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In Niedersachsen gibt es
eine ganze Reihe von Plätzen, die "Hünenburg"
genannt werden. Für die meisten von ihnen wird in Anspruch
genommen, dass sie vorgeschichtliche Befestigungen seien. Die
Bezeichnung "Hünenburg“
ist fast ein Sammelbegriff für Befestigungen, für die
sich kein Eigenname in der Überlieferung erhalten hat. In
Hans-Wilhelm Heines "Frühe
Burgen und Pfalzen in Niedersachsen"
tragen fünf Plätze diesen Namen: Die Hünenburg bei
Ammensen, die Hünenburg bei Hedemünden, die Hünenburg
bei Rohden, die Hünenburg bei Stöttinghausen und die
Hünenburg bei Watenstedt (bzw. Jerxheim, Beierstedt), bei
der gerade in jüngster Zeit ein Schwerpunkt archäologischer
Untersuchungen im Braunschweiger Land lag. Dabei hat sich
tatsächlich bestätigt, was bisher als recht unsichere
Vermutung der älteren Forschung gelten musste. Die Hünenburg
auf dem Heeseberg bei Watenstedt war tatsächlich bereits in
vorgeschichtlicher Zeit ein befestigter Platz. Aber davon
vielleicht später mehr an anderer Stelle. |
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Die Hünenburg bei Bevenrode |
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Auf der Suche nach einem Ziel für eine kurze Familienradtour fasste ich diesen Platz ins Auge und beschloss, herauszufinden, was es denn mit dieser Hünenburg auf sich hätte. Auf einer einigermaßen aktuellen topographischen Karte der Gegend (Maßstab 1:25.000) ist zwischen Bevenrode und Grassel das Symbol für "Hügelgrab" eingetragen. Hünengrab oder Hünenburg – was also befand sich hier? Die gleiche Karte zeigte mir, dass der Platz noch zu Bevenrode gehört, und nicht zu Grassel. Ärgerlich, denn Grassel liegt im Landkreis Gifhorn, für den 1988 →Sigrun Ahlers einen Katalog aller Befestigungen von der Vorzeit bis ins Mittelalter publiziert hatte. Trotzdem war es dann doch noch möglich, ohne zu viel Aufwand einiges über den Platz herauszufinden. Und natürlich unternahm ich dann auch mit meiner Frau und der jüngeren Tochter eine Radtour dorthin. (Für Insider: Wir erwischten Rötting-Exkursionswetter: Der 09.10.2004 war ein sonniger Samstag.) In Paul Jonas Meiers betagten "Bau- und Kunstdenkmälern des Herzogthums Braunschweig" findet sich zu jedem Dorf ein kurzer Artikel, so auch zu Bevenrode. Dort steht: Südöstlich vom Dorfe die Hünenburg oder der Hüneberg, einst zum Gut der v. Campen gehörig, das 1870 an die umliegenden Gemeinden aufgetheilt wurde. Der Hügel, auf dem der Bergfried stand, ist 15-20 Fuss hoch und jetzt fast kreisrund; doch ist in der Separation viel Erde abgetragen worden. Nach einem Lageplan in Bode Kollektaneen Suppl. Bd. 70 (Stadtbibliothek in Braunschweig) zog sich vor der "grossen Burg" im SO sichelförmig die "kleine Burg" unmittelbar anschliessend hin; in dieser wird ein äusserer Wall zu erkennen sein. Die Burg lag inmitten eines Sumpfes, doch ist dieser nebst dem eigentlichen Graben fast ganz beseitigt worden. Westlich vom Hügel lagen die Wirthschaftsgebäude. Die Untersuchung des Regierungs- und Bauraths Brinckmann zu Braunschweig im Jahre 1892 förderte aber zahlreiche schmucklose Urnenscherben, sowie eine Lanzenspitze aus Feuerstein zu Tage, die beweisen, dass die Burg bereits in vorgeschichtlicher Zeit bestand. Meiers Angaben sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Ersteinmal hat sich ein simpler Fehler eingeschlichen: Die Hünenburg befindet sich nicht im Süd-, sondern im Nordosten. Das Meier hier vielleicht einen ganz anderen Platz gemeint hat, ist ausgeschlossen. Die Hünenburg liegt nahe der ehemaligen Grenze zum Königreich Hannover, also Richtung Grassel. |
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Tatsächlich verläuft diese Grenze keine 100 Meter nördlich des Hügels, und an dieser Stelle sind fünf der alten Grenzsteine am Rande einer Wiese platziert. (Es scheint mir fast, als seien sie hier später zusammengetragen, denn sie liegen mit jeweils etwa 50m Abstand ungewöhnlich nah beieinander.) Damit ist natürlich die gesamte Lageorientierung von Meier fragwürdig. |
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Als einzig erkennbares Geländemerkmal deutet heute nur
noch der Turmhügel auf die alte Burgstelle. Dieser hat
tatsächlich die angegebene Größe und es befindet
sich darauf sogar wieder eine Art Bergfried – nunja, ein
Jagdhochsitz, von dem man einen gute Aussicht über das
Umland gewinnt. |
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Die gefundenen Urnenscherben und die Feuersteinlanzenspitze
datieren den Hügel aber kaum zurück in
vorgeschichtliche Zeit. Hans Adolf Schultz, der sich in den
siebziger Jahren in einen Beitrag in der "Braunschweigischen
Heimat" mit der
Hünenburg befasste, hält sie für sekundär
hierher verbracht. |
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Die schriftliche Überlieferung hat keine Erinnerung an
die Herren der Hünenburg bewahrt. Wir werden wohl niemals
wissen, warum hier ein Ritter oder Ministeriale seine Untertanen
antrieb, mit sicherlich großer Anstrengung eine Burg zu
errichten, ob sie denn dann auch Schutz gewährte vor dem
Ansturm unbekannter Feinde, und warum sie schließlich
aufgegeben wurde. Von den kleineren "Ritterburgen"
der Region – es müssen einst sehr viele gewesen sein –
ist kaum etwas erhalten geblieben. Dieser Platz könnte bei
systematischer Untersuchung unser Bild von mittelalterlichem
Leben wertvoll ergänzen. |
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Paul Jonas Meier: Die Bau
und Kunstdenkmäler des Herzogthums Braunschweig, Bd. 2: Die
Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Braunschweig – mit
Ausschluß der Stadt Braunschweig, Wolfenbüttel 1900,
S. 8-10. |
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