Großsteingräber im Braunschweiger Land

- ergänzende Bemerkungen -

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MYTHOS UND LOGOS

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(Texte aus 2005 / 2006)

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Zunächst eine schlechte Nachricht: Die geplante Ausstellung zu den Großsteingräbern im Braunschweiger Land wird es aus finanziellen Gründen nicht geben - zumindest nicht in diesem Jahr. Ich halte das für überaus ärgerlich. Umfangreiches, bisher unpubliziertes Material und neuere Erkenntnisse bleiben damit weiterhin schwer zugänglich bzw. unzugänglich. 

Im Frühjahr hatte ich selbst ein paar oberflächliche Recherchen angestellt.

Archäologisches Experiment: Umsetzen eines Steins vom Megalithgrab Groß Steinum mit Muskelkraft. Foto: Ortsaktenarchiv, Braunschweigisches Landesmuseum Wolfenbüttel. Mit frdl. Genehmigung.

Eine grobe Durchsicht der archäologischen Ortsakten im Archiv der Abteilung Ur- und Frühgeschichte des Braunschweigischen Landesmuseums hatte folgendes Ergebnis:
Zur Ausgrabung Tode 1950/51 Groß Steinum I und II existieren Grabungsfotos, Grabungspläne und Fundlisten. Die Funde, unter denen den Listen nach einige vielleicht unscheinbare aber durchaus aussagekräftige Stücke sind, dürften sich im Magazin des Museums befinden. Dies konnte ich nicht überprüfen. Erwähnenswert für Groß Steinum I sind die große Anzahl menschlichen Knochen, einige wenige Scherben mit Tiefstichverzierung und eine deutlich jüngere Bronzenadel. Soweit ich sehe war dieses Material aber zum Teil mit neuzeitlichen Objekten vermengt, was auf eine Zerstörung des Grabes erst in der frühen Neuzeit hindeutet.

Ausschnitt aus den Fundlisten zur Ausgrabung von Groß Steinum I. Foto: Ortsaktenarchiv, Braunschweigisches Landesmuseum Wolfenbüttel. Mit frdl. Genehmigung.

Die Beurteilung von Groß Steinum II ist schwierig. Dem Grabungsplan nach wurden hier nur wenige größere Steine, darunter aber ein sehr großer Stein (ca. 1,60 m auf 2,40 m) freigelegt. Weitere große Steine wurden "sondiert", aber nicht ausgegraben. Hier sind unter den Funden wieder menschliche Knochenreste, wenige Scherben, die nur grob als "prähistorisch" eingeordnet werden, ebenso aber auch frühneuzeitliches Material. In jedem Fall ist dieses Grab gründlicher zerstört worden, als Groß Steinum I.

Zur Ausgrabung Niquet 1968/69 Nordsteimke existieren ein Grabungsplan, eine Fotodokumentation und handschriftliche Notizen bzw. ein flüchtiges Grabungstagebuch. Leider ist mir die Handschrift recht unleserlich. Hinweise auf Funde konnte ich nicht erlesen.

Auffindungssituation der Steine von Nordsteimke. Foto: Ortsaktenarchiv, Braunschweigisches Landesmuseum Wolfenbüttel. Mit frdl. Genehmigung.

Zur Ausgrabung Rötting 1977/78 Süpplingenburg enthält die Ortsakte nur Zeitungsausschnitte, aber keine Grabungsunterlagen. Diese könnten sich in Hannover befinden, oder bei der Außenstelle des Landesdenkmalamtes in Braunschweig.

Zur Nachuntersuchung Geschwinde 1994 (die Fundmeldung datiert 01.06.1995) Groß Steinum III liegt in den Ortsakten ein maschinenschriftlicher, zusammenfassender Bericht vor. Erwähnt wird, dass das, was nach der unbeobachteten Zerstörung noch zu dokumentieren war, auch zeichnerisch und fotografisch dokumentiert wurde. Diese Unterlagen befinden sich sicher bei der Bezirksarchäologie Braunschweig.

In dem Heftchen Wilbertz: Archäologische Kulturdenkmale im Landkreis Helmstedt, Helmstedt 1985 stieß ich neulich durch Zufall auf die Erwähnung, dass auch bei dem Dorf Velpke ein Großsteingrab existiert habe. "In Velpke wurde ein Teil der Steine weggefahren, der Rest wieder zugeschüttet." (Seite 8.) Dies war mir bisher völlig unbekannt. Eine Nachfrage beim Archäologen des Braunschweigischen Landesmuseums Wolf-Dieter Steinmetz ergab allerdings, dass die Nachricht über ein zerstörtes Großsteingrab bei Velpke sehr kritisch zu sehen ist. Es gab wohl eher kein Großsteingrab in Velpke.

In der Ausstellung wären unter anderem auch weitergehende neue Erkenntnisse zu den berühmten Lübbensteinen bei Helmstedt thematisiert worden, zu ihrem jungsteinzeitlichen Umfeld (zugehörige Siedlung) und zur Lokalisierung weiterer zerstörter Gräber nach frühneuzeitlichen Berichten. 
Es mag ketzerisch klingen, aber meiner Meinung nach sollte unbedingt eine Publikation zu diesem Thema vorbereitet werden, auch wenn die Ausstellung, zu der ja ein Begleitband vorgesehen war nicht oder noch nicht realisiert werden kann.  


Lothar Jungeblut, Braunschweig, Mai 2010.


Megalithgrab Groß Steinum I.
Foto:Ortsaktenarchiv, Braunschweigisches Landesmuseum Wolfenbüttel. Mit frdl. Genehmigung.


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