch der Menschheitsgeschichte südlich der Lößgrenze, die ziemlich genau auf der Höhe von Braunschweig liegt, bereits im 6. Jahrtausend vor Chr., während die nördlich gelegenen Gebiete mit ihren sandigen Böden noch für mehrere Jahrhunderte von Jägern und Sammlern bewohnt wurden. Erst im frühen 4. Jahrtausend vollzieht sich hier der gesellschaftlich-kulturelle Wandel. Da die Lößgrenze weiterhin eine erkennbare Kulturgrenze bildet, ist wahrscheinlich,  dass sich die Ackerbauernkultur nicht von Süden in die nördlicheren Gebiete ausdehnte, sondern dass sie sich von Westen kommend entlang der Küsten hierher gelangte.
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In der älteren Literatur, so z.B. bei H. Schwabedissen (in SCHIRNING 1976, S.143ff), wird diese noch deutlich jünger datiert. Dies liegt vermutlich daran, dass der absoluten Datierung noch "alte", nicht kallibrierte 14C-Daten zu Grunde liegen.  zurück

Bemerkungen zu Großsteingräbern in der näheren und weiteren Umgebung von Braunschweig:


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