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Kampagne 2007: |
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Lothars
kleines Grabungstagebuch 2007 |
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Am
28. und 29.
September kam es in der Region zu schweren Regenfällen.
Mehrere
Gemeinden lösten Katastrophenalarm aus. Teammitglied Holger
Steinmetz ist beim THW, war bis Sonntag Nachmittag im
Hochwassereinsatz, und berichtete abends von diversen unter Wasser
stehenden Dörfern. Unsere Ausgrabung in Isingerode hat dies
leider
nicht ganz unbeschadet, wenn auch wohl noch recht glimpflich
überstanden. Am Samstag früh waren nur
Ausgrabungsleiter
Wolf-Dieter Steinmetz und ich auf der Grabung. Wir mussten feststellen,
dass durch den Regen weitere Bereiche des Ostprofils und leider auch
ein kleiner Teil unseres großartigen Westprofils (innerer
Graben)
abgerutscht waren. Nach einer Stunde im Dauerregen brachen wir
völlig durchnässt und von den Schäden leicht
frustriert
ab. ***
100. Grabungstag in Isingerode (seit Frühjahr 2006) begehen. Oh, Mann, auf zwei fleißig arbeitende Frauen kann man fast einen männlichen Eimerträgersklaven rechnen. Letzteres meine Aufgabe - und das waren über 120 Eimer. Nebenbei habe ich selbst natürlich auch mitgekellt, ein paar schöne Rand- und Bodenscherben gefunden, die leider völlig bedeutungslos sind, da sie sich in der Abbruchmasse nicht mehr ernsthaft stratigraphisch zuordnen lassen.
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Wir versetzen uns in das 8. Jahrhundert vor Christus. Im
fernen
Griechenland entstehen Grundlagen von soetwas wie einer
"europäischen Leitkultur". Die griechische Alphabethschrift
wird
entwickelt, mit ihrer Hilfe werden die homerischen Großepen
Ilias
und Odyssee niedergeschrieben, die bis heute zurecht als Beginn der
europäischen Literaturgeschichte betrachtet werden. Die ersten
historisch verbürgten Olympischen Spiele haben in diesem
Jahrhundert stattgefunden. Und wie sah es in dieser Zeit in unserer
Weltgegend aus? Nun, etwa dreißig Kilometer südlich
der
heutigen Stadt Braunschweig, bei dem heutigen Dorf Isingerode, befand
sich eine größere Siedlung. Der Kern dieser Siedlung
war mit
einem etwa zehn Meter breiten und an die vier Meter tiefen Graben
befestigt, dahinter befand sich eine mächtige Holz-Erde-Mauer.
Diese schwere Befestigung spricht einerseits für eine
hervorgehobene Bedeutung des Platzes in jener Zeit, andererseits
für einen hohen Organisationsgrad der Bevölkerung -
und
schließlich dafür, dass dies nicht unbedingt eine
sehr
friedliche Epoche war. Kaum hätten die Ur-Isingeröder
sonst
solchen Aufwand zu ihrem Schutz getrieben. Irgendwann geriet die
Befestigung in Brand. Das mag
auch durch einen Blitzschlag oder ein unbeaufsichtigtes Herdfeuer
geschehen sein, aber uns erscheint doch sehr viel wahrscheinlicher,
dass es im Rahmen kriegerischer Auseinandersetzungen geschah. |
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Schon im vergangenen Jahr, als wir erste Teile der
zusammengebrochenen,
verkohlten Holzbalkenkonstruktion, umgeben von einer mächtigen
Ascheschicht, freilegten, keimte die Hoffnung, dass wir in einem
schmalen Streifen entlang der Innenseite des Walles soetwas wie einen
kleinen "Pompeji-Effekt" vorfinden würden: Ein eingefrorener
(na gut, wohl eher "verschütteter") Moment der Katastrophe.
Und unsere jüngsten Beobachtungen geben dieser Hoffnung neue
Nahrung. |
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Dieses Gefäß wurde nicht weggeworfen,
wie der übliche Siedlungsmüll, den wir sonst finden,
sondern ist zum Zeitpunkt der Brandkatastrophe genau an diesem Punkt
umgekippt. Es steht halb auf dem Kopf. Der herabstürzende
Schutt der Mauer hat dann den Boden eingedrückt. Ich bin mir
ziemlich sicher, dass sich der hier fehlende Boden im Innern des
Gefäßes finden wird, wenn im Museum der Block
vorsichtig auseinandergenommen wird. Vgl. Egon Gersbach: Ausgrabung heute - Methoden und Techniken der Feldgrabung, (WBG) Darmstadt 1998, S. 46ff.: Zur Bergung zerbrechlicher Gegenstände - oder frage Deinen Grabungsleiter. |
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Das war die erste Blockbergung, die ich gesehen habe.
Wir waren etwas
skeptisch, weil wir nur wenige Gipsbinden dabei hatten, und weil wir
uns nicht recht vorstellen konnten, dass sich dieser Block so einfach
abheben ließe. Aber Wolf-Dieter hatte alles im Griff:
Erfahrung siegt! |
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Allerdings stimmt mich dieser Befund doch sehr skeptisch, was den Versuch einer geophysikalischen Datierung unseres Zerstörungshorizontes angeht (Siehe → hier.). Denn soweit ich diese Datierungsmethode verstanden habe, ist die Vorraussetzung dafür, dass gebrannte Erde seit dem Brennen nicht mehr bewegt wurde. Und es könnte gut sein, dass hier die Erde während des Brandes in Bewegung war, was zu einigermaßen merkwürdigen Messdaten führen dürfte. Wir werden sehen. |
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