- persönliche Erlebnisberichte von der Ausgrabung am vorgeschichtlichen Burgwall bei Isingerode -

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Folge 5: Ausgrabungen bis zum 13. Mai (Vatertag)


Am Vatertag besuchte uns Familie Meyer, Eigentümer des Ackers, auf dem wir graben. Sie hatte Kuchen mitgebracht. Gelegenheit für eine Pause des Grabungsteams.
Foto unten Mitte: Jochen, erst Anfang dieser Kampagne zu uns gestoßen, ist seit dem einer unserer eifrigsten Mitarbeiter.

Mit acht bis elf Grabungshelfern kommen wir in unserer ja nicht sehr großen Fläche recht schnell voran, besonders, wenn das Wetter mitspielt, der Boden feucht bleibt,  aber weder trocken = hart, noch nass = klebrig ist. Insofern haben wir derzeit optimale Arbeitsbedingungen. 

Was die Beschreibung der Flächen bzw. Befunde angeht, möchte ich mich vorerst etwas zurückhalten. In etwa drei Wochen, schätze ich, haben wir einen Stand erreicht, bei dem sich eine eingehendere Beschreibung lohnt. Dann werden wir in den Profilen auch an einigen kritischen Stellen klarer sehen und man darf dann vielleicht eine vorläufige Interpretation wagen, wie das Bild, das sich uns bietet, zustande gekommen ist. 

Einen Blick in die Fläche 70-75N/0-5E wollen wir totzdem wagen. Das Bild ist eine (nicht optimal) entzerrte Schrägaufnahme, bei der ich Farb- und Helligkeitskontraste verstärkt habe. (Um eine gute Entzerrung zu erreichen, kann man ein Linienraster aus Maurerschnüren in Meterabstand über die Fläche ziehen. Das war aber nicht nötig, da ja sowieso das Planum noch gezeichnet wird und das Foto ja nicht für die offizielle Dokumentation ist. Norden ist oben. Die Größe der Fläche ist etwa viereinhalb mal viereinhalb Meter. Das Planum ist nicht wirklich plan. Es hat einen Absatz oberhalb der dunkleren Verfärbung in der rechten Bildhälfte. 

Wir sind derzeit der Meinung, dass wir es hier bereits mit einem Ausschnitt aus einem Hausgrundriss zu tun haben. Bei dem roten Fleck (gebrannte Erde) in der Mitte der rechten Bildhälfte könnte es sich um einen Ofen, eine Feuerstelle oder ähnliches handeln. Diese wird als eine der nächsten Aufgaben vorsichtig freizulegen sein. Die sehr dunkle Verfärbung in der rechten unteren Bildecke ist vielleicht doch ein Grubenbefund, der noch weiter in die Tiefe reicht. Entscheidend ist nun, dass wir in den benachbarten Quadranten die gleiche Tiefe erreichen. 

Funde:

Am Abend jedes Grabungstages kommt etwa ein Eimer Keramikbruch an Funden zusammen. Der Großteil hat dabei leider wenig Aussagekraft. 

Manchmal gibt es ja auch etwas Außergewöhnliches, einen richtigen "Fund des Tages". 

Der "Fund des Tages" vom  achten Mai:

Spinnwirtel, also die meist tönernen Gewichte von Handspindeln, zählen zu typischen Siedlungsanzeigern verschiedener Epochen - bis ins Mitelalter. Selbstverständlich liefen unsere Vorfahren nicht nackt oder nur mit Tierfellen behängt durch die Gegend. In annähernd jeder Siedlung wird gesponnen und gewebt worden sein. Bis zur Herausbildung eines differenzierten Handwerks wurden Textilien im "Hauswerk" hergestellt. 

Die Textilien selbst sind nur in den wenigsten Fällen erhalten, nicht in Siedlungsbefunden, sondern eher in Gräbern mit besonderen, für Textilerhaltung günstigen Bodenbedingungen. Berühmt sind Textilien aus dänischen Baumsargbestattungen der mittleren Bronzezeit wie die Kleidung des "Mädchens von Egdved", das die Vorlage für die Bekleidung einer Figurine im Museum in Wolfenbüttel lieferte (Foto rechts). Unter den in Isingerode vorliegenden Bodenbedingungen erhalten sich Textilien nicht. Was sich aber durchaus erhalten kann, und womit wir auch rechnen durften, sind die tönernen Teile der Gerätschaften zur Textextilherstellung, insbesondere Webgewichte (oftmals in Form einfacher gelochter Tonbatzen) und Spinnwirtel. Als Webgewichte können allerdings auch einfache, ungelochte Steine verwendet worden sein. Die wären für uns dann kaum als solche zu identifizieren. Und ich muss sagen: Auch wenn wir Spinnwirtel in Siedlungen erwarten dürfen, so war mir in meinen fünf Jahren als Grabungshelfer bisher noch keiner untergekommen.
Am achten Mai aber fand dann Angelika das unten abgebildete Objekt, das unser Chef als Spinnwirtel identifizierte. Leider stammt es nicht aus einem erkennbaren Befund, sondern aus (wieder) der ca. 70 cm mächtigen Schicht neuzeitlich verpflügten Materials (Quadrant 70-75N/5-10E).

Überhaupt liefert diese Schicht gute Funde, wie z.B. die Lanzenspitze oder Keramik mit charakteristischen Merkmalen (Foto rechts: Frühe Eisenzeit, Funde vom 13.05.), nur bleibt ihre Aussagekraft ohne erkennbaren Befund sehr eingeschränkt. Unser Spinnwirtel muss aber ja nicht allein bleiben, und vielleicht finden wir in einer tieferen Grube ja auch noch einen Satz Webgewichte.

Am Wochenende 15./16. Mai fand wegen Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen im Rahmen des Internationalen Museumstages im Museum Wolfenbüttel keine Ausgrabung statt. Nun aber steht das lange Pfingstwochenende bevor. Die Wetterfrösche sagen voraus, dass die Temperaturen endlich über zwanzig Grad klettern werden und sich auch die Sonne wieder blicken lässt. Das werden drei gute Tage für unsere Ausgrabung! 


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