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In
der vorangehenden Woche waren die bisherigen Knochenfunde unserer
Ausgrabung der Spezialistin Frau Dr. Silke Grefen-Peters vorgelegt
worden. Als wir im Frühjahr 2006 hier begannen, rechneten wir
mit einer sehr schlechten Knochenerhaltung. Dies hat sich nicht
bestätigt. Inzwischen ist eine beachtliche Anzahl von
Knochenfunden zusammengekommen. Besonders viele, gut erhaltene Knochen
konnten im äußeren Graben geborgen werden.
Am Sonntag stellte nun Wolf-Dieter Steinmetz die Ergebnisse der
Durchsicht durch Frau Dr. Grefen-Peters vor. Hier lassen sich sehr
konkrete Aussagen machen, die ich hier aus der Erinnerung versuche
zusammenzufassen. Die Bewohner unseres Burgwalles kannten an Haustieren
seit der jüngeren Bronzezeit offensichtlich Schwein, Rind,
Ziege, Schaf, Hund und Pferd.
Das Pferd ist bereits in den frühen Schichten vertreten.
Kleine Mädchen hören es nicht gern: Hier wurde Pferd
gegessen. (Das lässt sich wohl an der Zurichtung von Knochen
feststellen.) Aber wir können davon ausgehen, dass es auch als
Arbeitstier, vielleicht ja seit der ausgehenden Bronzezeit auch schon
als Reittier genutzt wurde.
Die Knochen im äußeren Graben können von
ihrem Zustand her als Küchenabfälle betrachtet
werden, was unsere These stützt, dass dieser Graben, nachdem
er nicht mehr für die Verteidigungsanlage wichtig war,
systematisch als Abfallgrube verfüllt wurde. Das bevorzugte
Speisetier in der beginnenden Eisenzeit war scheinbar das Schwein.
Allerdings gibt es auch Hinweise darauf, das gelegentlich ein Hund auf
dem Teller landete. Beachtenswert ist aus diesem Graben der Fund eines
Bärenknochen.
Daraus
läßt sich leicht eine ganze Geschichte
spinnen: Ein räuberischer, früheisenzeitlicher
"Bruno" wird aus dem Harz kommend das Okertal hinabgewandert sein. Im
Umfeld unserer Siedlung fand er seinen Tisch reich gedeckt mit Schafen
und anderem Nutzvieh. Die Bewohner des Burgwalles aber werden sich
aufgemacht haben, den Räuber zu stellen, und als ihnen das
gelang, landete der Bär - Ausgleich für den
angerichteten Schaden - selbst auf dem Teller.
(Der erste Roman, den ich jemals in meinem Leben gelesen habe, war
Winnetou I. Und auch wenn das wohl mehr etwa 30 Jahre her ist, erinnere
ich mich gut an Karl Mays Auslassungen darüber, wie
wohlschmeckend Bärenfleisch sei. Fraglich, ob er sich das nur
ausgedacht hat, oder vom Hörensagen wusste.)
Sehr merkwürdig, dass sich unter den
Küchenabfällen im äußeren Graben
auch ein Menschenknochen, der Oberarmknochen vermutlich einer jungen
Frau befand... Was das bedeuten könnte, mag sich jeder selbst
zurechtphantasieren. 
Unsere wilden Spekulationen reichten von kannibalischen
Ritualen bis zur Spur eines vor 2700 Jahren verübten Mordes.
Die "germanische" Verfüllschicht des inneren Grabens
übrigens enthielt hauptsächlich
Schlachtabfälle von Pferd und Rind.
Faszinierend, welche Aussagen Frau Dr. Grefen-Peters hier auf Grund
unserer Funde machen konnte.
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Am
Sonntag gab es auch wieder einen schönen
"Fund des Tages". In dem Schnitt, den wir durch unsere
Holzbalkenkonstruktion gelegt haben, legte Jutta eine große,
senkrecht im Boden steckende, verzierte Randscherbe frei. Auf der
Schulter zeigte sie eine Reihe von Fingerkuppeneindrücken.
Diese sah fast genau so aus, wie eine im Vorjahr gefundene Scherbe
(siehe
→ hier).
Auch dürften die zugehörigen
Gefäße etwa gleich
groß gewesen sein. Auf den ersten Blick dachten wir fast, sie
gehörten zusammen, erkannten dann aber, dass Juttas Fund
zusätzlich einen Wellenrand besitzt. Der Fund stützt
unsere
Datierung der Holzbalkenkonstruktion in die ausgehende Bronzezeit.
Foto unten: Jutta präsentiert ihren Fund vor dem Team und
Gästen.

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