Ankündigung:

Für die kommenden Wochenenden herrscht in Isingerode Grabungspause.
Der nächste reguläre Grabungstag ist SONNTAG, der 10. 10. 2010.
Während der Grabungspause in Isingerode finden Vorbereitungen für geophysikalische Prospektion durch das Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik der TU Braunschweig  statt. Ansprechpartner ist Prof. Dr. Achim Block. Wenn in den kommenden Tagen im Umfeld des Burgwalles z.T. unbekannte Personen mit Messgeräten hantieren, handelt es sich vermutlich um Studenten der Technischen Universität. 
In der Grabungspause wird auch die Fundaufarbeitung (vor allem das Beschriften der Funde) fortgesetzt. Ansprechpartner hierfür ist Gisela.


- persönliche Erlebnisberichte von der Ausgrabung am vorgeschichtlichen Burgwall bei Isingerode -

Folge 11: Bis zum 22. August

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MYTHOS UND LOGOS

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Literaturliste


Da unsere Grabung in eine längere Pause geht, folgt hier ein etwas längerer Bericht.
→ Arbeitsbedingungen
→ Erkenntnisfortschritt
→ "Fund des Tages" vom 15.08.
→ Prospektion
→ Führungen am Sonntag

Arbeitsbedingungen

Am Samstag den 14.08. herrschten optimale Boden- und Wetterbedingungen. Am Sonntag den 15. regnete es den ganzen Tag. Das mit elf Helfern und Chef gut besetzte Team ließ sich dadurch aber weder von der Arbeit abhalten, noch die gute Laune verderben.

Mittagspause im Regen. Foto: Bärbel 

Der folgende Samstag (21.) blieb bei hevorragenden Bedingungen trocken, so dass alle Vorbereitungen für die am Sonntag erwarteten Besucher getroffen werden konnten. 
Das "starke" Team vom Sonntag: Achim und Achim, Angelika, Axel, Bärbel, Bernd, Gabi, Harald, Ingrid, Jochen, Lothar, Manfred, Martina, Michael, Steffen plus Grabungsleiter Wolf-Dieter plus Dr. Thomas Schenk.

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Erkenntnisfortschritt ↓überspringen


In Folge 6 hatte ich ein paar Fragen formuliert, bei denen es um Details der Befundlage und Stratigraphie ging. Zwar sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen, aber ich möchte hier unsere vorläufigen Antworten, hauptsächlich basierend auf der Interpretation unseres Grabungsleiters wiedergeben.

Klein die schematische Grafik aus dem Mai, &groß eine aktualisierte Version.

No. 1: Die Brandschicht zieht sich herunter bis auf die teilweise von ihr überdeckte Kulturschicht No.3.

Durch das erneute Putzen des diagonalen Nordostprofils wurde auch der Wallaufbau wieder gut erkennbar. Für mich überraschend war dabei die Entdeckung eines in den gewachsenen Boden eingetieften Pfostenloches, dass aber den Lehmsockel, der die Basis einer frühen bzw. der ältesten Wallbauphase bildet, nicht durchstößt (nicht auf dem Foto oben). Dies unterstützt erneut die Interpretation, dass es sich bei dem Lehmsockel um eine künstliche Struktur, und nicht etwa um den einzig unter dem Wall erhaltenen Rest einer ehemals die Hochfläche bedeckenden, in der Pflugschicht aufgegangenen Lößdecke handelt. 



Die in dieser Kampagne gefundenen verschiedenen Bronzefragmente (z.B. das Stück einer Nadel im Foto links, aber nicht die in der Presse erwähnte Lanzenspitze, die in einen ganz anderen Zusammenhang gehört) werden vom Ausgrabungsleiter noch dem Brandschutt zugeordnet. Ein kleines Stück Bronzedraht, das ich selbst fand, war eine Profilfund aus dem nicht ganz scharfen Übergangsbereich zwischen Brandschicht und Kulturschicht. 




No. 2 und 5.: Nach dem Abtrag 100cm unter Oberfläche im Quadranten 70-75N/5-10E scheint unter der ominösen Kiesschicht erneut eine antropogen beeinflusste Schicht zu folgen. Dies führt uns zu der vorläufigen Interpretation, dass hier in der Bauphase zu Brandschicht 2 tatsächlich eine Unterbrechung des Walles, sprich eine Torsituation bestand. 

No. 3: Die dunkel-humosige, stark mit Keramikbruch (siehe auch den “Fund des Tages” unten) durchsetzte Kulturschicht zieht sich parallel  zum Wall. Es handelt sich nicht um eine Anzahl mehrerer Gruben, sondern um eine geschlossene Schicht. Sie erreicht eine Mächtigkeit von bis zu vierzig Zentimetern und dürfte entsprechend über einen längeren Zeitraum entstanden sein. Nach Durchsicht charakteristischer Kleinfunde durch den Grabungsleiter datiert ihre Entstehung in die Zeit bis maximal zum Einsetzen der horizontal gerieften Ware, grob bis ins 10. Jahrhundert vor Christus. 

Da ich an den vergangenen Wochenenden malwieder mit Profilputzarbeiten beschäftigt war, nämlich am diagonalen Nordostprofil, gehen mir eine Reihe von stratigrafischen Detailfragen durch den Kopf, mit denen ich hier nicht langweilen möchte. Letztendlich beantwortet aber nur eine detailierte Analyse der Stratigraphie die Frage, was hier in welcher Reihenfolge passiert ist, und welche Strukturen sicher, welche wahrscheinlich gleichzeitig bestanden. Sprich: Man muss mal eine Harris-Matrix anfertigen. Das Problem dabei wird die Definition stratigraphischer Einheiten sein. Wenn ich “putze”, geht es mir nicht darum, einfach eine glatte Fläche zu erzeugen, sondern Materialunterschiede im Boden, Strukturen sichtbar zu machen. Dennoch gibt es nicht immer scharfe Schichtgrenzen, sondern vielfach unscharfe Übergänge. 

No 7: Das Wandgräbchen setzt sich definitiv in der Schnitterweiterung West fort. Pfostensetzungen sind hier aber bisher nicht erkennbar.



No. 8: Im Umfeld des “großen Steines” ist eine hohe Anzahl von Feuersteinabschlägen festgestellt worden. Das Foto zeigt Markierungen für alle solchen Abschläge im jüngsten Abtrag. Der Zusammenhang zwischen dem großen Stein und den Flitabschlägen wird kaum zufällig sein. Es handelt sich hier wohl um einen Arbeitsplatz zur Feuersteinbearbeitung. Es sei noch einmal erwähnt: Auch wenn dieser Arbeitsplatz den Kontext der jüngeren oder späten Bronzezeit gehört: Feuerstein bleibt in dieser Epoche ein wichtiger Werkstoff! Eine sichere stratigraphische Anbindung des Befundes zu den Befunden “Wandgräbchen” und “Kulturschicht” besteht jedoch m.E. nicht.

Zwischenbilanz:
Was können wir bisher über den Innenraum der Isiburg aussagen? (Von den Details abgesehen...)
Der Innenraum der Befestigung wurde in den Phasen “früh”, “Haupt” und “spät” (jüngere Bronze- bis frühe Eisenzeit) regelmäßig benutzt und war sehr wahrscheinlich auch in allen drei Phasen bebaut. Hinweise darauf, dass der Innenraum eine besondere Funktion (Heiliger Bezirk, Herrschaftssitz o.ä.) sind bisher nicht aufgetreten.
Enttäuschender Weise gibt es noch immer KEINEN Hinweis aus dem Innenraum für die Nachnutzungsphase ("Germanen" - um Christi Geburt).   

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Fund des Tages vom 15. August 2010:

Am regnerischen Sonntag den 15. brachte Bärbel beim Abtrag der Kulturschicht diese sehr schön verzierte Scherbe zu Tage. Sie sticht aus der Masse des Fundgutes heraus. Bei "schraffierten Dreiecken" denkt man in unserer Region vielleicht zunächst an Verzierungen der sogenannten "Nienburger Gruppe" der frühen Eisenzeit. Tatsächlich ist das schraffierte Dreieck eine weitverbreitete Verzierung. Es begegnet z.B. auch auf Bronzen der frühen Bronzezeit im Norden. Hier muss man etwas genauer hinsehen. Wie auch der uns befreundete Archäologe Jörg Weber, der sich früher einmal intensiv mit der regionalen frühen Eisenzeit befasst hatte, bemerkte, ist dieses Stück viel feiner gearbeitet, als die Nienburger Keramik. Ich selbst hatte ein Beispiel graffittierter Ware aus Schlesien (jüngere Bronzezeit) im Kopf, als ich die Scherbe zum erstenmal sah. Unser Chef Wolf-Dieter mochte auch nicht an Nienburg glauben, zumal der Fund definitiv aus einer Schicht mit mehreren charakteristischen Funden, die nach Periode IV oder V früh verweisen, stammte. (Das ist ein paar Jahrhunderte älter als die Nienburger Gruppe.) Er lag zwischen den Steinen des Pflasters in der berüchtigten Kulturschicht. Auch wenn es sich nur um einen einzelnen Kleinfund handelt: Er erscheint chronologisch relevant; und da er für unsere Region eher untypisch ist, verweist er wohl darüber hinaus auf kulturelle Fernbeziehungen. Wolf-Dieter ist der Sache nachgegangen. (Ähem - seine Handbibliothek ist etwas größer als meine...) Die besten Entsprechungen für das vorliegende Stück fand er in der südwestdeutschen Urnenfelderkultur.

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Prospektion

Am 21. und 22. August war wieder einmal Dr. Thomas Schenk mit Eqipment bei uns in Isingerode. Den Samstag verbrachte er damit, mit einem hochpräzisen GPS Empfänger Daten für die Erstellung eines dreidimensionalen Geländemodells aufzunehmen. Nebenbei: Eine sportliche Ausdauerleistung. Das Gerät ist schwer, und ich möchte nicht ausrechnen, welche Strecke Thomas von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Bahn für Bahn den Acker abschreitend zurückgelegt hat. (Dreißig, vierzig Kilometer?)

Am Sonntag wurde in dem erprobten Verfahren mit dem Messwagen die geophysikalische Prospektion des Umfeldes fortgesetzt. Mit den bisherigen Magnetbildern war keine Grenze des befundverdächtigen Areals (der mutmaßlichen Außensiedlung) erreicht. Entsprechend wurden anschließende Flächen nach Osten und Norden prospektiert. Michael und ich verbrachten annähernd den ganzen Sonntag als Messhelfer mit Thomas auf dem Acker, weshalb wir wenig davon mitbekamen, was sich am Schnitt abspielte.
War den ganzen Tag über das Wetter sonnig und stabil, so kam gegen Abend, als alle Besucher schon gegangen und der Schnitt längst aufgeräumt, wir aber noch bei den Messungen waren, eine Gewitterfront über uns. Nach einer Unterbrechung setzten wir dann im Regen die Messungen weiter fort. Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse.

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Eindrücke von der (zweiten) Führung am 22.08.:

Wolf-Dieter Steinmetz erläutert die Befunde.

Präsentation von aussagekräftigen Kleinfunden der diesjährigen Kampagne: Keramik, Knochen, Flint, Bronze.

Nach grober Zählung bei den Führungen schätzen wir die Anzahl der Besucher an diesem Tag auf etwa 150. Da wir in diesem Jahr aufgrund des Arbeitsstandes keinen großangelegten "Tag der offenen Ausgrabung" veranstalten wollten und entsprechend den Aufwand an Vorbereitung und Werbung für die Veranstaltung in Grenzen hielten, sind wir mit dieser Zahl sehr zufrieden. Unter den Besuchern waren auch einige Fachleute, so die Archäologen Christine Kellner-Depner, Dr. Heike Pöppelmann und Jörg Weber, aus dem Umfeld unseres Grabungsprojektes Prof. Wolfgang Meibeyer sowie die Geophysiker Christopher Virgil und Matthias Petzke. Es hat mich besonders gefreut, einige "Freunde der Archäologie" wiederzusehen, die nicht oder nicht mehr zum aktiven Ausgrabungsteam gehören, auch wenn ich wenig Zeit für Gespräche hatte, weil wir draußen auf dem Acker abseits der Besucher die geophysikalische Prospektion vorantreiben wollten.

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"Fier Frauen Für FABL"


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