Dies ist nur ein kurzer Vorbericht über die erste meiner (Zeit-)Reisen zu den Schlachtfeldern der Region:

Bleckenstedt 1493
Mittwoch, 13. Februar


Wenn jemand heute mit dem Dorf Bleckenstedt (Salzgitter) etwas verbindet, so sicherlich nicht ein militärisches Ereignis. Der Ort ist bekannt wegen dem dort befindlichen Schacht Konrad.
Haltet mich nicht für weltfremd, aber mich interessiert doch mehr, was sich hier vor etwas mehr als 500 Jahren zugetragen hat.
Es tobte nämlich in Braunschweiger Landen die sogenannte große Stadtfehde.

Herzog Heinrich der Ältere lag mit dem Rat der Stadt Braunschweig über Kreuz. Da er die Stadt nicht einnehmen konnte, schnitt er sie von der Zufuhr von Waren und Lebensmitteln ab. Der Rat der Stadt beschloß einen schwer bewachten Versorgungszug – gemeinsam mit Truppen der verbündeten Stadt Hildesheim – von Peine nach Braunschweig zu bringen. Der Herzog seinerseits hatte den direkten Weg an verschiedenen Stellen unbrauchbar machen lassen und versuchte, den Zug mit seinem Heer zum Gefecht zu stellen. Dazu kam es dann auch am 13. Februar 1493 – eben bei Bleckenstedt.
Ob dieses Gefecht die Bezeichnung "Schlacht" verdient, ist strittig. Die Stadtbraunschweigischen Söldner waren allerdings dieser Auffassung und verlangten nachher eine "Schlacht-Prämie" in Höhe des doppelten Monatssoldes, obwohl sie sich nicht besonders hervorgetan hatten. Der Rat der Stadt bestritt das aus durchsichtigen Gründen. Auch die spätere Historeographie benutzt zum Teil lieber Begriffe wie "Gefecht" oder "Treffen".
Schlacht oder nicht? Wenn man die auf 10.000 Mann geschätzten herzoglichen Aufgebotstruppen, die sich angeblich schon vor dem ersten Schuss zerstreuten, sowie das reine Transportpersonal der städtischen abzieht, so bleiben doch mehr als 10.000 Bewaffnete -Kavallerie, Infanterie und Artillerie- , die auf engem Raum manövrierten, sich beschossen und mindestens zwei Nahkämpfe fochten. Auch wenn die Verluste von geschätzt 200 bis 400 Toten insgesamt gering blieben, ist dieses Ereignis nach meiner Auffassung eine Feldschlacht. Über Quellenlage und Verlauf der Schlacht, sowie taktische Beurteilung später mehr an dieser Stelle.


Warum habe ich das Schlachtfeld aufgesucht? Zu sehen gibt es nur die Äcker rund um Bleckenstedt. Was sollte es auch sonst zu sehen geben? Um das Gelände taktisch beurteilen zu können, erschien es mir trotzdem ratsam, dort gewesen zu sein. Das ist nämlich immer etwas anderes, als nur auf eine Karte zu schauen. Außerdem bekommt man – ich erwähnte es bereits in anderem Zusammenhang – ein Gefühl für Dimensionen im Raum.



Wenn man sich mit dem Fahrrad dor etwas herumtreibt, bemerkt man, dass das leicht wellige Gelände recht unübersichtlich ist. Auf dem obigen Foto kann man vielleicht erahnen, dass vom Standort (vielleicht etwa Position der herzoglichen Reiterei in der zweiten Phase der Schlacht vor dem Angriff) die Unterkante der Häuser im Dorf nicht zu erkennen ist. Das Gelände fällte nicht gleichmäßig ab. Was dies für den Verlauf der Schlacht bedeuten könnte, erzähle ich – wie gesagt – später.
← Mein Schlachtross hat mir wieder gute Dienste erwiesen.

Ludwig Hänselmann: Die Schlacht bei Bleckenstedt (1493) – nach Schilderung eines Augenzeugen, in: Braunschweigisches Magazin 1 / 1895, S.1-4 und 2/1895, S.9-12.

Bernhard Vollmer: Das Gefecht bei Bleckenstedt und die Erstürmung des Klosters Riddagshausen – Zwei Berichte, in: Braunschweigisches Jahrbuch 1950, S.71-76.

Felix Priebatsch: Die große Braunschweiger Stadtfehde (1492-1495), Breslau 1890.

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