- persönliche Erlebnisberichte von der Ausgrabung am vorgeschichtlichen Burgwall bei Isingerode -

Folge 8: bis 04 Juli 2010

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MYTHOS UND LOGOS

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Vier Wochen später

Vier Wochen sind seit meiner letzten Nachricht auf dieser Webseite zu unserem Ausgrabungsprojekt vergangen. Ich hatte ein paar Grabungstage ausgesetzt und an den letzten beiden Wochenenden zwar Zeit zum Graben, nicht aber zum Schreiben gefunden.
In einigen Bereichen ging es nicht so schnell voran, wie erhofft. Jetzt wo der Sommer so richtig ausgebrochen ist, mit Temperaturen um und über dreißig Grad, sind nach drei Wochen ohne nennenswerten Regen die Flächen zum Teil völlig ausgetrocknet und betonhart. Das macht die Arbeiten mühsam. Dennoch ist natürlich einiges passiert. Eine wesentliche Neuerung fällt auf dem folgenden Übersichtsbild sicher sofort ins Auge:

Ausgrabungsfläche von Norden

Es gibt eine Schnitterweiterung nach Westen. Den drei Meter breiten, bisher als "Verkehrsfläche" genutzten Streifen zwischen dem Schnitt und der Waldgrenze graben wir nun auch aus. Ich zeige das nochmal als schematische Grafik, bevor ich das "Warum und Wie" erläutere.

Warum? Ziel unserer diesjährigen Kampagne ist die Überprüfung der Erhaltung von Siedlungs- und Bebauungsspuren innerhalb der Befestigung. Ein sehr heikler Punkt bei vorgeschichtlichen Befestigungsanlagen: Bei anderen vorgeschichtlichen Befestigungen haben sich zwar Wälle und Gräben erhalten, aber Spuren einer Innenbebauung waren nicht mehr feststellbar, weil sie z.B durch landwirtschaftliche Nutzung in späteren Zeiten oder durch Errosion zerstört waren. Wir haben nun in Isingerode das Glück, dass sich hier zum Teil eine alte Kulturschicht erhalten hat, und dass wir auf den Ansatz eines Hausgrundrisses gestoßen sind. Diesen Befund müssen wir natürlich nun soweit wie irgend möglich freilegen. 

Da wir aus von den angrenzenden Flächen wussten, dass erkennbare Befunde erst in größerer Tiefe einsetzen, wurden zunächst 50 cm Deckschicht maschinell entfernt. Dazu stellte uns die Samtgemeinde Schladen erneut ihren Mini-Bagger und den kundigen Baggerführer zur Verfügung. Vielen Dank für die Unterstützung!
Die nächsten zwanzig Zentimeter wurden mit grobem Gerät abgetragen. Erst der Abtrag auf 80cm unter heutiger Oberfläche erfolgte in bewährter Weise mit Kellen. Dabei wurde tatsächlich -wie erhofft - die Fortsetzung des aus Quadrant 70-75N/0-5E bekannten Wandgräbchens erahnbar. In dem Abtrag befanden sich größere Mengen stark zerscherbter Keramik.
Bemerkenswert sind zwei große Steine am nördlichen Ende des Schnittes, einer davon geschätzt mehr als 30 cm in der längsten Ausdehnung. Nun ist der Boden hier sicherlich durchsetzt mit Unmengen von Steinen. Diese sind aber kaum größer als eine geballte Faust. Die beiden Steine fallen absolut aus dem Rahmen. Sie befinden sich sicherlich nicht zufällig hier. Soweit sie bisher freigelegt sind, handelt es sich allerdings nicht um Mahlsteine. Wenn sie vollständig freigelegt sind, werden wir sie mal etwas genauer ansehen. Und dann mache ich auch ein Foto.
Der Schwerpunkt der Arbeiten lag  in der Schnitterweiterung. Das hat natürlich auch den "taktischen" Grund, dass hier der Boden nicht so hart war und dieser Bereich zumindest ab mittags im Schatten liegt. In den anderen Quadranten ging es, wie gesagt, nicht so gut voran. Dennoch ist im Quadranten 70-75N/5-10E und in dem Dreieck ("halber Quadrant" ) 65-70N/0-5E- die dunkel humosige Kulturschicht bei 90 bis 100 unter heutiger Oberfläche erreicht.  
Als weitere Beobachtung ist festzuhalten, dass sich in dieser Kulturschicht bei 60-63N ziemlich viele, größere Knochen bzw. Knochenstücke befinden. Leider ist der Erhaltungszustand sehr schlecht. Vermutlich wird nur an einigen wenigen Zähnen eine Tierbestimmung möglich sein.

Ich hoffe inständig, dass es vor dem nächsten Wochenende regnet. Denn es drängt mich doch sehr, das Planum 70-75N/5-10E zu putzen. In dem derzeitigen Zustand des Bodens hat das allerdings gar keinen Zweck.

Neben dem Schleppen von schweren Eimern in glühender Hitze und dem Kratzen der Kellen über die ausgetrocknete Erde gab es auf der Ausgrabung allerdings auch - abseits der Archäologie:
- Die nächtliche Feier zum Geburtstag unserer Vereinsvorsitzenden Bärbel (unten links).
- Das Fußball-Weltmeisterschaftsspiel Deutschland - England, das ein kleiner, harter Kern der Truppe auf einem mit DVBT-Empfänger ausgestatteten Notebook ansah (unten rechts).
- Ein opulentes Fischessen mit von Haralds Sohn eigenhändig gefangenem und geräuchertem Aal - aus der heimischen Oker!


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