- persönliche Erlebnisberichte von der Ausgrabung am vorgeschichtlichen Burgwall bei Isingerode -

Folge 9: 10. und 11. Juli 2010

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MYTHOS UND LOGOS

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Literaturliste

Es ist heissssssss!

Temperaturen um 35 Grad im Schatten - wo Schatten ist. Da müssen Sonnenschirme aufgespannt werden. Ab mittags spendet der nahe Wald zumindest für einen Teil der Fläche Schatten. Der Boden ist fast überall knüppelhart. Mein persönlicher Flüssigkeitsverbrauch am Samstag: Viereinhalb Liter Wasser und ein Bier. Es ist, als ob der Hochsommer die doch eher kühle erste Jahreshälfte wettmachen wollte.

Am Sonntag nahmen zumindest ein paar Wolken der Sonne etwas von ihrer Energie. Obwohl vom Harz her Donnergrollen erklang, blieb das Gewitter und der sehnlichst erhoffte Regen in Isingerode aus.
Das Team war mit sechs Helfern am Samstag und neun Helfern am Sonntag (plus Chef) trotz der unkomfortablen Bedingungen gut besetzt.

Erwähnt werden soll auch, dass in der vorherigen Woche auf der Ausgrabung eine Kinderferienpassaktion stattfand. Unter der Aufsicht von zwei grabungserfahrenen Fachstudenten konnten hier Kinder einen praktischen Einblick in die archäologische Arbeit gewinnen. Soweit ich gehört habe, zeigten die Kinder großen Einsatz und haben ihre Sache gut gemacht.

Werfen wir einen Blick auf die ansehnliche "Ausbeute" des Wochenendes - Funde und Beobachtungen. Zur Orientierung gibt es vorweg einen Übersichtsplan, in dem sieben interessante Stellen markiert sind, auf die ich eingehen möchte. 

(Für die Fotos gilt: Sie sind doppelt so groß hinterlegt, wie sie angezeigt werden. Mit dem der rechten Maustaste und der Funktion "Grafik anzeigen" - oder ähnlich je nach Browser - kann man sie entsprechend größer ansehen.)


In der Schnitterweiterung haben wir mit etwa 90-100cm unter Oberfläche eine Tiefe erreicht, in der wir auf die bekannte Kulturschicht stoßen sollten. Und das scheint auch der Fall zu sein. Gisela und Angelika konnten hier auf engem Raum eine große Anzahl von zum Teil dicht an dicht liegenden Scherben freilegen. Fraglich ist nur, ob sie schon jener Kulturschicht zuzurechnen sind, oder aber noch dem darüberliegenden Brandschutt, der gerade in diesem Bereich ausläuft. Da sehen wir klarer, wenn Planum und Profil geputzt sind.

Links: (Nummer 1) Mehrere große Scherben, darunter der in einem Stück erhaltene, ca. 20 cm durchmessende Boden eines Gefäßes. 
Mitte: (Nummer 2) Angelika legt eine Fläche frei, die dicht an dicht, leider zum großen Teil stark fragmentierte Keramik enthält. Möglicherweise handelt es sich um die Überreste von nur einem, maximal zwei Gefäßen, die hier regelrecht plattgewalzt wurden.
Rechts: Nach der fotografischen Dokumentation des Befundes werden die Einzelteile aufgenommen. Bei dem vorliegenden Befund war eine Blockbergung nicht angezeigt. 

Einige der größeren Stücke aus der Scherbenkonzentration (Nummer 2) waren verziert.
Links: Eine Scherbe mit dem Ansatz schräger Kannelurenverzierung.
Mitte: Bogenförmige Verzierung: Nach Einschätzung des Grabungsleiters könnte sich hier ein Datierungsansatz nach Periode IV ergeben, also in die ältere Befestigungsphase von Isingerode.
Rechts: Ebenfalls mit senkrechten bzw. leicht schrägen Kanneluren verzierte Scherben, gefunden bei der Ferienpassaktion nur etwa einen Meter entfernt von Angelikas Fundstelle.

Zwei weitere Scherbenkonzentrationen (Nummer 3 und 4 im Übersichtsplan) legte Bärbel in Quadrant 65-70N/0-5E- frei. Diese sind definitiv der in den benachbarten Quadranten festgestellten Kulturschicht zuzuordnen. Bei Nummer drei fanden sich außerdem mehrere, leider sehr schlecht erhaltene größere Knochen. Ebenso kann auch hier wieder ein Steinpflaster bzw. eine Steinlage festgestellt werden.
 

Links: (Nummer 3) Einzelne Steine des noch nicht vollständig freigelegten Steinpflasters ragen aus dem Boden, dazwischen Knochen und Scherben.
Mitte: Die Scherben stammen von mehreren verschiedenen Gefäßen, was an Randscherben sehr unterschiedlicher Gestaltung erkennbar war. Hier ein Exemplar mit einer besonderen Verzierung.  Vergleichbares ist mir bisher nicht aufgefallen. Vielleicht findet der Grabungsleiter dazu Parallelen, die einen weiteren Datierungsansatz liefern.
Rechts: (Nummer 4) Dickwandige Scherben eines grobkeramischen Gefäßes.

Auch an anderen Stellen wurde natürlich wieder unterschiedlichster Keramikbruch gefunden, diese vier aber gingen über das Übliche hinaus. Bei den folgenden drei Stellen geht es nicht um Keramik:

Links: (Nummer 5) Nachgeliefert hier ein Bild von der Lage der für die Verhältnisse in Isingerode ungewöhnlich großen Steine, die ich in der letzten Folge erwähnte.
Mitte: (Nummer 6) Was ist das? Ein "weißer Brocken" aus porösem Material. Bei den derzeitigen Bodenverhältnissen sieht  Knochen hellweiß aus, während in einigermaßen feuchtem Boden Knochen eine eher gelbliche Farbe hat. Unter besseren Bedingungen werden wir das mal gaaaanz vorsichtig freilegen. Vielleicht ist es auch bedeutungslos, aber falls es sich um Knochen handelt, muss es ein größeres Teil - Schädel, Schulterblatt, Becken o.ä. - eines großen Tieres handeln.
Rechts: (Nummer 7 ) Bei Begradigungsarbeiten am Westprofil (ernsthaft "putzen" kann man es erst, wenn es wieder feucht ist) kam der unterhalb der Bildmitte sichtbare, außergewöhnlich große Stein zum Vorschein. Die Unterseite des Steines ist flach. Hierbei könnte es sich um einen Mahlstein handeln. Er liegt im oberen Bereich der Kulturschicht. Genaueres, und wie groß der Stein tatsächlich ist, werden wir allerdings erst erfahren, wenn irgendwann die Profilwand abgebaut wird.

Es darf gerne so weitergehen in Isingerode. ES DARF GERNE DEMNÄCHST REGNEN!

Eine Anekdote zum Schluss: Neulich beim Bäcker in Braunschweig - zufällig trug ich mein Grabungsshirt. Die Bäckereiverkäuferin starrte mir merkwürdig auf die Brust. "Wissen Sie, ich wollte nur lesen, was da steht. Es gibt nämlich ein Dorf südlich von Wolfenbüttel, zwischen Schladen und Hornburg, falls sie das kennen. Das heißt auch "Isingerode", und da bin ich aufgewachsen." Tja. Ich erklärte ihr, dass ich auf einem Acker bei genau diesem Dorf seit 2006 einen Großteil meiner Wochenenden verbringe. Und ich hoffe, das wird noch einige Zeit so bleiben.


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