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Lothars kleines Grabungstagebuch 2007
Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode
9. Folge: 15. und 16. September

In der vorangehenden Woche waren die bisherigen Knochenfunde unserer Ausgrabung der Spezialistin Frau Dr. Silke Grefen-Peters vorgelegt worden. Als wir im Frühjahr 2006 hier begannen, rechneten wir mit einer sehr schlechten Knochenerhaltung. Dies hat sich nicht bestätigt. Inzwischen ist eine beachtliche Anzahl von Knochenfunden zusammengekommen. Besonders viele, gut erhaltene Knochen konnten im äußeren Graben geborgen werden. 
Am Sonntag stellte nun Wolf-Dieter Steinmetz die Ergebnisse der Durchsicht durch Frau Dr. Grefen-Peters vor. Hier lassen sich sehr konkrete Aussagen machen, die ich hier aus der Erinnerung versuche zusammenzufassen. Die Bewohner unseres Burgwalles kannten an Haustieren seit der jüngeren Bronzezeit offensichtlich Schwein, Rind, Ziege, Schaf, Hund und Pferd. 
Das Pferd ist bereits in den frühen Schichten vertreten. Kleine Mädchen hören es nicht gern: Hier wurde Pferd gegessen. (Das lässt sich wohl an der Zurichtung von Knochen feststellen.) Aber wir können davon ausgehen, dass es auch als Arbeitstier, vielleicht ja seit der ausgehenden Bronzezeit auch schon als Reittier genutzt wurde.
Die Knochen im äußeren Graben können von ihrem Zustand her als Küchenabfälle betrachtet werden, was unsere These stützt, dass dieser Graben, nachdem er nicht mehr für die Verteidigungsanlage wichtig war, systematisch als Abfallgrube verfüllt wurde. Das bevorzugte Speisetier in der beginnenden Eisenzeit war scheinbar das Schwein. Allerdings gibt es auch Hinweise darauf, das gelegentlich ein Hund auf dem Teller landete. Beachtenswert ist aus diesem Graben der Fund eines Bärenknochen.
Daraus läßt sich leicht eine ganze Geschichte spinnen: Ein räuberischer, früheisenzeitlicher "Bruno" wird aus dem Harz kommend das Okertal hinabgewandert sein. Im Umfeld unserer Siedlung fand er seinen Tisch reich gedeckt mit Schafen und anderem Nutzvieh. Die Bewohner des Burgwalles aber werden sich aufgemacht haben, den Räuber zu stellen, und als ihnen das gelang, landete der Bär - Ausgleich für den angerichteten Schaden - selbst auf dem Teller.
(Der erste Roman, den ich jemals in meinem Leben gelesen habe, war Winnetou I. Und auch wenn das wohl mehr etwa 30 Jahre her ist, erinnere ich mich gut an Karl Mays Auslassungen darüber, wie wohlschmeckend Bärenfleisch sei. Fraglich, ob er sich das nur ausgedacht hat, oder vom Hörensagen wusste.)

Sehr merkwürdig, dass sich unter den Küchenabfällen im äußeren Graben auch ein Menschenknochen, der Oberarmknochen vermutlich einer jungen Frau befand... Was das bedeuten könnte, mag sich jeder selbst zurechtphantasieren.  
 Unsere wilden Spekulationen reichten von kannibalischen Ritualen bis zur Spur eines vor 2700 Jahren verübten Mordes.
Die "germanische" Verfüllschicht des inneren Grabens übrigens enthielt hauptsächlich Schlachtabfälle von Pferd und Rind.
Faszinierend, welche Aussagen Frau Dr. Grefen-Peters hier auf Grund unserer Funde machen konnte.

Am Sonntag gab es auch wieder einen schönen "Fund des Tages". In dem Schnitt, den wir durch unsere Holzbalkenkonstruktion gelegt haben, legte Jutta eine große, senkrecht im Boden steckende, verzierte Randscherbe frei. Auf der Schulter zeigte sie eine Reihe von Fingerkuppeneindrücken. Diese sah fast genau so aus, wie eine im Vorjahr gefundene Scherbe (siehe → hier). Auch dürften die zugehörigen Gefäße etwa gleich groß gewesen sein. Auf den ersten Blick dachten wir fast, sie gehörten zusammen, erkannten dann aber, dass Juttas Fund zusätzlich einen Wellenrand besitzt. Der Fund stützt unsere Datierung der Holzbalkenkonstruktion in die ausgehende Bronzezeit.



Foto unten: Jutta präsentiert ihren Fund vor dem Team und Gästen.



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