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Lothars kleines Grabungstagebuch 2007
Persönliche Erlebnisberichte  von der Ausgrabung am Burgwall Isingerode
6. Folge: 2./3. Juni

Langsam aber beständig knabbern sich die Kellen der Grabungshelfer tiefer. Nicht jeder Grabungstag bringt revolutionäre, neue Erkenntnisse. Am Sonntag gab es aber eine Überraschung bei den Funden. 
Von den über siebzig Scherbenfunden, die Michael allein an diesem Sonntagnachmittag im Bereich des äußeren Grabens machte, sind oben drei besonders schöne zu sehen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem links abgebildeten Stück zu. Es handelt sich um das Bruchstück eines Gefäßes, das mit horizontalen Riefen verziert ist. Die horizontal geriefte Ware gilt als charakteristisch für die Zeitstufen PV bzw. HaB. 

Manche Leser dieser Seite werden mit diesen Abkürzungen wenig anzufangen wissen. Am Ende dieser Seite finden sich ein paar → Bemerkungen zur Chronologie, und ich habe auch versucht, eine kleine → Tabelle dazu zu "malen". 

Auch von Fundplätzen in der näheren Umgebung von Isingerode ist diese Ware bekannt. Ein sehr schönes Gefäß von der Fundstelle "Lietfeld" bei Werlaburgdorf, nur dreieinhalb Kilometer nordwestlich des Burgwalles von Isingerode gelegen, ist im → Museum Heimathaus Schladen zu bewundern (siehe Foto unten links).

Ein Besuch dieses Museums in der alten Mühle sei sehr empfohlen, besonders wegen der wunderbaren archäologischen Abteilung, die es mit manchem Kreismuseum aufnehmen kann. Leider ist das Museum nur an ein bis zwei Sonntagen im Monat geöffnet. 

Unter den hunderten von Scherben, die wir bei unserer Grabung gefunden haben, war nun bisher die horizontal geriefte Ware mit keinem Stück vertreten. Wir waren bereits dabei, uns mit dem Gedanken anzufreunden, dass es für den entsprechenden Zeitabschnitt eine Siedlungsunterbrechung gegeben haben könnte. Das wird jetzt wieder weniger wahrscheinlich.

Bemerkungen zur Chronologie

Eine der wichtigsten Fragen, die wir an einen Fund stellen, ist sicherlich: Von WANN ist das? Als Antwort dürfen wir kaum eine konkrete Jahreszahl erwarten. Vielmehr dürfen wir glücklich sein, wenn die Zuweisung zu einer bestimmten Epoche, einem Epochenabschnitt, einer Kultur oder Kulturstufe gelingt. Dabei haben wir es aber mit einem ganzen Wust von verschiedenen Begriffen zu tun. Die Angelegenheit wird kaum erleichtert dadurch, dass es auf die Frage "WANN?" für die Bronzezeit und frühe Eisenzeit Antworten nach zwei verschiedenen Chronologiesystemen gibt. Das eine wurde ursprünglich von Montelius für die "Nordische Bronzezeit" (will sagen: Skandinavien) entwickelt, das andere von Reinecke für Süddeutschland und Österreich. Unser Braunschweiger Land liegt irgendwo dazwischen. Epochenbegriffe aus beiden Systemen finden für unsere Region Verwendung. Dazu kommen Namen von Kulturgruppen, bei denen gleichzeitig eine zeitliche Zuordnung gemeint ist. Warf neulich ein Archäologe einem Grabungshelfer den Begriff "Nienburger Dreieck" an den Kopf, so wusste letzterer nicht wirklich etwas damit anzufangen. Da wären wir dann in der frühen Eisenzeit. 
Besonders tückisch empfand ich in der älteren Literatur immer den inflationären Gebrauch des Begriffes "Latène", der zu dem Missverständnis führte, man habe es hier mit den alten Kelten zu tun, obwohl der Autor häufig nur "Latène-zeitlich" meinte.
Ich habe versucht, die verschiedenen Begriffe, die für die jüngere Bronze-/frühe Eisenzeit in Isingerode eine Rolle spielen könnten, in einer Tabelle unterzubringen. Wie immer unverbindlich bezüglich der Genauigkeit und dankbar für Hinweise auf Fehler. Der eine oder andere Interessierte mag sie hilfreich finden, um das Fach-Chinesisch der Ur- und Frühgeschichtler besser zu verstehen.

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