|
←
zurück
zur Hauptseite
MYTHOS UND LOGOS
←
zu den Großsteingräbern der Region um Braunschweig
(Texte aus 2005 / 2006)
←
Monumente der Steinzeit II -
Großsteingräber in der Region um Braunschweig
(Februar 2010)
|
Zunächst
eine schlechte Nachricht: Die geplante Ausstellung zu den
Großsteingräbern im Braunschweiger Land wird es aus
finanziellen Gründen nicht geben - zumindest nicht in diesem
Jahr. Ich halte das für überaus ärgerlich.
Umfangreiches, bisher unpubliziertes Material und neuere Erkenntnisse
bleiben damit weiterhin schwer zugänglich bzw.
unzugänglich.
Im Frühjahr hatte ich selbst ein paar oberflächliche
Recherchen angestellt.

Archäologisches
Experiment: Umsetzen eines Steins vom Megalithgrab Groß
Steinum mit Muskelkraft. Foto: Ortsaktenarchiv,
Braunschweigisches Landesmuseum Wolfenbüttel. Mit
frdl. Genehmigung.
Eine grobe Durchsicht der archäologischen
Ortsakten im
Archiv der Abteilung Ur- und Frühgeschichte des
Braunschweigischen
Landesmuseums hatte folgendes Ergebnis:
Zur Ausgrabung Tode 1950/51 Groß Steinum I und II existieren
Grabungsfotos, Grabungspläne und Fundlisten. Die Funde, unter
denen den Listen nach einige vielleicht unscheinbare aber durchaus
aussagekräftige Stücke sind, dürften sich im
Magazin des
Museums befinden. Dies konnte ich nicht überprüfen.
Erwähnenswert für Groß Steinum I sind die
große
Anzahl menschlichen Knochen, einige wenige Scherben mit
Tiefstichverzierung und eine deutlich jüngere Bronzenadel.
Soweit
ich sehe war dieses Material aber zum Teil mit neuzeitlichen Objekten
vermengt, was auf eine Zerstörung des Grabes erst in der
frühen Neuzeit hindeutet.

Ausschnitt
aus den Fundlisten zur Ausgrabung von Groß Steinum I.
Foto: Ortsaktenarchiv,
Braunschweigisches Landesmuseum Wolfenbüttel. Mit
frdl. Genehmigung.
Die Beurteilung von Groß Steinum II ist
schwierig. Dem
Grabungsplan nach wurden hier nur wenige größere
Steine,
darunter aber ein sehr großer Stein (ca. 1,60 m auf 2,40 m)
freigelegt. Weitere große Steine wurden "sondiert", aber
nicht
ausgegraben. Hier sind unter den Funden wieder menschliche
Knochenreste, wenige Scherben, die nur grob als
"prähistorisch"
eingeordnet werden, ebenso aber auch frühneuzeitliches
Material.
In jedem Fall ist dieses Grab
gründlicher
zerstört worden, als Groß Steinum I.
Zur Ausgrabung Niquet 1968/69 Nordsteimke existieren ein Grabungsplan,
eine Fotodokumentation und handschriftliche Notizen bzw. ein
flüchtiges Grabungstagebuch. Leider ist mir die Handschrift
recht
unleserlich. Hinweise auf Funde konnte ich nicht erlesen.

Auffindungssituation
der Steine von Nordsteimke. Foto: Ortsaktenarchiv,
Braunschweigisches Landesmuseum Wolfenbüttel. Mit
frdl. Genehmigung.
Zur Ausgrabung Rötting 1977/78
Süpplingenburg
enthält
die Ortsakte nur Zeitungsausschnitte, aber keine Grabungsunterlagen.
Diese könnten sich in Hannover befinden, oder bei der
Außenstelle des Landesdenkmalamtes in Braunschweig.
Zur Nachuntersuchung Geschwinde 1994 (die Fundmeldung datiert
01.06.1995) Groß Steinum III liegt in den Ortsakten ein
maschinenschriftlicher, zusammenfassender Bericht vor. Erwähnt
wird, dass das, was nach der unbeobachteten Zerstörung noch zu
dokumentieren war, auch zeichnerisch und fotografisch dokumentiert
wurde. Diese Unterlagen befinden sich sicher bei der
Bezirksarchäologie Braunschweig.
In dem Heftchen Wilbertz:
Archäologische Kulturdenkmale im Landkreis Helmstedt,
Helmstedt 1985
stieß ich neulich durch Zufall auf die Erwähnung,
dass auch
bei dem Dorf Velpke ein Großsteingrab existiert habe. "In
Velpke
wurde ein Teil der Steine weggefahren, der Rest wieder
zugeschüttet." (Seite 8.) Dies war mir bisher völlig
unbekannt. Eine Nachfrage beim Archäologen des
Braunschweigischen
Landesmuseums Wolf-Dieter Steinmetz ergab allerdings, dass die
Nachricht über ein zerstörtes Großsteingrab
bei Velpke
sehr kritisch zu sehen ist. Es gab wohl eher kein
Großsteingrab
in Velpke.

In der Ausstellung wären unter anderem auch weitergehende neue
Erkenntnisse zu den berühmten Lübbensteinen bei Helmstedt
thematisiert worden, zu ihrem jungsteinzeitlichen Umfeld
(zugehörige Siedlung) und zur Lokalisierung weiterer
zerstörter Gräber nach frühneuzeitlichen Berichten.
Es mag ketzerisch klingen, aber meiner Meinung nach sollte unbedingt
eine Publikation zu diesem Thema vorbereitet werden, auch wenn die
Ausstellung, zu der ja ein Begleitband vorgesehen war nicht oder noch
nicht realisiert werden kann.
Lothar Jungeblut,
Braunschweig, Mai 2010.
Megalithgrab
Groß
Steinum I.
Foto:Ortsaktenarchiv,
Braunschweigisches Landesmuseum Wolfenbüttel. Mit
frdl. Genehmigung.
|
|