|
←
zurück
zur Hauptseite
MYTHOS UND LOGOS
←
zurück
zur
vorigen Folge
→ weiter zur
nächsten Folge
_______________________
← Winterpause
← Keramik
Brandschicht 2
← Folge 1
← Folge 2
← Folge 3
← Folge 4
← Folge 5
← Folge 6
← Folge 7
→ Folge 9
→ Folge 10
→ Folge 11
→ Folge 12
→ Folge 13
_______________________
↓ springen zu
Isingerode
2009
Isingerode
2008
Isingerode 2007
Isingerode 2006
_______________________
Literaturliste
|
Vier Wochen
später
Vier Wochen sind seit meiner letzten Nachricht auf
dieser Webseite zu
unserem Ausgrabungsprojekt vergangen. Ich hatte ein paar Grabungstage
ausgesetzt und an den letzten beiden Wochenenden zwar Zeit zum Graben,
nicht aber zum Schreiben gefunden.
In einigen Bereichen ging es nicht so schnell voran, wie erhofft. Jetzt
wo der Sommer so richtig ausgebrochen ist, mit Temperaturen um und
über dreißig Grad, sind nach drei Wochen ohne
nennenswerten
Regen die Flächen zum Teil völlig ausgetrocknet und
betonhart. Das macht die Arbeiten mühsam. Dennoch ist
natürlich einiges passiert. Eine wesentliche Neuerung
fällt
auf dem folgenden Übersichtsbild sicher sofort ins Auge:

Ausgrabungsfläche
von Norden
Es gibt eine Schnitterweiterung nach Westen. Den drei
Meter
breiten, bisher als "Verkehrsfläche" genutzten Streifen
zwischen
dem Schnitt und der Waldgrenze graben wir nun auch aus. Ich zeige das
nochmal als schematische Grafik, bevor ich das "Warum und Wie"
erläutere.
Warum?
Ziel unserer diesjährigen Kampagne ist die
Überprüfung der Erhaltung von Siedlungs- und
Bebauungsspuren
innerhalb der Befestigung. Ein sehr heikler Punkt bei
vorgeschichtlichen Befestigungsanlagen: Bei anderen vorgeschichtlichen
Befestigungen haben sich zwar Wälle und Gräben
erhalten, aber
Spuren einer Innenbebauung waren nicht mehr feststellbar, weil sie z.B
durch landwirtschaftliche Nutzung in späteren Zeiten oder
durch
Errosion zerstört waren. Wir haben nun in Isingerode das
Glück, dass sich hier zum Teil eine alte Kulturschicht
erhalten
hat, und dass wir auf den Ansatz eines Hausgrundrisses
gestoßen
sind. Diesen Befund müssen wir natürlich nun soweit
wie
irgend möglich freilegen.
Da wir aus von den angrenzenden Flächen wussten, dass
erkennbare
Befunde erst in größerer Tiefe einsetzen, wurden
zunächst 50 cm Deckschicht maschinell entfernt. Dazu stellte
uns die Samtgemeinde Schladen erneut ihren
Mini-Bagger und den kundigen Baggerführer zur
Verfügung. Vielen Dank für die Unterstützung!
Die nächsten zwanzig Zentimeter wurden mit grobem
Gerät
abgetragen. Erst der Abtrag auf 80cm unter heutiger Oberfläche
erfolgte in bewährter Weise mit Kellen. Dabei wurde
tatsächlich -wie erhofft - die Fortsetzung des aus Quadrant
70-75N/0-5E bekannten Wandgräbchens erahnbar. In dem Abtrag
befanden sich größere Mengen stark zerscherbter
Keramik.
Bemerkenswert sind zwei große Steine am nördlichen
Ende des
Schnittes, einer davon geschätzt mehr als 30 cm in der
längsten Ausdehnung. Nun ist der Boden hier sicherlich
durchsetzt
mit Unmengen von Steinen. Diese sind aber kaum
größer als
eine geballte Faust. Die beiden Steine fallen absolut aus dem Rahmen.
Sie befinden sich sicherlich nicht zufällig hier. Soweit sie
bisher freigelegt sind, handelt es sich allerdings nicht um Mahlsteine.
Wenn sie vollständig freigelegt sind, werden wir sie mal etwas
genauer ansehen. Und dann mache ich auch ein Foto.
Der Schwerpunkt der Arbeiten lag in der Schnitterweiterung.
Das
hat natürlich auch den "taktischen" Grund, dass hier der Boden
nicht so hart war und dieser Bereich zumindest ab mittags im Schatten
liegt. In den anderen Quadranten ging es, wie gesagt, nicht so gut
voran. Dennoch ist im Quadranten 70-75N/5-10E und in dem Dreieck
("halber Quadrant" ) 65-70N/0-5E- die dunkel humosige Kulturschicht bei
90 bis 100 unter heutiger Oberfläche erreicht.
Als weitere Beobachtung ist festzuhalten, dass sich in dieser
Kulturschicht bei 60-63N ziemlich viele, größere
Knochen
bzw. Knochenstücke befinden. Leider ist der Erhaltungszustand
sehr
schlecht. Vermutlich wird nur an einigen wenigen Zähnen eine
Tierbestimmung möglich sein.
Ich hoffe inständig, dass es vor dem nächsten
Wochenende
regnet. Denn es drängt mich doch sehr, das Planum 70-75N/5-10E
zu
putzen. In dem derzeitigen Zustand des Bodens hat das allerdings gar
keinen Zweck.
Neben dem Schleppen von schweren Eimern in glühender Hitze und
dem
Kratzen der Kellen über die ausgetrocknete Erde gab es auf der
Ausgrabung allerdings auch - abseits der Archäologie:
- Die nächtliche Feier zum Geburtstag unserer
Vereinsvorsitzenden Bärbel (unten links).
- Das Fußball-Weltmeisterschaftsspiel Deutschland - England,
das
ein kleiner, harter Kern der Truppe auf einem mit
DVBT-Empfänger
ausgestatteten Notebook ansah (unten rechts).
- Ein opulentes Fischessen mit von Haralds Sohn eigenhändig
gefangenem und geräuchertem Aal - aus der heimischen Oker!

|
|