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Große
Steine ragen aus der Erde. Nicht durch eine Laune der Natur, sondern
absichtsvoll in einer unbekannten Vorzeit zusammengetragen, waren wohl
übermenschliche Kräfte nötig, sie zu
bewegen. Haben
"Hünen", riesenhafte menschliche Wesen hier ihre Spuren
hinterlassen? Oder war gar Zauberei am Werk? In früherer Zeit
konnte man sich die Entstehung der Großsteingräber,
die an
vielen Orten in der Landschaft sichtbar waren, kaum anders
erklären.
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"Sicher ist es, dass diese
Steindenkmäler nicht von Menschen unserer Gestalt und auch
nicht von Einheimischen errichtet wurden. (...) Wie soll man aber
eigentlich diese alten, gewaltigen Altertümer deuten? Sie sind
alle zusammen Begräbnisplätze von grausamen und
barbarischen Riesen, Hünen oder Giganten, den Nachkommen von
Menschen schrecklicher Gestalt, riesigen Kräften und
tierischer Wildheit (...)."
So lauten beispielsweise die Überlegungen des
Gelehrten Johan
Picardt aus der Grafschaft Bentheim in seinem 1660 erschienenen Werk
über 'vergessene und verborgene Altertümer'.
(Text und Grafik nach SCHIRNIG 1976)
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Nun - heute
wissen wir es etwas
besser, obwohl unser Bild von den Menschen, die die
Großsteingräber errichteten, von ihren Ideen und
ihrer
Kultur, weiterhin an vielen Stellen unscharf bleibt.
Das grobe Bild läßt sich folgendermaßen
zusammenfassen:
In der mittleren
Jungsteinzeit, nachdem auch in den nördlichen Regionen die
Menschen von der Neolithischen Revolution
erfasst worden waren, kam es zu der in weiten Teilen Europas
verbreiteten 'Modeerscheinung', aus großen Steinen,
Grabanlagen zu errichten. Bei allen regionalen Besonderheiten gibt es
bei diesen Großsteingräbern von der iberischen
Halbinsel über die britischen Inseln, Nord- und
Westfrankreich, bis in den Nord- und Ostseeraum große
Ähnlichkeiten.
In Norddeutschland wird diese 'Mode' von der jüngeren
Trichterbecherkultur (abgekürzt TBK), in einigen Bereichen
auch als Kultur der Tiefstichkeramik bezeichnet, übernommen. Nach absoluter Datierung erfolgte dies etwa um die
Mitte des 4. Jahrtausends vor Chr..
Großsteingräber wurden von Ihren Erbauern
über mehrere Generationen als Kollektivgräber
benutzt. Weder von Riesenhand, noch durch Zauberei erbaut, sprechen sie
für erstaunliches technisch-mechanisches Geschick,
große Bedeutung eines Toten- bzw. Ahnenkults, und nicht
geringer gesellschaftlicher Organisation.
Nachfolgende, spätere Kulturen haben in vielen Fällen
die vorhandenen eindrucksvollen Monumente, die vielleicht auch als
traditionell 'heilige Orte' angesehen wurden, ebenfalls als
Bestattungsplätze, in einigen Fällen wohl auch als
Kultplätze und Versammlungsstätten gebraucht.
Spätestens seit der frühen Neuzeit wurden viele
Großsteingräber zerstört, weil man die
Steine anderweitig gut gebrauchen konnte, oder weil sie der
Landwirtschaft im Weg waren. Die größten Verluste im
Bestand entfallen wohl auf das späte 18. und die ersten zwei
Drittel des 19. Jahrhunderts. Ganze Landschaften, die nach
älteren Beschreibungen von Großsteingräbern
geprägt waren, sind heute 'geräumt'. Erst gegen Ende
des 19. Jahrhunderts wurden sie mehr und mehr als erhaltenswerte
Denkmäler der Vorzeit aufgefasst.
Anmerkungen:
Als Neolithische Revolution
wird der Übergang von Jäger- und Sammler Gesellschaft
zu Ackerbauern und Viehzüchtern bezeichnet. In unserer Region
vollzog sich dieser entscheidende Umbruch der Menschheitsgeschichte
südlich der Lößgrenze, die ziemlich genau
auf der Höhe von Braunschweig liegt, bereits im 6. Jahrtausend
vor Chr., während die nördlich gelegenen Gebiete mit
ihren sandigen Böden noch für mehrere Jahrhunderte
von Jägern und Sammlern bewohnt wurden. Erst im
frühen 4. Jahrtausend vollzieht sich hier der
gesellschaftlich-kulturelle Wandel. Da die Lößgrenze
weiterhin eine erkennbare Kulturgrenze bildet, ist wahrscheinlich,
dass sich die Ackerbauernkultur nicht von Süden in
die nördlicheren Gebiete ausdehnte, sondern dass sie sich von
Westen kommend entlang der Küsten hierher gelangte.
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In der
älteren Literatur, so z.B. bei H. Schwabedissen (in SCHIRNING
1976, S.143ff), wird diese noch deutlich jünger datiert. Dies
liegt vermutlich daran, dass der absoluten Datierung noch "alte", nicht
kallibrierte 14C-Daten zu Grunde liegen.
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