- persönliche Erlebnisberichte von der Ausgrabung am vorgeschichtlichen Burgwall bei Isingerode -

← zurück zur Hauptseite
MYTHOS UND LOGOS

_______________________

← Folge 1 - 2011

← Folge 2 - 2011

← Folge 3 - 2011

← Folge 4 - 2011

← Folge 5 - 2011

_______________________

↓ springen zu

Isingerode 2012

Isingerode 2010

Isingerode 2009

Isingerode 2008

Isingerode 2007

Isingerode 2006

_______________________

Literaturliste

Folge 6:  Ende der 6. Ausgrabungskampagne (2011) in Isingerode

Oktoberstimmung:

Novemberstimmung:

Der 06. November war der fünfzigste - und zugleich der letzte Grabungstag der diesjährigen Kampagne. Nach dem sonnigen Oktober mit besten Grabungsbedingungen hat nun tatsächlich der Herbst eingesetzt. Am letzten Grabungstag lag dichter Nebel über der Landschaft - und im Verlauf des Tages wurde er sogar noch dichter. 

In diesem Jahr habe ich ja relativ selten aus Isingerode berichtet. Dafür gibt es jetzt nach längerer Zeit malwieder eine Übersichtsgrafik des Schnittes. Die einzelnen Befunde habe ich nicht für diese Grafik exakt eingemessen, aber zur Veranschaulichung reicht es sicher. Wie immer gilt: Die exakte Dokumentation hat der Grabungsleiter. Es war auch so einiges an Arbeit, die Grafik zusammenzubasteln... Der Stand ist der vom letzten Grabungstag - morgens. Wenn man auf die Grafik klickt, gibtb es sie in noch besserer Auflösung.

Verwirrend? Ich hoffe, nicht allzu sehr. Orange gefärbte Flächen zeigen an, dass der "gewachsene" (d.h. durch Menschen unbeeinflusste = archäologisch tote Boden) erreicht ist. Wie man unschwer erkennt, ist das noch lange nicht überall der Fall. Umgekehrt gedacht: Alles, was nicht orange ist, wartet noch mit Arbeit fürs kommende Jahr auf uns. Tiefenangaben beziehen sich auf die heutige Oberfläche. Da das Gelände von Südost nach Nordwest stark abfällt, täuschen die Angaben vielleicht darüber hinweg, dass der gewachsene Boden bei N 75 E 10 (rechts unten) nivelliert bei etwa gleicher Tiefe ansteht, wie bei N75 W3 (rechts oben) oder bei N60 W3 (links Mitte). 

Nummer 1: Wie schon in der letzten Folge beschrieben, können wir im eigendlichen Innenraum der Befestigungsanlage als Spuren früherer Bebauung bisher kaum Pfostenlöcher feststellen. Statt dassen haben wir es mit linearen Strukturen zu tun, die in den gewachsenen Boden eingetieft sind. Diese sind eindeutig künstlichen Ursprungs, denn die helle lehmige Verfüllung enthält (wenn auch nur wenig) Keramik. Im Nordosten des Schnittes (also rechts unten auf dem Plan) ist nun eine weitere solche Struktur sichtbar geworden. Leider müssen wir nun bis nächstes Jahr warten, um zu sehen, wie sich das weiter entwickelt.

Nummer 2: Hier setzt sich die berüchtigte Mulde fort, überschreitet aber wohl kaum die 70 Meter Nord Linie. Hier stehen wir vor einem grabungstechnischen Problem, denn nach jedem Regen sammelt sich das Wasser in dieser Mulde - und läuft nicht ab. Zusätzlich wird von der südöstlich liegenden Fläche immer wieder Material eingeschwemmt. Obwohl es bei Grabungsende dieses Jahr mehrere Wochen nicht ernsthaft geregnet hatte, ist der Boden eine einzige "Matschepampe". Wir sind hier etwa auf 1m30 unter der heutigen Oberfläche. Die Muldenverfüllung enthielt bis zu dieser Tiefe eine große Funddichte. Wenn wir nach den Erfahrungen auf der anderen Seite des Diagonalprofils gehen (= Nummer 4), dann wird sich dass auch für den nächsten halben Meter Abtrag kaum ändern. Meiner Meinung nach müssen wir im kommenden Frühjahr den nächst besten Zeitpunkt mit guter Witterung nutzen, um hier unsere Kräfte konzentrieren. Sonst schlammt uns das alles zu.

Nummer 3: Hier befinden wir uns schon beim Abtrag des altbekannten Lehmsockels, der der ältesten Wallbauphase zuzuordnen ist. Wie auch schon in den benachbarten Flächen, die wir in vergangenen Kampagnen untersucht hatten, zeichnen sich sehr scharf Pfostenlöcher der Wallkonstruktion ab. Diese setzen auch eine aus dem alten Schnitt bekannte Pfostenreihe fort. Die Pfosten allerdings stammen nicht aus dieser ältesten Phase, sondern sind eindeutig in einer späteren Bauphase gesetzt worden. Optimal zu erkennen war dies an einem Pfostenloch, dass eindeutig die Brandschicht durchstößt, die oberhalb des Lehmsockels liegt.

Nummer 4: 

Ja. Unser berüchtigter Duckstein in der Mulde. Eigentlich wollten wir ihn am Ende der Kampagne bergen. Vorher aber sollte die Mulde links und rechts des Steines bis auf den gewachsenen Boden abgetieft werden, um eine gute Profilansicht zu gewinnen. Dabei stellte sich heraus, dass der Stein keineswegs auf dem Grund der Mulde liegt. Vielmehr liegt er auf mindestens 30 cm Muldenverfüllung. In der Muldenverfüllung ist recht gut eine Schichtung zu erkennen. Und in der Schicht unter dem Stein tritt nun wieder Keramik auf, die in die Frühphase der Befestigung gehört. Wir haben es nicht mehr geschafft, den Grund der Mulde zu erreichen. Und das bedeutet, wenn diese Mulde in den südwestlich und nordöstlich angrenzenden Flächen etwa die gleiche Tiefe hat: Es wartet hier noch viel Arbeit.

Besondere Funde:

Funde? Ja, daran war - wie immer - kein Mangel. Große Mengen Keramikbruch. Jede Menge größtenteils schlecht erhaltener Tierknochen. Bei vielen war eine Bergung unmöglich. Bei einigen Stücken hat sich Restaurator Sven bemüht, zu retten, was zu retten ist. Das ist eine sehr arbeitsaufwändige Angelegenheitt.
Wie üblich wurden auch eine Reihe Feuersteinabschläge gefunden. Und es gab auch ein paar Bronzefragmente. 
Hier sollten eigentlich malwieder ein paar besondere Scherben vorgestellt werden. Bei Durchsicht des Bildmaterials aber musste ich feststellen: Die vor Ort gemachten Bilder der ungereinigten Scherben bringen nicht das rüber, was ich zeigen möchte. Und von ein paar Objekten habe ich gar keine Fotos. Deshalb verschieben wir das mal auf die Winterzeit. Da habe ich vielleicht vorher Gelegenheit, die Funde im Museum zu fotografieren.

Grüße an alle, die uns dieses Jahr wieder unterstützt haben - vom "Team der letzten Stunde 2011"!

Ausblick:

In einem Vortrag vor der Jahreshauptversammlung der "Freunde der Archäologie" im kommenden Februar wird unser Grabungsleiter Wolf-Dieter Steinmetz besondere Funde aus Isingerode vorstellen. Mehr und besser als ich das auf diesen Seiten getan habe. Und danach können wir vielleicht schon im März motiviert in die neue Kampagne 2012 gehen!

Und => HIER <= geht's weiter!


↑zurück zum Seitenanfang