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Tatsächlich haben wir den Einsturz dann
zunächsteinmal belassen, wie er war, und uns dem Westprofil
zugewandt.
Naturwissenschaftliche
Untersuchungen: Ganz verschiedene Beiträge aus der Geophysik
Schon Ende Mai hatte die
Geophysikerin Frau Dr. Elisabeth Schnepp mit
uns Kontakt aufgenommen. Sie arbeitetete mit einer mir bis dahin
völlig unbekannten, noch recht jungen Methode zur
naturwissenschaftlichen Absolutdatierung von - ja - nicht
Funden, sondern Befunden. Zur Anwendung dieser Methode
benötigt man gebrannte Erde, die seit dem Brand nicht mehr
bewegt wurde. Frau Dr. Schnepp hatte die Methode bereits mit gutem
Erfolg an Befunden diesseits der Zeitenwende angewandt, und suchte nun
Befunde, die bis in die frühe Eisenzeit und Bronzezeit grob
vordatiert sind.
 Unsere
verkohlte Holzbalkenkonstruktion könnte hier gut geeignet sein.
Wie funktioniert diese Methode?
Ich versuche das mal, soweit ich es selbst verstanden zu haben glaube,
knapp wiederzugeben. Bekanntlich "wandert" der magnetische Nordpol der
Erde und damit verändert sich die Ausrichtung des
Erdmagnetfeldes. Magnetische Teilchen im Boden richten sich nach disem
Erdmagnetfeld aus. In gebrannter Erde aber wird ihre Ausrichtung
konserviert. Aus der Abweichung zwischen der heutigen Ausrichtung des
Erdmagnetfeldes und derjenigen von gebrannter Erde, die seit dem Brand
nicht mehr bewegt wurde, kann man damit den Zeitpunkt des Brandes -
wohl mit einer Genauigkeit von etwa 50 Jahren - errechnen. Allerdings
wiederholt sich die Ausrichtung des Erdmagnetfeldes nach einem
langfristigen Zyklus, so dass man für einen Befund gebrannter
Erde schon wissen muss, ob er eher aus dem frühen
Mittelalter, der Zeit um Christi Geburt, oder aus der Bronzezeit
stammt. Am 15.07. hat Frau Dr. Schnepp bei uns Proben genommen. Nach
der Grobdatierung von Keramikfunden erwarten wir, dass unsere
Holzbalkenkonstruktion in der jüngsten
Bronzezeit/frühesten Eisenzeit abgebrannt ist. Mit
großer Spannung warten wir nun auf die Ergebnisse der Methode
von Frau Dr. Schnepp. Wie aussagekräftig, und wie genau werden
ihre Messergebnisse sein? Als zusätzliche Kontrolle wird sie
einige 14C-Proben der Holzbalken datieren lassen. Gerade für
die frühe Eisenzeit aber ist die 14C Methode
(Kohlenstoffisotopmessung in organischem Material) sehr ungenau, da es
in dieser Zeit erhebliche Schwankungen des 14C-Gehaltes der
Atmosphäre gab. Damit könnte der geophysikalischen
Datierung für diese Epoche in Zukunft eine große
Bedeutung zukommen. Leider nimmt die Aufbereitung der Proben einen
langen Zeitraum in Anspruch, so dass wir mit Ergebnissen hier erst im
Spätherbst rechnen können.
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Fast schon zum
Standard
größerflächiger Ausgrabungen
gehört heute die geophysikalische Prospektion. Diese misst
geringfügigste Abweichungen in der Stärke des
Erdmagnetfeldes, aus denen man auf im Boden verborgene Strukturen
schließen kann.
 Bereits
im vergangenen Jahr hatte Herr Dr. Thomas Schenk einen Teil der
mutmaßlichen besiedelten Fläche für uns mit
hervorragenden Ergebnissen vermessen. Nachdem das Feld, unter dem die
Spuren unserer "Isiburg" liegen, abgeerntet war, hat er nun in diesem
Jahr eine größere Fläche mit einem neuen,
hochauflösend messenden Gerät untersucht. Schon die
ersten, noch kaum aufbereiteten Bilder dieses "Boden-Scans" versetzten
uns in höchste Begeisterung. Das Bild rechts ist nur ein
kleiner Ausschnitt, ein Appetithappen. Wer das ganze Bild sehen
möchte - und auch hören möchte, was
für Schlussfolgerungen man aus diesem Bild ziehen kann, der
sollte unbedingt zu unserem "Tag der offenen Ausgrabung" kommen.
Mit etwas Glück wird an diesem Tag dann auch noch ein dritter
Geophysiker neueste Technologie im Umfeld der Isiburg testen, ein
Experiment, dass man dann life
miterleben kann, aber das soll eine Überraschung werden ;-).
Bemerkungen zum
Stand der Grabung:
Obwohl wir in diesem Jahr schon große Mengen Erde
bewegt, viele Funde gemacht, und neue Erkenntnisse gewonnen sowie
ältere Erkenntnisse gefestigt haben, sind wir mit diesem Platz
noch lange nicht
am Ende. Selbst nicht mit diesem einen Schnitt. Dabei hat das
neue Magnetbild von Dr. Schenk uns auf eine ganze Reihe von Stellen
aufmerksam gemacht, die auszugraben vielversprechend ist.
Wo aber stehen wir?
 Im
äußeren Graben - "Michaels Loch" - werden wir mit
hoher Wahrscheinlichkeit in wenigen Wochen "durch" sein. Zumindest
für diesen Abschnitt des äußeren Grabens
lassen sich auch sehr konkrete Aussagen treffen. Bis jetzt liegen hier
an die 4000 (!!!) Funde vor, Knochen und Keramik.
Foto links: Anpassende Scherben eines Henkelgefäßes;
Foto rechts: Der halbe Unterkiefer - eines Hausschweins?
Alle datierbaren
Funde weisen in die frühe Eisenzeit. Vorbehaltlich der
Detailauswertung gehen wir davon aus, dass dieser Graben nur kurze Zeit
in Gebrauch war, möglicher Weise in einer ganz konkreten
Bedrohungssituation ausgehoben wurde, und später systematisch
als Abfallgrube verfüllt wurde. Wenn irgend
möglich, müssen wir den äußeren
Graben irgendwann nocheinmal an einer anderen Stelle schneiden, um zu
sehen, ob sich hier ein ähnliches Bild ergibt.
Der innere Graben ist komplizierter. Er hat
vermutlich mehrere Nutzungsphasen über Jahrhunderte hinweg
erlebt , ist immer wieder ausgebaut und dabei immer weiter nach
"außen" verlegt worden (siehe schematische Skizze in →
Folge 7),
 Die
Verfüllung der jüngsten Phase dieses Grabens
erbrachte auch in den letzten Wochen immer wieder Funde, die sicher in
die letzten Jahrzehnte vor Christi Geburt datieren. (Die Fotos zeigen
nur eines von vielen Stücken.) Vor allem der
unermüdlichen Arbeit von Achim Scheffler verdanken wir, dass
wir diese Grabenphase bald vollständig "ausgelöffelt"
haben. Die Arbeit in der Westhälfte des Schnittes
bestätigt dabei die Ergebnisse der Arbeit in der
eingestürzten Osthälfte. Die nördliche,
innere Böschung des Grabens ist allerdings in klar trennbaren
Schichten aufgebaut, die Funde von der älteren Eisenzeit bis
zurück in die beginnende jüngere Bronzezeit
erbrachten.
Nach dem Einsturz der Ostprofilwand werden wir
diese Schichten noch weiter bis in mehr als dreieinhalb Meter Tiefe
verfolgen müssen. (Wir sind jetzt etwa auf zwei Meter.) Im
"Wallbereich" haben wir höchstwahrscheinlich bei ca. 1m40
unter heutiger Oberfläche den gewachsenen Boden erreicht.
Dieser fällt aber im Übergangsbereich zum Graben fast
senkrecht ab. Zunächst können wir das bis in 2m Tiefe
verfolgen. - Aber wie tief geht das so weiter?
Das Foto links zeigt eine sehr charakteristische Scherbe aus den
ältesten Schichten mit schrägen Kanneluren auf der
Gefäßschulter.
Nördlich, auf der Hochfläche, schließt sich
ein Bereich an, in dem immer mehr verkohlte Bretter und Bohlen
freigelegt werden. Hier gehen wir mit äußerster
Vorsicht vor, und selbst bei optimistischster Schätzung werden
wir in diesem Abschnitt dieses Jahr nicht mehr den gewachsenen Boden
erreichen.
Ich persönlich hatte gehofft,
dass all diese Hölzer zu einer
einzigen Struktur gehören, über deren
Konstruktion wir nach einer Zusammenschau dann sehr konkrete Aussagen
treffen könnten. Wolf-Dieter Steinmetz, unser Grabungsleiter
aber erkennt bereits jetzt zwei zu trennende Schichten, so dass
für jede Bauphase weniger Material zur Rekonstruktion der
Architektur übrigbleibt. Und nach langem Betrachten der
Befunde muss ich sagen: Er hat wohl Recht.
Weiter im Inneren der Anlage schließen sich Strukturen an,
die wir bisher nur aus dem neuen Magnetbild kennen. Es gibt noch soooo
viel zu tun. - Graben wir's aus!
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