- persönliche Erlebnisberichte von der Ausgrabung am vorgeschichtlichen Burgwall bei Isingerode -

Folge 7: 5. und 6. Juni 2010

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Vier Jahre Ausgrabung in Isingerode


Foto: Bärbel Steinmetz

So schnell vergeht die Zeit. Und die Kinder werden groß. In der ersten Folge meines kleinen Grabungstagebuches von 2006 gibt es ein Foto von meiner großen Tochter Johanna Jasmin. Das ist vier Jahre her. Damals war nicht abzusehen, dass wir uns so lange in Isingerode aufhalten würden. Inzwischen wissen wir, wie hochkarätig dieser Fundplatz ist. Wenn das Team zusammenhält und wir die jeweils nötigen Genehmigungen für weitere Untersuchungen bekommen, gibt es hier noch für längere Zeit genug für uns zu tun. (Und natürlich gibt es in meinem Kopf eine Wunschliste für weitere Grabungsflächen bzw. Sondierungsschnitte sowohl im Inneren der Befestigung, als auch weit draußen in der mutmaßlichen Außensiedlung.)


Zum vergangenen Wochenende ein paar knappe Mitteilungen: Es war sommerlich heiß. Da es aber die ganze Woche über immer malwieder geregnet hatte, waren die Flächen noch nicht zu sehr ausgetrocknet.
Am Samstag war das Team mit sechs Mann (bzw. drei Frau / drei Mann) eher dünn besetzt. Ich selbst war nicht mit dabei, habe aber wohl wirklich etwas verpasst. Es wurden einige interessante Funde gemacht, die ich bisher nur auf schnellen Fotoausdrucken zu Gesicht bekommen habe. Vor allem konnten in der dunklen "Kulturschicht" (in der Skizze der letzten Folge Nummer 3a) größere Teile von mindestens zwei Gefäßen freigelegt werden, die eine besondere Randgestaltung aufweisen.


Keramik in der Kulturschicht ca. 1 m 10 unter heutiger Oberfläche / Quadrant 70-75N/0-5E. Links: Übersicht mit Maßstab, rechts: Detail. Foto: Bärbel Steinmetz

Nimmt man die Keramikfunde der vergangenen Grabungstage aus dem Umfeld dazu, sollte sich doch etwas zusammensetzen lassen, dass uns einen Datierungsansatz liefert. Ungewöhnlich sind die Randscherben, die zu einem scheinbar dreigliedrigen Gefäß mit breitem, annähernd waagerechten Rand gehören. Vergleichbares ist mir hier in Isingerode bisher nicht begegnet. Und wenn ich so - als Laie - in meiner kleinen Handbibliothek nach ähnlichen Formen blättere, sieht das sehr dünn aus. Es könnte sich entweder um sehr frühe Formen (HaA oder älter) oder sehr, sehr späte - nicht mehr bronzezeitliche - handeln. Noch haben wir keine durchgehenden Profile, aber es sieht doch mehr und mehr danach aus, dass diese dunkle Kulturschicht stratigraphisch unter dem Brandschutt des Walles liegt. Damit ist "früh" wahrscheinlicher.
In den angrenzenden Quadranten ist der Abtrag noch nicht so weit fortgeschritten, dass die Fortführung dieser Kulturschicht sichtbar würde. In 70-75N / 5-10E werden bei 80 cm uhO endlich Unterschiede im Boden erkennbar. Ich hatte den Quadranten bisher immer als "befundfrei" eingestuft.

Am Sonntag hat sich Matthias Petzke vom Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik der TUBS bei uns umgesehen. Die Pläne für die geophysikalische Prospektion im Waldstreifen nehmen langsam Gestalt an. Mit unserem Grabungsleiter Wolf-Dieter Steinmetz, unserem Vermessungsexperten Bernd Maul und Prof. Dr. Joachim Block wurde das Terrain erkundet. Diskutiert wurden die Möglichkeiten, ein geeignetes Messraster aufzubauen. Es bleibt noch zu testen, ob ein GPS-gestütztes Vermessungssystem im Wald mit hinreichender Genauigkeit funktioniert. Das wäre natürlich sehr bequem. 


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