![]() Bemerkungen zu Großsteingräbern mit Hinblick auf die kommende Ausstellung im Braunschweigischen Landesmuseum Wolfenbüttel |
||
|
←
zurück
zur Hauptseite ←
zu den Großsteingräbern der Region um Braunschweig Springen zu: → Großsteingräber im Braunschweiger Land - Ergänzende Bemerkungen - Mai 2010 |
In der Abteilung Ur- und Frühgeschichte des Braunschweigischen Landesmuseums gibt es Planungen für eine Ausstellung “Monumente der Steinzeit II”. Sie soll sich mit dem Phänomen des Großsteingrabbaus beschäftigen und gegen Sommer eröffnen. Im Winter 2005/2006 hatte ich mich ein wenig mit diesen faszinierenden, aber auch teilweise immernoch rätselhaften Denkmälern der Jungsteinzeit beschäftigt. Nun kehren meine Gedanken zurück. Gibt es Neues? Welche Hoffnungen darf man in Bezug auf die kommende Ausstellung hegen? Die Altmark - Haldensleben - Marienborn Blicken wir zunächst in die weitere
Nachbarschaft unserer jungsteinzeitlichen Vorbewohner. In der Altmark
im nahen Sachsen-Anhalt tut sich einiges. Nach allem was wir wissen,
wurden die Großsteingräber des Braunschweiger Landes
von Angehörigen der gleichen Kulturgruppe errichtet, die in
der zweiten Hälfte des vierten Jahrtausends vor Christus auch
die Altmark besiedelte. Auf www.jungsteinsite.de findet man einen hervorragenden Bericht über eine der neuen Ausgrabungen (Lüdelsen 3, 2007), die m.E. unsere Kenntnis wirklich voran gebracht hat (siehe → HIER). Nähert man sich nun von der Altmark dem
Braunschweiger Land,
so gelangt man zunächst in die Gegend von Haldensleben. Der
“direkte” Weg nach Süden ist
gewissermaßen durch die unwegsame und siedlungsfeindliche
Sumpflandschaft des Drömmling versperrt. In der Gegend um
Haldensleben sind gar noch mehr Überreste von
Großsteingräbern auf engem Raum erhalten, als in der
Altmark. Leider aber scheint mir, dass in den vergangenen Jahren keine
neuen Forschungen unternommen wurden, die über das
hinausgehen, was PREUSS 1973 in seinem Bericht darstellte. Damit sind wir im Braunschweiger Land angekommen. Das
Braunschweiger
Land liegt unzweifelhaft am äußersten
südlichen Rand der nordischen Megalithik. Und bis vor sechzig
Jahren konnte man nur aufgrund zweifelhafter Überlieferung
vermuten, dass es hier außer den Lübbensteinen
weitere Großsteingräber gegeben hat. Seit dem wurden die Spuren folgender
Großsteingräber entdeckt und untersucht: Der Publikationsstand zu den in den letzten sechzig
Jahren in der Braunschweiger Region neu entdeckten
Großsteingräbern ist nur als - ich suche nach dem
richtigen Wort - mies
zu bezeichnen. Obwohl jeweils kompetente Archäologen vor Ort
waren, ist zu keiner der Anlagen je ein Fachartikel erschienen. Waren
die Ergebnisse der Untersuchungen wirklich so mager?
↑ Foto von 2010 1968 bemerkte ein Landwirt bei Nordsteimke (Stadt Wolfsburg) eine Ansammlung von Findlingen im Boden. Einerseits störten sie ihn bei der Feldbestellung, andererseits war die Sache doch so auffällig, dass der zuständige Archäologe Dr. Franz Niquet verständigt wurde. Die Steine wurden im folgenden Jahr freigelegt und an anderer Stelle im Ort wurde daraus 1975 ein "Dolmen" rekonstruiert. Hery
Lauer erklärte 1979 zu Nordsteimke in seinen
"Archäologischen
Wanderungen" : "Eine wissenschaftliche Überprüfung der Rekonstruktion wird erst nach Veröffentlichung des Grabungsberichtes möglich sein." Und
Robert Slawski schrieb noch 2005 völlig zurecht
für seine Webseiten →
"Region
Braunschweig - Ostfalen": Fast könnte man annehmen, Niquet hätte
1969 hier nur eine zufällige Ansammlung von Findlingen
ausgegraben. 2008 mussten die Findlinge von Nordsteimke,
mutmaßliche Reste eines Großsteingrabes, erneut
umziehen. Zu diesem Anlass wurde 2009 eine neue Informationstafel
installiert. Hier sind nun zum ersten Mal Fotos und ein Plan aus der
Grabungsdokumentation abgebildet. Vierzig Jahre nach erfolgter
Ausgrabung! Das bedeutet zunächst
einmal: Die Grabungsdokumentation ist nicht (mehr) verschollen. Und die
neue Rekonstruktion stützt sich erkennbar auf diese Unterlagen.
Nur aus der hohlen Hand von der neuen Schautafel abfotografiert: Eine Zeichnung mit der Lage der Steine bei Auffindung. Kleiner Schönheitsfehler: Der Maßstabsbalken rechts unten ist falsch beschriftet. Es handelt sich wohl um eine Zeichnung im Maßstab 1:10 auf Millimeterpapier. Entsprechend hat der Maßstabsbalken eine Länge von 0,5 Meter, nicht 5 Meter! Das sieht nun doch nach den Resten eines Großsteingrabes aus. Die von Dr. Wallbrecht (Stadtarchäologe Wolfsburg/Kreisarchäologe Gifhorn) auf der neuen Tafel formulierte Vermutung, dass es sich hierbei nicht um einen sogenannten Dolmen gehandelt haben wird, sondern eher um den Rest einer ehemals längeren Kammer, erscheint angesichts des Planes sehr plausibel. Vielleicht gibt es ja doch noch das eine oder andere interessante Detail in Niquets Unterlagen. Ich denke da auch an seine berüchtigten Notizhefte, die sich im Archiv des Braunschweigischen Landesmuseums in Wolfenbüttel befinden. Wie weiträumig wurde das Umfeld untersucht? Gab es tatsächlich keine Bodenverfärbungen, die die Standspuren weiterer, längst entfernter Steine anzeigen könnten? Keine Reste eines Rollstein- oder Bruchsteinpflasters, wie es häufig den Boden einer Kammer bedeckt? Ich hege die geheime Hoffnung, dass im Zuge der Vorbereitung für "Monumente II" sich jemand der Unterlagen annimmt.
Meine reizende "Assistentin" Julia. - Es war nicht warm an diesem Tag. Wir können annehmen, dass sich in der Umgebung
der inzwischen bekannten Großsteingräber im Norden
des Braunschweiger Landes einst noch weitere solche Anlagen befanden.
Ein Großsteingrab kommt selten allein. Und wir
dürfen hoffen, dass sich Spuren solcher weiterer
Gräber noch im Boden erhalten haben, die vielleicht irgendwann
ans Tageslicht kommen. Lothar Jungeblut, Braunschweig, Februar 2010. |
|
|
|
||